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Warum diese Entscheidung so schwer fällt

Weihnachten vor rund eineinhalb Jahren im Kreise meiner Familie – das war das erste Mal, dass ich über die Idee einer Auszeit gesprochen habe. Ich war zufrieden mit meinem Leben, aber glücklich war ich nicht. Mein Umfeld hatte sich in den letzten Monaten gewandelt, da viele meine engsten Freunde Familie gründeten und sich dadurch auch mein Leben änderte. Um ehrlich zu sein, habe ich damals das Reisen nur als eine mögliche Option gesehen. Ich habe vielmehr davon geredet, dass sich etwas in meinem Leben ändern muss: der anstrengende und zeitintensive Job, bei dem ich auf der Stelle trat; der wechselnde Beziehungsstatus; oder einfach nur der Wohnort. Die Reaktion meiner Familie war sehr unterschiedlich: von Skepsis, über Verwunderung bis hin zu spontaner Begeisterung. Einige Tage später war ich an Silvester zu Freunden eingeladen. Es gab jede Menge Alkohol, Konfetti und Glückskekse. Leicht angetrunken und mit glitzernden Punkten im Haar öffnete ich meinen Keks und dort stand: „Eine Reise wird Sie erwarten.“ Das war der Moment, in dem ich wusste, dass das Universum mir ein Zeichen sendet und die Veränderung in meinem Leben, eine Reise sein wird. Ich lächelte, steckte den Zettel in mein Portemonnaie und feierte ins neue Jahr hinein.

 

 

 

In den folgenden Monaten kreisten meine Gedanken immer wieder um dieses Thema. Ich wägte ab, spielte Optionen durch, machte im Kopf Pro- und Kontralisten. Erst nach und nach sprach ich mit meinen engsten Freunden darüber. Eine Konstante in diesem Prozess war meine große Schwester. Mit ihr tauschte ich mich viel zu den Themen Auszeit und Reisen aus – kein Wunder, denn sie selbst hatte just einen großen Veränderungsprozess durchlebt und viele Dinge hinter sich gelassen um ihr Leben komplett neu zu gestalten. Sie stellte mir kritische Fragen, um die Antwort, die ich schon längst in mir trug, hervor zu kitzeln. Sie motivierte mich, wenn ich in alte Muster fiel und meine derzeitige Situation beschönigte. War skeptisch, wenn ich davon sprach, dass sich ja doch noch alles spontan ändern könnte, wenn ich dort blieb, wo ich war. Ohne sie hätte ich vermutlich noch weitere 2 Jahre gebraucht um mich zu der Entscheidung, alles hinter mir zu lassen, durchzuringen.

 

 

 

Ich habe mich lange gefragt, warum mir dies so schwer viel. Ich bin ein neugieriger und offener Mensch, mag Herausforderungen und Abenteuer, ich liebe das Reisen und andere Kulturen. Aber ich bin eben auch auf Sicherheit bedacht, fühle mich in meinem Zuhause sehr wohl und weiß, dass das Verlassen der eigenen Komfortzone zu Beginn unbequem ist. Letztlich muss ich mir eingestehen, dass ich Angst hatte. Angst vor Veränderung. Angst, Dinge und Menschen hinter mir zu lassen. Angst, dass ich das alleine nicht schaffe.

 

 

 

Dann kam im März der Urlaub in Tel Aviv. Diese Stadt hat mich aufgesogen mit ihrer Dynamik. Ich war beeindruckt vom bunten Leben im Hier & Jetzt. Dort wurde mir schlagartig bewusst, dass das Leben nicht auf Morgen wartet. Zurück in Hamburg, setze ich die Kündigung auf und machte mich auf die Suche nach einer Zwischenmieterin für meine Wohnung. Die Entscheidung war gefallen.

 

 

 

„Es sind nicht unsere Fähigkeiten, die zeigen, wer wir sind, sondern unsere Entscheidungen.“

Dumbledore aus Harry Potter

 

 

 

Ich glaube, dass echte Entscheidungen auch immer bedeuten, Sicherheit aufzugeben. Es bedeutet, Dinge, Menschen oder Beziehungen hinter sich zu lassen – wenn auch nicht für immer, aber doch für einen gewissen Zeitraum. Und dass das nicht einfach ist, ist ganz normal.

Bis heute habe ich keinen einzigen Tag bereut, diese Entscheidung getroffen zu haben. Denn ich habe in den letzten Monaten gelernt, dass ich Vertrauen in mich und in die Zukunft haben kann. Denn am Ende bereut man nur die Dinge, die man nicht getan hat.