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Punta Arenas und der Día de los Todos Santos

In meinem Reiseführer steht geschrieben, dass eine der südlichsten Städte der Welt, Punta Arenas, ein Highlight ist. Daher beschließe ich, mir diese Stadt etwas genauer anzusehen und bleibe hier zwei Nächte. Von Puerto Natales aus, sind dies nur knappe 3 Stunden mit dem Bus. Meine Erkältung lässt nicht locker und so schlafe ich die gesamte Zeit über im Bus. 

In Punta Arenas angekommen, gönne ich mir ein Taxi zum Haus meines Gastgebers Peter. Hier angekommen, trinke ich einen Tee und mache erst mal: nichts. Es regnet draußen und ich umklammere meine Tasse und quatsche mit meinem Gastgeber und einer weiteren Couchsurferin aus Brasilien. In Peters Haus ist es ein Kommen und ein Gehen. Es gibt Couchsurfer und Leute von Airbnb und irgendwie habe ich den Eindruck, dass Peter hier demnächst ein eigenes Hostel eröffnen wird. Am späten Nachmittag helfe ich Peter etwas bei der Renovierung eines Zimmers und lerne die Grundprinzipien des Holzbodenverlegens. Wir bauen mitten in dieser kleinen Baustelle mein Bett auf. In meinem Zustand ist mir das auch schon egal. Ich denke mir nur, wie unwirklich manche Unterkünfte und Situationen sind. Vor einigen Wochen habe ich auch zwei Reisende in Hamburg gehostet und mir vorher lange überlegt, ob unsere WG-Ausziehcouch im Wohnzimmer bequem genug und das Zimmer ausreichend Privatsphäre sowie Flair hat, um sich wohl zu fühlen. Spätestens nach meiner Übernachtung inmitten von Sägespänen, Holzlatten und Nägeln weiß ich: da habe ich mir zu viel Sorgen gemacht. Ich habe dennoch super geschlafen und bin am nächsten Morgen in einer etwas besseren gesundheitlichen Verfassung aufgewacht.

Ich möchte den Tag trotzdem langsam angehen, da ich mir vorgenommen habe, mich auszukurieren und Pause zu machen. Gegen 11 gehe ich mit Luisa, der brasilianischen Couchsurferin, frühstücken im Wake up, einem kleinen Café im Zentrum. Draußen auf der Straße ist es sehr ruhig. Viele Läden haben geschlossen, da heute Feiertag ist. Gestern war hier der Día de los Todos Santos, Allerheiligen, und heute ist Reformationstag. Auch in Chile. Da bleibt auch hier, am fast südlichsten Ende der Welt, die Zeit stehen. Und das Leben irgendwie auch. Zum Glück hat das Café geöffnet und so spazieren wir nach einem guten Frühstück zum Friedhof. Dieser soll ganz herausragend sein, da viele reiche Familien vor etlichen Jahren kleine Paläste für Ihre Verstorbenen errichtet haben. Aufgrund des Feiertages ist hier besonders viel los und viele Gräber sind mit quietschbunten Plastikblumen geschmückt. Er ist schön, dieser Friedhof - aber herausragend finde ich ihn nicht.
Da auch die Museen geschlossen haben, laufen wir zum Plaza Muñoz Gamera. Er bildet das Herzstück dieser Stadt und kann sich wirklich sehen lassen. Er ist umzingelt von Wohnpalästen der ehemaligen Schafbarone, die Ende des 19. Jahrhunderts mit ihren Farmen die Steppen des südlichen Patagoniens beherrschten und sich hier niederließen. 

Man kann hier auch wunderbar Pinguine besichtigen oder eine alte Befestigungsanlage besuchen - beide Ausflüge sind jedoch mit knappen 40.000 Pesos relativ teuer und ich habe heute auch einfach keine Lust unterwegs zu sein. Es mag am Feiertag liegen, an meinem faulen Tag oder an der Stadt an sich - Punta Arenas ist für mich definitiv kein Highlight und wenn, dann nur für einen kurzen Besuch zu empfehlen.

Gegen Nachmittag besorgen wir im Supermarkt noch Lebensmittel für das Abendessen, denn Luisa und ich haben beschlossen für den Gastgeber zu kochen. Es gibt Risotto mit Gorgonzola und Zucchini und eine Flasche Weißwein. So geht ein entspannter Tag zu Ende. Morgen geht es ab zum Flughafen und in den Norden von Chile!