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Torres del Paine - Tagesausflug Base de las Torres

Um 6 Uhr klingelt der Wecker. Nach einem sehr kurzen Frühstück laufe ich zusammen mit anderen Wanderern zum Busbahnhof. Dort fahren morgens zwischen 7.00 und 7.20 Uhr alle Busgesellschaften ab und bringen die Wanderwilligen in den Nationalpark. Ich habe bereits im Vorwege beschlossen, keine Übernachtung im Park zu buchen, sondern Tagesausflüge zu machen.
Einerseits waren die Übernachtungen in den einfachen Hostels im Park, den sogenannten Refugios, bereits Wochen vor meinem Reiseantritt sehr hoch. Campingplätze sind günstiger, allerdings bedeutet dies, dass man alle seine Sachen inklusive dem Essen, mitnehmen muss. Und auch wenn man die Ausrüstung bei Anbietern vor Ort in Puerto Natales leihen kann, wird das bei 4 bis 5 Tagen Aufenthalt im Park, teuer. Denn diese Zeit braucht man, um das beliebte "W" zu wandern, das zu verschiedenen Aussichtspunkten im Park führt.
Ich empfehle die Busfahrt zum Park einen Tag vorher zu buchen. Ich habe das direkt über das Hostel gemacht (hin und zurück 15.000 Pesos, etwa 20€). Etwa 120km, 1.45 Stunde und viele Schafe und Guanakos (ein wild lebendes Kamel) später erreichen wir den Haupteingang "Laguna Armaga". Hier muss man sich kurz mit dem Pass registrieren, ein Formular ausfüllen und die Eintrittsgebühr von 21.000 Pesos (ca. 28€, ausschließlich in bar) bezahlen. Das Ticket  ist für 3 Tage gültig. Dann geht es weiter mit dem Shuttle, der einen für 3.000 Pesos zum 7km entfernten Startpunkt des Weges, Los Torres Hotel, bringt. Hier muss man erneut ein Formular ausfüllen und dann geht es endlich los. Es sind 18 Grad und die Sonne scheint - bestes Wetter für ein Abenteuer!

 

Der Weg führt zunächst durch eine grasbewachsene Ebene, dann im leichten Anstieg durch Wälder, schroffe Steinpisten und über rauschende Flüsse. Immer wieder kann man über das tolle Panorama hinter einem und in die wundervolle Natur um einen herum schauen. Nach etwa 5km und weniger als zwei Stunden erreiche ich das Lodge Chileno, das an einem Flusslauf liegt und zum Verweilen einlädt. Im Übrigen kann man hier an jedem Fluss seine Trinkflasche auffüllen. Ich gönne mir nur eine kurze Verschnaufpause und laufe dann weiter hinauf. Der Weg ist einfach atemberaubend schön und der Anstieg erfordert definitiv Kondition. Nicht nur einmal freue ich mich darüber, dass ich nur einen Tagesrucksack dabei habe. Die nächsten 3km bis zur Torres Ranger Station führen unter anderem über eine Moräne und man benötigt einen festen Tritt. Die Natur verändert sich, es wird karger, rauer, felsiger und kälter - ein faszinierende Strecke mit steilen Felshängen, schwarzem Gestein und klaren Geltscherflüssen. Da letzten 1.5km bis zum Aussichtspunkt kosten mich etwas weniger als 1 Stunde, aber viel Kraft und Konzentration. Ich laufe meine Geschwindigkeit und meine Beine funktionieren mittlerweile wie ein Uhrwerk - gemächlich, aber beständig. Der letzte Teil der Strecke verlangt einem teilweise ein paar Kletterkünste über große Steine ab. Am Aussichtspunkt, dem Base de las Torres, angekommen, bin ich nach 4 Stunden wandern, außer Puste. Der Anblick ist einfach der Wahnsinn und entschädigt für den anstrengenden Aufstieg. Ich mache eine halbe Stunde Pause und schaue direkt auf die 3 Türme und den Gletschersee darunter. Es ist einfach zu schön um wahr zu sein. Obwohl die Sonne scheint, bläst der Wind und es wird ziemlich kalt. Ich mache mich auf den Rückweg und bin nach etwa 3 Stunden im Tal. Da ich noch viel Zeit habe bis um 19.45 der Bus zurück fährt und etwas Kraft übrig habe, beschließe ich die 7km zum Haupteingang zu laufen. Der Weg führt sehr schön durch die patagonische Ebene und man kann immer wieder auf die 3 markanten Türme zurück blicken. Nach 1.15 Stunde bin ich am Haupteingang und muss leider noch weitere 2 Stunden in der Kälte verharren. Leider fahren die Busse nur um 16.15 und 19.45 zurück. Wenn man sich mit anderen Tageswanderern zusammen tut, lohnt es sich ein Auto zu mieten um flexibler zu sein, was die Rückreise angeht. Mit Verspätung kommt der Bus und bringt mich zurück zum Busbahnhof nach Puerto Natales, wo ich gegen 21.30 ankomme. Ich bin durchgefroren und müde und obwohl ich Hunger habe, will ich nur noch eine heiße Dusche und dann ins Bett. Obwohl ich etwas enttäuscht darüber bin, dass das Vinnhaus keine Küche zum Kochen hat, freue ich mich umso mehr, dass es einen Fön gibt. Manchmal sind es die einfachen Dinge die glücklich machen - wie ein warmes Bett, eine heiße Dusche und ein Fön. Noch beim Einschlafen beschließe ich, den morgigen Tag zu pausieren um meinem Körper eine kleine Pause zu gönnen. Was für ein Wahnsinnstag!

 

Den Tagesausflug zum Base de las Torres kann ich auf jeden Fall empfehlen. Nicht umsonst gilt er als der Klassiker unter den Strecken im Park. Ich bin heute ca. 27km gewandert. Es ist anstregend, aber eine der schönsten Wanderungen, die ich bisher in meinem Leben gemacht habe.