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Valle del Elqui

Am nächsten Tag geht es für mich weiter nach Vicuña, ein Andendorf im Valle del Elqui. Dieses schöne Tal schlängelt sich ca. 120km in die Anden hinein und zeigt sich mit saftig grünen Tälern, steinigen Andenbergen und klarem Himmel. Bekannt ist das Tal nicht nur für den Pisco, der hier erzeugt wird, sondern auch für eine große Berühmtheit der Region - die Literaturnobelpreisträgerin Gabriela Mistral. So kann man in jedem Dorf eine Calle Mistral finden und entlang des Tals auf den Spuren dieser Persönlichkeit fahren - von Heimatdorf und Schule bis zu Museum und Mausoleum. 

 

Nach Vicuña nehme ich ein Collectivo - eine Premiere für mich! Dies ist eine Art Sammeltaxi, das eine feste Route fährt. Die Insassen teilen sich die Kosten. So zahle ich für eine Stunde Fahrt nur 2.000 Pesos. In Vicuña angekommen checke ich im Hostel Michel ein, das ich einen Tag zuvor spontan gebucht habe. Weil es erst später Vormittag ist, beschließe ich eine kleine Wanderung zu unternehmen. Vom Zentrum aus laufe ich Richtung Friedhof. Auf dem Weg kreuzt doch tatsächlich ein alter Herr auf einem Pferd meinen Weg. Er trägt Hemd, Reitsporen und Hut. In diesen Andendörfern tickt die Zeit wirklich etwas langsamer. Nach einem kurzen steilen Aufstieg geht entlang eines schmalen, staubigen Pfades ins Hinterland. Der Blick zurück lohnt sich, denn der Kontrast zwischen staubtrockenen Bergpanorama und sattgrünem Tal ist immens. Es ist sehr heiß und trocken hier oben in den Bergen und ich bin froh, dass zumindest ein leichter Wind weht. Hier gibt es nichts als Steine, Sand, Kakteen und vertrocknetes Geäst von Büschen. Nachdem ich etwa 1 Stunde ins Hinterland gewandert bin, laufe ich ein wenig querfeldein um einen anderen Pfad zurück zu nehmen. Ich habe nicht besonders viel Wasser mit dabei und möchte nichts riskieren. Von der Dame in der Touristeninformation in Vicuña weiß ich, dass sich hier schon einige Touristen verirrt haben. Da meine Orientierung nicht die beste ist, versuche ich mir den Weg gut einzuprägen (im Notfall habe ich ja immer noch die Maps.me App). Auf dem Weg zurück passiere ich den Cerro La Virgen, ein Ausichtspunkt, der nicht Rede oder besser gesagt, eine Besichtigung wert ist. Direkt neben den Obstplantagen liegen immer wieder Müllberge - vermutlich nicht ganz legal entsorgte Abfälle. Das finde ich sehr verwunderlich, da ich dies insbesondere hier in diesem Tal nicht erwartet hätte. Generell habe ich Chile bisher als recht sauberes und auf Ökologie achtendes Land erlebt. Nach rund 3 Stunden bin ich wieder in Vicuña. Dort gönne ich mir an der Plaza ein Eis in der traditionsreichen Eisdiele Bilbaina: Mango und Kaktusfrucht aus der Region. Irre lecker! Und sehr große Portionen :)
Erschöpft von der Hitze und vom Ausflug laufe ich zum nah gelegenen Hostel. Vom schönen Innenhof mit Blumen, Hollywoodschaukeln und Hängematten bin ich besonders angetan. So verbringe ich den Rest des Tages schaukelnd und genieße es, nicht zu wissen welcher Tag heute ist. Abends quatsche ich noch stundenlang mit einer Kanadierin aus Quebec, die auf den Nachtbus nach Valparaiso wartet. Prompt schenkt sie mir eine kleine Flasche Rotwein und empfiehlt mir abends auf der Dachterrasse des Hostels Sterne zu gucken. Da sage ich natürlich nicht nein.

 

Am nächsten Tag fahre ich weiter nach Pisco Elqui, dem wohl berühmtesten Dörfchen hier im Tal. Nach rund einer Stunde Busfahrt komme ich am Kirchplatz an (1.700 Pesos). Der nette Herr in der Touristeninformation erklärt mir eine grobe Route zum Wandern. Und dann geht es auch schon los: entlang der Calle Botequano zum Ende des Dorfes, dann eine staubige Straße entlang um nach drei Kurven einen schmalen Weg linker Hand weiterzulaufen. Mal wieder geht es eher querfeldein und frei nach Schnauze. Wege sind hier keine markiert und Karten gibt es natürlich erst recht nicht - auch wenn in meinem Reiseführer steht, dass diese Region besonders gut zum Wandern geeignet ist. Heute wandere ich außerdem nicht alleine. Ich habe seit Verlassen das Dorfes eine haarige Begleitung auf vier Pfoten. Eine Retrievermischlingsdame von der Straße läuft mir voraus und bleibt immer wieder stehen um sich hechelnd nach mir umzudrehen. Weiter oben am Berg versucht meine Begleitung mich sogar mehrfach zum umdrehen zu überzeugen, bleibt sogar minutenlang stehen, obwohl ich weiterlaufe um mich dann doch wieder einzuholen. Nach etwas 90 Minuten im Hinterland kehre ich um - zur Freude meiner Begleitung. Unterwegs ins Tal ist der Boden unter mir so trocken, unbefestigt und teilweise steil, dass ich einmal auf den Hosenboden lande und mir das Bein und die Hand etwas aufschürfe. Kurzer Schock, aber alles halb so wild; ich reinige die Wunden mit Wasser und Desinfektionstüchern und nach einigen Minuten kann der Abstieg weitergehen. Kurz bevor wir Pisco Elqui erreichen, nimmt die Hündin ein Bad in einem Flussrinnsal um dann hinter der nächsten Ecke zu verschwinden. Wer mir diese Begleitung wohl geschickt hat?
Nach kurzer Rast auf dem beschaulichen Kirchplatz besuche ich die Destillerie Pisco Mistral, die sich direkt am Kirchplatz befindet. Geführte Touren zur Besichtigung der Produktion inklusive Degustation und Geschenkglas finden stündlich statt und kosten 6.000 Pesos. Die Wartezeit bis Tourbeginn verbringe ich im sehr schönen Innenhof mit angeschlossenem Restaurant. Die Tour dauert etwa eine Stunde und findet auf spanisch statt (es gibt auch englische Touren, aber ich gehe hier mal aufs Risiko). Prädestiniert ist das Tal für den Likör, da die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht hier besonders groß sind. Neben 320 Tagen Sonnenschein und heißen Tagen im Sommer, sind die Nächte trotzdem kalt. Das führt dazu, dass der Zuckergehalt in den Trauben besonders hoch ist bei der Ernte und das wiederum sind gute Voraussetzungen für den Likör. Pisco darf sich übrigens nur das nennen, was auch hier aus dem Tal kommt - so wie beim Champagner. Die Pisco Brennerei Mistral gehört zu den kleineren, exklusiven Brennereien hier im Tal und bezieht ihre Trauben von umliegenden Bauern. Die Lese erfolgt hier ausschließlich per Hand. Wir probieren zwei verschiedene Pisco Sorten: einen einjährigen Likör, der bei 40 Grad destilliert wurde. Dieser schmeckt pur eher weniger gut. Als Nationalgetränk wird der Pisco Sour mit einem Drittel Limonensaft gemischt und kalt getrunken. Dann verkosten wir einen dreijährigen Likör, der pur und kalt getrunken wird und entlieh weicher und süßer ist. Lecker! Als besonderes Promo-Aktion erhält jeder Teilnehmer noch eine kleine Flasche eines Mischgetränks zur Dehustation. Eine Art Alko-Pop, den ich in der Sonne sitzend genieße. 
Danach spaziere ich etwas durch das übersichtliche Dorf und esse bei Elqui Natural ein glutenfreien und veganes Gericht - Gewürzreis mit Salat. Vom Likör leicht beduselt lasse ich mich dazu hinreißen, alleine bis nach Vicuña zu trampen. Manuel, ein älterer Herr nimmt mich bis nach Monte Grande mit. Von dort geht es mit einem Pärchen, das nach Vicuña zum Einkaufen fährt, weiter. Wieder nüchtern, nehme ich ab dort den Bus nach La Serena und erreiche am Abend die Wohnung von Daniela, wo ich mich auf eine Dusche und ein Bett freue. 

 

Valle del Elqui hat mir wirklich gut gefallen. Ich mag insbesondere die Entspanntheit und Ruhe der Dörfer und die Abgeschiedenheit und die Natur. Allerdings muss ich nach zwei Trekkingrouten in diesem Tal sagen, dass ich die Wanderungen zwar gut fand, aber nicht besonders empfehlen kann. Da fand ich Touren im Seengebiet deutlich abwechslungsreicher und spanndender!

 

Hostel Michel
Sehr sauber, gut ausgestattete Küche und bezaubernder Innenhof mit Garten und Dachterrasse. Bezahlung nur in bar möglich.
Mistral 573, Vicuña

 

Heladería La Bilbaina
Eisdiele mit 60 Jahren Tradition, alles selbst gemacht!
Mistral 383 in Vicuña

 

Destilería Pisco Mistral
direkt an der Plaza von Pisco Elqui
www.destileriapiscomistral.cl