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Torres del Paine - Tagesausflug Valle del Francés

Heute steht ein weiterer Ausflug in den Nationalpark Torres del Paine an. Nach dem Tag Pause geht es mir nicht wirklich besser. Ich habe schlecht geschlafen, in meinem Körper schreit alles nach Erkältung und zudem spüre ich die Anstrengung der vergangenen Tage in meinen Muskeln. Dennoch quäle ich mich erneut um 6 Uhr aus den Federn, trinke einen Tee, nehme mein Frühstück auf die Hand und schleppe mich zum Bus.


Diesmal fahre ich nicht nur bis zur Laguna Aramga, sondern eine Station weiter nach Pudeto. Hier gibt es ein kleines Café und einen kleinen Bootsanleger für einen Katamaran, der einen über einen türkisblauen See nach Pehoé bringt. Die Fahrt mit dem Katamaran kostet 20.000 Pesos, wenn man Hin- und Rückfahrt zusammen bucht 30.000 Pesos. Nicht günstig, aber es gibt leider keine anderer Alternative. Glücklicherweise entschädigt die 30-minütige Fahrt den finanziellen Aufwand - insbesondere wenn die Sonne scheint und man einen Platz oben auf dem Sonnendeck ergattert. Man sollte sich rechtzeitig in die Schlange für den Katamaran stellen, da es nur zwei Abfahrtzeiten am Vormittag gibt und man unbedingt die frühere Zeit erwischen sollte (gegen 10.30), um möglichst viel Zeit für die Wanderung zu haben. Mein Ticket muss ich nicht erneut vorzeigen, da es ja 3 Tage gültig ist. Allerdings muss ich mich an einer Station der CONAF noch mal kurz in eine Liste einschreiben. Dann kann es auch schon losgehen.

Der Weg ist sehr gut markiert und man folgt dem Hinweis "Campamento italiano". Ich wandere durch ein Buschland, über kleine Holzbrücken, vorbei an mehreren Seen, bizarr anmutende Baumformationen und über Kieswege. Ab und an habe ich den Geruch von Orangen und Zedern in der Nase, obwohl hier weit und breit nichts dergleichen zu sehen ist. In weiten Teilen der Strecke bin ich alleine. Nicht viele Tageswanderer entscheiden sich für den Weg durch das Valle del Francés, da die meisten den Glacier Grey besichtigen möchten. Mich haben jedoch Berge, Bäume, Steine und Flüsse immer schon mehr interessiert als das ewige Eis. Insbesondere die kargen Wälder hier im Tal bilden eine surreale Atmosphäre. Ich lese in meinem Reiseführer, dass 2012 hier ein verheerender Waldbrand stattgefunden hat, der von einem unvorsichtigen israelischen Touristen entfacht wurde. Es dauerte 3 Monate um den Brand zu löschen und noch heute sind die Spuren davon zu sehen, obwohl bereits 200ha Wald wieder aufgeforstet wurde. Der Weg führt weitestgehend über eine Ebene, sodass sich die Anstrengung in Grenzen hält. Kurz vor dem Campamento italiano gibt es eine Hängebrücke über ein rauschendes Flussbett. Danach folgt ein Aufstieg entlang an einer Moräne. Aufgrund meiner etwas desolaten gesundheitlichen Situation schaffe ich es bis um Mirador Glacier Francés. Nach diesen 8km beschließe ich hier Pause zu machen und so genieße ich mein kleines Lunchpaket in der Sonne mit Blick auf den Hängegletscher. Danach ruft der Rückweg und ich laufe die gleiche Strecke wieder zurück. Nach ca. 6 Stunden befinde ich mich wieder am Bootsanleger, wo ich noch ca. 1.5 Stunden habe bis der Katamaran mich wieder auf die andere Seite bringt. Dort angekommen wartet schon der Bus, der mich wieder nach Puerto Natales bringt. Und auf dem Rückweg passiert dann noch das Unglaubliche: wir sehen an einem kleinen See neben der Straße einen weißen Puma. Obwohl es hier im Park anscheinend bis zu 100 Tiere geben soll, sind diese sehr scheu und es gehört einen Portion Glück dazu, einen zu sehen. Eine kleine Sensation, die Leute im Bus jubeln und ich sitze glücklicherweise am Fenster und auf der richtigen Seite. 


Auf dem Weg zurück lasse ich meinen Blick über die wunderschöne Landschaft Patagoniens schweifen und muss ein bißchen weinen. Weil ich realisiere, dass ich hier bin. Dass es echt ist, was ich hier mache. Und weil es schön ist, dass es solche Flecken auf der Erde gibt, an denen der Mensch ganz klein und die Natur so groß ist.