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San Pedro de Atacama - Katarpe Schlucht & Valle de la Luna

 

Um die 4000 Kilometer in den Norden zu Reisen brauche ich mit Taxi, zwei Inlandsflügen und Transport im Minibus einen kompletten Tag. Würde ich die Strecke mit dem Bus fahren, bräuchte ich 3 Tage und 23 Stunden. Verantwortungsvolles Reisen bedeutet in meinen Augen unter anderem, dass ich versuche so wenig wie möglich das Flugzeug zu nutzen. Dennoch muss es für mich im Verhältnis zur Zeit stehen und 4 Tage nonstop im Bus zu reisen, sprengen diesen Rahmen.

Dafür genieße ich die Reise per Flugzeug sehr, denn die Route führt 4000km entlang der Andenkette - und das bei bestem Wetter und guter Sicht. Leider habe ich keinen Fensterplatz, da die Platzwahl weitere 30 Dollar gekostet hätte. Aber immerhin habe ich etwas Glück und so sitze ich bei beiden Flügen auf der richtigem Seite in der Mitte der Sitzreihe. So bestaune ich stundenlang über meinen Sitznachbarn hinweg die sich verändernde Bergkette. So ist sie im Süden noch schneebedeckt, karstig, mit spitz zulaufenden Gipfeln. Je weiter man Richtung Norden kommt, desto eher weicht der Schnee der sattgrünen Vegetation in Zentralchile. Im Norden sind die Bergformationen dann breiter, flacher und rötlicher um irgendwann von der Steinwüste abgelöst zu werden. In Calama gelandet, funktioniert der vorher bestellte Transfer im Minibus mit transvip einwandfrei (12.000 Pesos, Fahrt nach San Pedro de Atacama dauert ca. 1 Stunde). So komme ich sicher im Hostel gegen 22.30 an. Ich bin ein bißchen stolz auf meine Planung, dass heute alles so einwandfrei geklappt hat und alle Verkehrsmittel auf die Minute pünktlich waren - von Südamerika habe ich eigentlich anderes erwartet. 


Um einen ersten Eindruck von San Pedro zu bekommen, schlendere ich noch ein paar Minuten durch die sandigen Straßen dieses Dörfchens. Da Samstag ist, sind die Straßen gefüllt. In den Bars gibt es live Musik und ganz San Pedro scheint unterwegs zu sein. Die Stimmung ist etwas magisch und ich kann verstehen, warum dieser Ort seit ein paar Jahren so einen Hype erfährt.
Der nächste Morgen beginnt früh. Gegen 8.30 bin ich in den Straßen von San Pedro unterwegs um ein paar Einkäufe zu erledigen. Es gibt hier im kleinen Dorf keinen Supermarkt. Nur kleine Läden, Kioske und zwei Bäckereien. Beim schmalen Angebot um diese frühe Zeit muss ich ein wenig improvisieren - an glutenfrei und vegan ist nicht zu denken. 

 

Mountainbike-Tour zur Katarpe Schlucht
Nach meinem Frühstück mache ich mich auf zum Fahrradverleih. Es ist 10.00 Uhr als ich mit Helm, Luftpumpe und Ersatzschlauch im Gepäck auf meinem Bike sitze. Das ist hier schon für 3.000 Pesos für 6 Stunden zu haben. Fahrradverleiher gibt es in der Toconao Straße in der Nähe des Dorfplatzes zu Genüge. Ich mache mich auf zur ca. 6km entfernten Schlucht von Katarpe. Diese wurde vom Rio San Pedro einst aus der Salzkordillere gewaschen. Der Weg führt durch San Pedro, vorbei an der ehemaligen Festungsanlage Pucará de Quitor und weiter zum Gelände der Schlucht, der Garganta del Diablo. Am Eingang muss man 3000 Pesos Eintritt für das Gelände zahlen. Dafür bekommt man einen kleinen Plan mit den Wegen und eine Empfehlung für eine Tour gemäß der zu Verfügung stehender Zeit. Ich fahre zunächst mit dem Bike Richtung Schlucht, bei welcher ich nach 20 Minuten ankomme. Man kann einige Meter mit dem Rad in die Schlucht reinfahren, dann wird der schmale Weg durch Felsen blockiert. Ich wollte schon mein Bike abstellen, da ruft ein mir entgegen kommender Mann zu, dass ich das Bike nur über diesen Felsen heben muss und dass man danach weiter fahren kann. Ich hieve also mein nicht allzu leichtes Bike über den schmalen Felsweg. Zu zweit oder mit Hilfe ist das sicherlich einfacher. Aber wenn ich das mit meinen 1,56m alleine geschafft habe, dann ist das für alle anderen ebenso machbar. Nach dem kleinen Kraftakt fahre ich bei Sonnenschein durch eine wunderbare, felsige, sich hin schlängelnde Schlucht. Ich fahre über Kies und Steine und unter mir rutschen die Reifen immer wieder im Sand umher. Es macht irre viel Spaß! Nach 15 bis 20 Minuten ist dieser Weg zu Ende. Ich stelle mein Bike ab (am besten im Schatten, sonst können die Reifen platt werden) und wandere die Anhöhe hinauf zu einem Aussichtspunkt, dem Mirador. Ich ärgere mich, dass ich heute meine Espadrilles angezogen habe. Trekkingschuhe wären bei dem Gelände deutlich vorteilhafter gewesen. Vom Mirador aus kann man über die umliegende Landschaft und die Schlucht schauen. Ich bin ganz alleine, da es noch Vormittag ist. Glücklicherweise habe ich genug zum Trinken mitgenommen - hier hat man das Gefühl, dass der Körper alleine durch das Einatmen Wasser verliert. Nach dem Abstieg folge ich noch einem anderen Weg ca. 1km in die Ebene hinein. Allerdings habe ich etwas Angst mich zu verirren, da hier alles relativ ähnlich aussieht und meine Orientierung nicht die beste ist. Dann geht es zurück mit dem Bike durch die Schlucht. Diesmal geht es ganz leicht bergab und die Fahrt durch das Gelände ist mit etwas Geschwindigkeit noch viel spannender. Danach folge ich noch weitere 3km zu den Ruinen eines Inka-Tambos. Auch hier muss man sein Fahrrad abstellen und läuft dann ein ausgetrocknetes, sehr schmales Flussbett, ein sogenanntes Wadi, hinauf. Hier sind einige wenige Kletterkünste von Nöten, da teilweise riesige Steinbrocken den Weg versperren. Oben angekommen, besichtige ich in stiller Einsamkeit die Reste einer kleinen Siedlung, die 1450 erbaut wurde. Hier hatten die Inkas einst einen strategisch wichtigen Punkt des Camino del Inca errichtet. Die Anlage ist wohl gemerkt in sehr rohem Zustand und touristisch nicht erschlossen. Das genau macht für mich die Magie dieses Ortes aus.
Gegen 13.00 bin ich wieder beim Bike und mache mich auf den Weg Richtung San Pedro. Auf der halbstündigen Route höre ich meine Reise-Playlist und hoffe, dass mir mein Hintern den Ausflug nicht all zu übel nimmt.

 

Valle de la Luna
Am Nachmittag gegen 16.00 startet mein geführter Ausflug zum Mondtal, dem Valle de la Luna. Auf Empfehlung meiner Zimmergenossin im Hostel habe ich den Ausflug bei Base Camp gebucht. Kostenpunkt 14.000 Pesos für 3 Stunden. Die Tour an sich wurde dann letztlich von einem anderen Anbieter durchgeführt - das scheint hier normal zu sein, da sich die Agenturen zusammen tun um Kosten zu senken und effizienter zu arbeiten. Im Minibus fahren wir zum Park, in welchem man nochmal 3.000 Pesos Eintritt bezahlen muss. Da ich die einzige bin, die eine englische Führung haben möchte (so fit bin ich spanisch leider noch nicht), erklärt unser Guide Eduardo erst alles auf spanisch und dann die englische Kurzversion für mich. Er bemüht sich mir die geographischen und geologischen Eigenheiten zu erklären, aber so richtig gut rüber bringt er das irgendwie nicht. Wir fahren zu den Caverna de Sal, zu den Tres Marias und zu den Dunas Mayores. Den Sonnenuntergang genießen wir dann bei Orangensaft und Früchten am Mirador de Chakri - mit mindestens 15 anderen Gruppen. Es ist ein netter Ausflug, aber begeistert bin ich leider nicht. Insbesondere weil ich kein großer Fan davon bin, im Bus zu sitzen, von Ort zu Ort gekarrt zu werden um 10 Minuten Erklärungen zu lauschen und weitere 5 Minuten Fotos machen zu können. Allerdings möchte ich nicht mit den Radfahrern tauschen, die wir um Bus passieren und die bei Hitze, Sonennschein, Wind und Staub die sandigen Straßen entlangfahren. 
Nichtsdestotrotz: diese Karstlandschaft hier ist wirklich sehr besonders und definitiv sehenswert: bizarre Sanddünen, rötlich anmutende Erosionslandschaften und weiße Salzausblühungen, die organisches Leben nahezu unmöglich machen. Man hat wirklich den Eindruck, dass das hier auch der Mond sein könnte. Wenn es ganz leise ist, hört man die Steine aufgrund der thermischen Spannungen knacken. Der Sonnenuntergang taucht die zerfurchte Landschaft dann in seichte Rot- und Brauntöne. 
Fazit: die Qualität einer Tour ist stark abhängig vom Guide. Und das kann man schwer vorhersehen, da es hier so viele gibt, dass man dies nicht in der Hand hat.

 

Abends gehe ich mit meiner Zimmergenossin im Restaurant Barros essen. Hier gibt es jeden Abend Live Musik und es ist immer viel los. Bekannt ist es für seinen speziellen Drink, ein Mix aus pürierten Früchten und Rotwein.

 

Hostel Intipara
Sehr einfaches, aber sauberes Hostel mit optimaler Lage und gutem Wlan. Bettlaken werden jeden Tag gewechselt! Die Küche ist eher dürftig ausgestattet.
Tocopilla 331

 

Barros
Café und Restaurant, große Portionen zu guten Preisen
Tocopilla 418