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Isla de Chiloe - Ancud

 

Die Fahrt von Puerto Varas dauert rund 3 Stunden und führt unter anderem über eine Fähre auf die Isla de Chiloe. Am Busterminal angekommen, mache ich mich wieder zu Fuß auf den Weg zum Hostel Submarino amarillo, das in der Nähe vom Stadtkern liegt. Die Ausstattung ist etwas einfacher gehalten, aber sehr liebevoll und mit vielen improvisierten Elementen gestaltet.

Fuerte San Antonio
Noch am selben Abend spaziere ich in die Stadt hinein, kaufe etwas zum Essen für die nächsten beiden Tage und genieße auf der alten Mauer der Ruinenfestung Fuerte San Antonio, den Sonnenuntergang. Die Muscheln auf dem Kiesweg knirschen so schön beim Darüberlaufen und die Wolken am Himmel wirken erleuchtet von der untergehenden Sonne.

Islotes de Puñihuil Natural Monument
Eine der besten Attraktionen in Ancud ist die Besichtigung der Pinguin-Kolonien im westlichen gelegenen Teil der Insel. Ich entschließe mich am nächsten Tag dazu, keine organisierte Tour zu buchen (kostet ca. 15.000 Pesos), sondern den Ausflug auf eigene Faust zu unternehmen. Da Nebensaison ist, fährt der Bus zu den Pingüineras Puñihuil gegen 12 vom Busbahnhof ab. Die Fahrt dauert etwas eine Stunde ist für 1500 Pesos zu haben. Am Strand angekommen, wird man direkt von den Fischern der Region abgefangen, die die Pinguin-Touren anbieten. Die Tour vor Ort kostet 7000 Pesos. Nach kurzer Einweisung und dem Anlegen der Rettungsweste, geht es auch schon los. Wir fahren mit einem kleinen Boot um die nah gelegenen Inseln. Obwohl es bewölkt und kalt ist, gefällt mir die raue Atmosphäre. Wir sehen einige wenige Pinguine auf den Felsen, wie sie uns neugierig begutachten und sich etwas tollpatschig auf den kantigen Vulkanfelsen bewegen. Es sind Humboldtpinguine wie wir erfahren. Eine Insel weiter entdecken wir drei junge Robben, die auf dem Vulkaninselchen liegen. Auch Vogelbeobachter kommen hier auf ihre Kosten, da es hier verschiedene Arten von Kormoranen gibt. Nach ca. 40 Minuten fahren wir wieder zurück zum Strand. 
Oberhalb des Strandes, vorbei am Restaurant El Rincón, führt ein kurzer Weg hinauf auf eine Anhöhe zu zwei verschiedenen Aussichtspunkten. In der Hauptsaison muss man für die Nutzung des Privatweges 500 Pesos bezahlen. Unbedingt machen! Der Ausblick über die Bucht ist einfach wunderbar.
Da der nächste Bus erst in zwei Stunden zurück in die Stadt fährt (das ist der Nachteil, wenn man die Dinge selbst organisiert), spaziere ich mit Stella - eine Schweizerin, die auch alleine unterwegs ist und im gleichen Boot saß wie ich - die Straße Richtung Ancud entlang. Nach ca. 10 Minuten - wir haben noch nicht mal den Daumen raus gehalten - hält Patricio in seinem Jeep an und fragt, ob er uns mitnehmen soll. Er fährt nach Ancud. Wir überlegen nicht lange und so sitze ich zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit in einem Auto eines fremden Menschen. Wie ich von Stella erfahre, ist trampen hier auf Chiloe wohl eine sehr gängige und sehr sichere Methode der Fortbewegung. 30 Minuten später erreichen wir Ancud.
www.pinguineraschiloe.cl
 
Museo Regional de Ancud
Den Vormittag des darauf folgenden Tages beginne ich mit der Besichtigung des Museums von Ancud, das archäologische Funde der Insel ausstellt und sehr ansehnlich die Geschichte der Isla de Chiloe erzählt (leider nur in spanisch). Ganz besonders interessant finde ich den Bereich über das Kunsthandwerk, insbesondere der Färbung von Wolle und die Produktion von Decken und Bekleidung im traditionellen Stil.
 
Wochenmarkt in Ancud
Wie in jeder noch so kleinen chilenischen Stadt gibt es auch in Ancud einen Wochenmarkt. Er befindet sich im Zentrum der Stadt in einer kleinen Halle. Wie üblich gibt es in der unteren Etage kleine Stände, in denen die Verkäufer ihre Ware anbieten. Im oberen Bereich befinden sich Kunsthandwerker und Restaurants, die insbesondere mittags geöffnet sind.
Nahezu jeder Stand hat eine mir bis dahin unbekannte Pflanze im Angebot, die sich Nalca nennt. Auf meinen Wanderungen habe ich sie schon häufiger am Wegesrand wachsen sehen mit riesigen Blättern und dicken Stängeln. In der deutschen Übersetzung heißt die Pflanze auch Mammutblatt. Aus diesen Stängel kann man das Innere verwenden und einen Salat machen. Anscheinend soll es einen leicht bitteren Geschmack haben. Daher wird die Nalca Pflanze auch chilenischer Rhabarber genannt.
Und dann habe ich da noch ein Bündel entdeckt, das mir auf den ersten Blick nach getrockneter Schweineschwarte aussieht. Wie ich herausfinde, handelt es sich aber um eine hier vorkommende Alge, die getrocknet wird und dann für Suppen verwendet werden kann. Neben diesen Cochayuyo-Schlingen gibt es noch eine weitere Alge: die Luche. Diese wird zu einem Block gepresst und dann in Scheiben angeboten. Sie dient als Spinatersatz. Außerdem lese ich, dass Chile ebenfalls Top-Produzent der Noriblätter für das all so beliebte Sushi ist. Algen sind hier also hoch im Kurs. Naja, andere Länder, andere Lebensmittel.
Neben dem Wochenmarkt haben sich in den umliegenden Straßen fliegende Händler mit Bekleidung angesiedelt. Da wird mal schnell ein Tuch aufgespannt oder der nächste Zaun benutzt um seinen Laden zu gestalten. Improvisation wird hier groß geschrieben. Interessant, wo Second Hand Klamotte doch so landet. Wie es aussieht, geht doch nicht alles nach Afrika, sondern durchaus auch nach Südamerika.
 
Quemchi & Puente Aucar
Da ich am Abend weiter fahre nach Castro, plane ich einen entspannten Halbtagsausflug in der näheren Umgebung von Ancud. Am Morgen genieße ich noch die Sonne auf der Terrasse des Hostels. Auf Empfehlung des Hosteltypen, fahre ich am späten Vormittag mit dem Bus nach Quemchi (ca. 1:20 min). Im kleinen Quemchi kann man eine der so berühmten Holzkirchen von Chiloe anschauen. Viele sind leider geschlossen - so auch diese. Aber von außen ist die bunt angestrichene Kirche auch eine Augenweide. Ein netter Herr nimmt mich im Auto mit zur Puente Aucar. Dies ist eine Holzbrücke von 520 Meter Länge auf eine kleine Insel, die Isla Aucar. Oder auch Isla de la almas navegantes genannt. Auf der Insel gibt es nicht viel mehr als eine kleine Kapelle und einen Friedhof. Den Weg zurück nach Quemchi laufe ich. Es geht auf und ab entlang der Straße (ca. 5km, 1h) und ich mache in Quemchi am Seeufer eine Mittagspause. Dann schlendere ich noch etwas durch das Dorf und nehme den Bus zurück nach Ancud. Von dort geht es weiter zum Busterminal. Castro wartet!
Hostel Submarino amarillo
Calle Las Americas 958
www.submarinoamarillohostel.com