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Puerto Varas

 Am Abend komme ich im beschaulichen Puerto Varas an, einem Städtchen nördlich von Puerto Montt. Die Lage ist etwas hügelig und besonders schön am Lago Llanquihue mit Blick auf den Osorno Vulkan. Da ich noch bei Helligkeit ankomme, entscheide ich mich dafür, die knapp 2km vom Busbahnhof zum Hostel zu laufen. Mal wieder bin ich froh, dass ich nur relativ kleines Gepäck dabei habe, da ich dadurch solche Strecken zu Fuß absolvieren kann. Dadurch spare ich nicht nur etwas Geld, sondern bekomme auch einen ersten Eindruck von der Stadt.

Das Hostel Compass del Sur habe ich am Abend zuvor kurzfristig gebucht. Ich bin sofort von der gemütlichen Atmosphäre, dem netten Empfang und den guten Tipps zu Unternehmungen in der Region begeistert.

 

Nationalpark Vicente Pérez Rosales

Der nächste Morgen beginnt früh. Um 8.15 nehme ich den Bus zum Park. Obwohl es viele Anbieter gibt, die eine organisierte Tour anbieten, beschließe ich, die Besichtigung auf eigene Faust zu tun. Der Bus fährt ziemlich unregelmäßig vor der Banco de Chile in der Calle del Salvador 201. Um den richtigen Bus zu erwischen, muss man einfach auf die großen Schilder im Bus achten, da sind die Ziele angeschrieben. Schön ist, dass man fast ausschließlich mit Einheimischen im Bus sitzt, da die meisten Touristen wohl die bequeme Variante mit den professionellen Anbietern wählen. Die Hinfahrt zum Park dauert da 1.5 Stunden (ca. 2500 Pesos) und man hat einen wunderbaren Blick auf den schneebedeckten Osorno Vulkan.

Endstation ist Petrohue, einem Minidorf bestehend aus einem kleinen Anleger am See, einem Hotel, einem Museum sowie zwei weiteren Häusern. Gleich hinter dem Museum ist das Büro der CONAF, welche die Organisation und Pflege der meisten Nationalparks in Chile inne hat. Dort meldet man sich an, trägt sich eine Liste und bekommt eine Empfehlung, welchen Weg man gehen kann. Ich entscheide mich, der Empfehlung des Rangers zu folgen und zum Mirador de la Picada zu wandern. Es geht vorbei am Lago de los Santos, über schwarzen Sand, durch mit Büschen bewachsene Steppe - vor mir der Vulkan, hinter mir der klare See. Die Luft ist frisch und die Sonne scheint. Es ist wunderbar. Auf dem Weg hinauf zum Aussichtspunkt lerne ich Jason kenne, ein Brite, der seit 3 Monaten unterwegs ist und auch viel Couchsurfing macht. Wir unterhalten uns so gut, dass wir kurzerhand beschließen, den Weg zusammen zu gehen. Oben angekommen machen wir eine Pause und genießen unser Mittagessen mit Blick auf den riesigen, vor uns liegenden See und das Gebirge dahinter. Es sieht aus, als hätte jemand Puderzucker auf die Berge gestreut.

Der Weg zurück führt wieder zum See - leider ist dieser zu kalt zum Baden. Nach ca. 4 Stunden nach dem Start kommen wir wieder in Petrohue an. Da Jason im Trampen sehr versiert ist, versuchen wir mit dieser Methode die nächsten 6km bis zu den Wasserfällen Los Saltos de Petrohué zu kommen. Er meint, weil ich eine Frau bin, hätten wir super Chancen. Und er behält natürlich recht. Schon das erste Auto hält an. Alleine hätte ich mich das niemals getraut (ist vermutlich auch besser so). Mit einer uralten, abgelockten gelben Allradkarre mit Ladefläche fahren wir mit Juan bis zu den Wasserfällen. Ich freue mich, dass ich ein paar Worte mit Juan wechseln kann, um mich zu bedanken. Wir springen raus und er braust davon.

 

Los Saltos de Petrohué

Es gibt mehrere kleine Routen, die man erlaufen kann. Alles ist gut ausgeschildert und erreichbar. Der Fluss braust das Felsenbett nur so herunter und die Aussichtsplattform macht es möglich, dass man direkt darüber steht. Das Wasser ist so mineralhaltig, dass es in türkis und grün schimmert. Die Gischt ist eine sehr willkommene Erfrischung nach der Wanderung. Wir stehen einfach nur da und genießen. Mit 4000 Pesos Eintritt, ist diese touristische Attraktion sicherlich keine sehr günstige Angelegenheit. Aber auf jeden Fall empfehlenswert - insbesondere, wenn aufgrund der Nebensaison, nur wenige Besucher hier sind.

Nach etwa 30 Minuten Besichtigung nehmen wir den Bus zurück nach Puerto Varas. Ich bin so müde und zufrieden, dass ich im Bus einnicke.

 

Frutillar

Am nächsten Tag fahre ich am frühen Vormittag mit dem Bus nach Frutillar (Frutillar Bajo, also den unteren Teil): eine kleine Stadt mit ca. 15.000 Einwohnern in ca 28km Entfernung von Puerto Varas. Dort gehe ich etwas am Ufer des Lago Llanquihue spazieren. Es liegt noch leichter Nebel auf dem See und darüber sieht man die Spitzen der beiden Vulkane Osorno und dem kleineren Puntiaguado mit seiner kantigen Spitze. Ich bin alleine, genieße die Einsamkeit, die frische Luft und die Sonne, die sich langsam durch die Wolken kämpft. Ein tolles Fotomotiv ist die kleine mit Schnitzereien verzierte Mole aus Holz, die in den See ragt. Ich spaziere das Seeufer Richtung Norden und besichtige den Parque Edmundo Winkler, einen sehr naturbelassenen kleinen Wald der Universität Chile. Der Rundgang dauert etwa 20 Minuten (Eintritt 1000 Pesos), je nach Wetter empfehle ich feste Schuhe, da die Wege nicht befestigt sind.

Auf dem Weg zurück zur Hauptstraße von Frutillar laufe ich an einem wunderbaren Café Casa Rosalba vorbei und beschließe dort eine kleine Mittagspause zu machen. Es ist sehr liebevoll mit Vintage-Elementen eingerichtet und die Besitzerin steht persönlich hinter dem Tresen. Ich sitze auf der Terrasse in der Sonne, blicke auf den See und genieße meinen Tee und eine süße, schokoladige Kleinigkeit.

Dann mache ich mich auf den Weg zurück nach Puerto Varas und von dort nehme ich den Reisebus (Cruz del Sur) nach Ancud, Isla de Chiloe.

 

Nach zwei Tagen Puerto Varas muss ich sagen, dass ich gerne noch einen Tag länger geblieben wäre um das Städtchen und die wunderbare Natur zu genießen. Ich habe mich hier selbst bei Dunkelheit sehr sicher gefühlt und die Anzahl an Wanderungen und Unternehmungen in der Region ist nahezu unbegrenzt - von Rafting, über Mountainbiking bis hin zur Vulkanbesteigung. Ich behalte es jedenfalls in sehr guter Erinnerung und kann es jedem Reisenden nur empfehlen!

 

Hostel Compass der Sur

Klenner 467, Puerto Varas

 

Café Casa Rosalba

28, Caupolican, Frutillar

 

Panadería la Repostrería

San Francisco 1119

Leider habe ich es nicht geschafft, diese sehr gute deutsche Bäckerei zu besuchen (Tipp von Jason). Sicherlich beim nächsten Mal ;)