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Reisen in Chile - ein Resümee

"Als Gott die Welt erschaffen hatte, waren noch ein paar Landschaften übrig geblieben: kleine und riesige Gebirge, Hochebenen und Täler, Vulkane und Seen, Flüsse und Weiden, Ackerland und Strände, Fjorde und Gletscher. Und Gott nahm alles, was übrig war und machte daraus ein langes, schmales Land. So ist Chile entstanden."

 

Land & Leute
Noch nie habe ich ein Land mit einer so großen landschaftlichen Vielfalt erlebt. Chile hat für wirklich jede Vorliebe etwas zu bieten und ist so abwechslungsreich wie kein anderes Land, was ich vorher bereist habe. Man kann hier nahezu alle Outdoor Sportarten betreiben - von Klettern über Paragliden, Trekking bis zum Reiten. Mein persönliches Highlight war die Seenregion um Pucón und Puerto Varas im kleinen Süden von Chile mit der grünen Natur, den Flüssen und den Bergen. In diesem Teil habe ich auch die meisten deutschen Wurzeln gefunden - vom Restaurant namens "Guten Appetit" bis hin zur Unterkunft "Frau Holle", ganz zu schweigen von etlichen deutschen Schulen und Straßennamen, die hier überall zu finden sind.
Ich habe die Chilenen als sehr hilfsbereites Volk kennen gelernt. Oft wurde ich angesprochen, ob ich Hilfe oder Auskunft benötige. Niemals irrte ich lange suchend umher. Der spanischen Sprache mächtig sein hilft, da viele kein Englisch sprechen. Insbesondere außerhalb der großen Städte. Darüberhinaus sind die Chilenen sehr gastfreundlich - dies habe ich anhand meiner Couchsurfing Erfahrungen kennenlernen dürfen. Nicht nur Haus und Hof werden geteilt, sondern häufig auch Kühl- und Spirituosenschrank. Und Gäste sind willkommen - selbst in der kleinsten Bude! Oft wurde ich angeschrieben, ob ich noch eine Unterkunft suche oder Lust habe, die Gegend gezeigt zu bekommen oder ein bißchen gemeinsame Zeit verbringen möchte.

 

Sicherheit & Transport
Bis auf Valparaiso habe ich mich in jeder Stadt sehr sicher gefühlt. Natürlich sollte man in Städten wie Santiago auf seine Habseligkeiten stets ein Auge haben und sich nachts nicht alleine und im schlimmsten Fall noch angetrunken auf den Straßen bewegen.
Dagegen hat Chile jedoch ein ernst zunehmendes Problem mit Straßenhunden. Je nach Stadt und Gebiet sind diese mal mehr, mal weniger aufdringlich. Dennoch gehören sie ins Straßenbild jeder Siedlung, in der ich auf meiner gesamten Reise durch Chile war. Manchmal liegen sie einfach nur schläfrig im Schatten, unter einem Auto oder mitten auf dem Gehweg. Manchmal jedoch laufen sie einem hinterher, bellen fast schon aggressiv andere Hunde an und häufig hinterlassen Sie eine kleine Tretmine als Überraschung zurück.
Das Bussystem in Chile ist bestens ausgebaut und die Preise sind sehr erschwinglich. Es gibt in jeder Stadt mindestens einen Busbahnhof mit mehreren Anbietern. Ich bin häufig die langen Strecken mit Pullmann oder Turbus gefahren. Die Busse sind in sehr gutem Zustand und über Nacht lässt es sich sehr gut in den Sitzen, den sogenannten Semi-Camas, schlafen. Das gesamte Straßennetz ist sehr gut erschlossen, bis auf die Strecke zwischen Puerto Montt und Puerto Natales. Hier gibt es nur Schotterstraßen und Einsamkeit - die Carretera Austral. Wenn man diese bezwingen will, muss man sich ein Auto leihen. Dann ist man etwa 10 Tage unterwegs und mehr oder weniger auf sich alleine gestellt, da die Gegend sehr dünn besiedelt ist.
Die regulären Minibusse, die in der näheren Umgebung fahren, sind dagegen nicht immer im besten Zustand, dafür aber sehr günstig. In meinem Falle waren sie überraschenderweise immer sehr pünktlich. Leider gibt es selten Fahrpläne im Aushang, sodass man sich zu Route und Abfahrtzeiten erkundigen muss. Häufig hilft hierbei auch Google Maps, damit man etwa weiß, wo man aussteigen muss. Prinzipiell kann man überall aussteigen, wo man möchte. Hierzu einfach zum Fahrer nach vorne gehen und Bescheid geben. Beim Einsteigen geht das übrigens genauso. Nur muss man dazu wissen, welche Route der Bus genau fährt und das ist ja nicht immer so klar. Trampen ist in Chile sehr weit verbreitet und gilt als sehr sicher. Aus meiner Erfahrung halten vor allem die Chilenen an und nehmen einen mit. Nach anfänglicher Skepsis habe ich auch ein paar Strecken durch Trampen zurück gelegt. Dabei hat man als Frau vermutlich etwas bessere Chancen, mitgenommen zu werden. Auf meiner Reise habe ich einen Engländer kennen gelernt, der fast durch ganz Chile getrampt ist!

 

Essen & Trinken
Chile legt großen Wert auf Hygiene in Bars, Restaurants und Supermärkten. Auf meiner Reise bin ich niemandem begegnet, der in hier Magen-Darm-Probleme hatte. Ich habe Leitungswasser getrunken, Salat gegessen und Dinge von fliegenden Händlern auf der Straße gekauft und bin ohne Magengrummeln 4 Wochen durchs Land gereist.
Die Chilenen lieben Bier. Es gibt viele bekannte und große Brauereien und seit einigen Jahren einige sogenannte Mikro-Brauereien, die Artesanal Cerveza herstellen. Der Trend ist nahezu in jedem Winkel des Landes angekommen und in einigen Bars ist die Liste an Biersorten aus aller Welt schier unendlich. Aber auch der Wein kommt hier nicht zu kurz. Traditionell werden hier französische Rebsorten wie zum Beispiel Merlot und Sauvignon angebaut.
In Bezug auf das Essen muss ich mir leider eingestehen, dass ich durch meinen Vegetarismus fast alles, was die chilenische Küche ausmacht, nicht probieren konnte. Da ist beispielsweise das traditionelle Gericht aus Chiloe namens Cuaranto - eine Art chilenische Paella mit Fleisch, Meerestieren und Fisch - oder der typisch chilenische Hotdog namens Completo. Dennoch kam ich in den Genuss traditioneller chilenischer Speisen. Felipe, mein Gastgeber aus Santiago, bereitete für mich Humita zu, eine würzige Maispaste, die in einem Maisblatt eingewickelt, zugebunden und gekocht wird. Außerdem gab es einen chilenischen Bohneneintopf - beides sogar glutenfrei und vegan. Wobei diese Art der Küche in Chile eher zu einer Rarität zählt. Insbesondere in den abgelegenen Städten und Dörfern ist vegane und glutenfreie Ernährung so gut wie unmöglich - da war ich schon mit meinem Vegetarismus ein Paradiesvogel.

 

Bargeld & Kreditkartenzahlung
Mit Kreditkarte konnte überall problemlos Geld abheben. Entgegen der Aussage in meinem Reiseführer war es sogar möglich, viele Touren in San Pedro oder in Torres der Paine mit Kreditkarte zu bezahlen. Dennoch empfiehlt es sich, stets Bargeld mit dabei zu haben, da neben dem Nahverkehr, viele kleine Restaurants und Kioske keine Kreditkarten akzeptieren.

 

Wifi & Steckdosen
Ich bin 4 Wochen durch Chile gereist ohne eine lokale SIM Karte zu haben. In den meisten Cafés und Restaurants gibt es WIFI, teilweise auch in Busterminals, Touristeninformationen und auch an einigen öffentlichen Plätzen. Der Empfang ist meist sehr gut, sodass ich es bis - auf einige wenige Situationen - super ohne ständiges Internet geschafft habe. In diesen wenigen Situationen kam mir dann immer dieHilfsbereitschaft der Chilenen Gute. Und 80% vom Tag offline zu sein, tut sehr gut! Dann konzentriert man sich noch mehr aufs Hier und Jetzt.
Reisetipp: Unsere europäischen Stecker passen problemlos in die chilenischen Steckdosen. Lasst eure Adapter also gerne zu Hause.

 

Nachhaltiges Reisen
Chile ist für mich ein ideales Reiseland für nachhaltigen Tourismus. Zum Einen bietet es die Möglichkeit ganz nah an und in der Natur zu sein. Es gibt unzählige Dinge, die man draußen in ursprünglicher Natur unternehmen kann. Mit bis zu 42 Nationalparks kümmert sich Chile um den Erhalt dieser wunderbaren Umgebung. Alle Guides, die ich in Chile hatte, warnten stets davor, die Tiere nicht zu stören - Touren wurden teilweise nicht angeboten, weil die Tiere in der Paarungszeit waren. Überall findet man Schilder, dass man seinen Müll wieder mitnehmen soll und die offiziellen Wege nicht verlassen darf. Prinzipiell wird dem Erhalt dieser einzigartigen Flora und Fauna hier sehr viel Respekt entgegen gebracht.
Mit dem sehr gut ausgebauten Busnetz ist es möglich, auch ohne die Nutzung des Flugzeugs, Strecke zu machen - alles eine Frage der Planung und der Zeit! Das Zugnetz dagegen ist eher unterentwickelt und wenn, dann nur von Santiago Richtung Süden für den Personenverkehr nutzbar.

 

Ausgaben & Tagesdurchschnitt

Chile zählt zu einem der teuersten Länder im Südamerika. Neben der wunderbaren Natur, sorgen die Faktoren Sicherheit, wachsende Wirtschaft und stabile Währung dafür, dass es viele Reisende in Chile gibt. Häufig gibt es für diese "extranjeros" andere, nämlich teurere Preise bei Eintritten. Eine Nacht im Mehrbettzimmer im Hostel kostet in der Regel zwischen 9€ und 14€, Essen im Supermarkt ist auf dem gleichen Niveau wie bei uns in Deutschland. Einzig die Busse sind günstiger als bei uns - sofern sie nicht im Touristengebiet sind. Dank Couchsurfing und seltenen Restaurantbesuchen, hatte ich so Tagesausgaben von durchschnittlich 42€. Unten ist die prozentuale Aufschlüsselung der Kosten im einem Diagramm dargestellt. (Meine ehemalige Chefin wäre jetzt sehr stolz auf mich!)

 

Was ich in Chile gelernt habe
Leute anquatschen um sich rückzuversichern und um Hilfe bitten, wenn man sie braucht - wenn es sein muss, auch mal ganz direkt und etwas frech fragen und nicht warten, bis einem etwas angeboten wird. Mit einem sympathischen Lächeln bekommt man fast alles :)

 

Was ich in Chile NICHT gelernt habe
Spanisch sprechen - die Chilenen sprechen unter den Südamerikanern das mieseste Spanisch. Sie nuscheln, sprechen sehr schnell, lassen Wortendungen weg und verwenden Wörter, die es nur hier gibt.

 

Couchsurfing Hosts: 7
Im Reisebus verbrachte Stunden: 56 h
Gewanderte Kilometer: 95 km