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Bahía Blanca - Cariló

Nach ein paar Tagen Buenos Aires beschließe ich mit meiner Schwester ein paar Tage an den Strand zu fahren. So wunderbar Buenos Aires auch ist, fällt es schwer in dieser pulsierenden Metropole zu entspannen. Also buchen wir mit einem Hotelgutschein von meiner viel reisenden Schwester für ein paar Tage ein nettes Appartmentzimmer in Cariló.
Cariló liegt etwa 6km südlich von Pinamar an der Bahía Blanca, die so heißt, weil sie kilometerlange weiße Sandstrände zu bieten hat. Man sagt, dass man erst hier wieder klares Wasser zum Baden hat, weil der Rio Plata weiter nördlich immer noch bräunliches Wasser in den Atlantik spült. Cariló bedeutet in der Sprache der Mapuche "grüne Düne" - wobei der Pinienwald hier nicht auf natürliche Weise entstand.  Um 1935 gründete der Besitzer der hier ansässigen Estancia, Manuel Guerrero, eine Baumschule, bis 1947 wurden mehr als 660.000 Bäume auf der 1700 ha großen Viehfarm gepflanzt. Damit bot Guerrero nicht nur der Versandung Einhalt, sondern befestigte die Dünen, schuf Wege und Infrastruktur und nebenbei siedelten sich Vogelarten und andere Tiere hier an. Die Söhne des Gründers von Cariló entschieden, dass die Straßen, die zum Meer hinführen Namen wilder Bäume und Pflanzen erhalten; und Straßen, die parallel zum Meer verlaufen, solche von örtlich vorkommenden Vögeln - angeordnet in alphabetischer Reihenfolge.

 

Von Buenos Aires aus nehmen wir für die 360km den Bus nach Pinamar. Wie auch in Chile sind Busse hier das wichtigste Fortbewegungsmittel für alle Argentinier und Touristen. Es gibt drei Anbieter für die Reise, aber da unser Aufenthalt auf ein langes Wochenende fällt, sind die Tickets für den Vor- und Nachmittag bereits ausgebucht. Daher nehmen wir den Bus um 17.30 Uhr - wir sind mehr als überrascht, als der Bus auf die Minute pünktlich den Terminal verlässt. Von Argentinien hätte ich das wirklich nicht gedacht - insbesondere, da unser Host uns versichert hat, dass Busfahrer die Abfahrtzeiten hier nicht so genau nehmen und man frühestens 15 Minuten später abfährt. Soll hier etwa doch noch deutsche Pünktlichkeit Einzug haben? Die Fahrt mit Platamar kostet uns jeweils 570 Pesos und dauert 4:30 Stunden. In Pinamar angekommen bringt uns das Taxi am Busterminal für knappe 180 Pesos nach Cariló.

Cariló besticht nicht nur durch seine Lage am weißen Sandtsrand, sondern durch seine ungewöhnliche Kombination aus duftenden Pinienbäumen, sandigen Straßen und charmanter Übersichtlichkeit. Überraschend ist hier vor allem der Baustil: neben Gebäuden in deutsch anmutender Fachwerkmanier, stehen Villen in moderner und reduzierter Architektur. Besonders sympathisch macht den Ort, dass es keine gigantisch großen Hochhäuser oder Hotelbunker gibt - so hat Cariló einen ganz eigenen und sehr persönlichen Charme behalten. 


Einzig allein das etwas unübersichtliche Centro Comercial zeugt davon, dass dieser Ort in der Hochsaison im Januar und Februar zum Hotspot wird: für die hier nur etwa 2.000 permanenten Bewohner, fährt es mit zahlreichen Boutiquen, Souvenirshops, vielen Restaurants, Cafés und einigen Bars auf. Es gibt sogar einen Laden, der sich auf den Hokuspokus rund um das Mate-Ritual spezialisiert hat! Dagegen gibt es nur einen Supermarkt und wer Wäsche waschen will, sollte das zwischen 10 und 13 oder zwischen 17 und 20 Uhr tun.

Wir genießen drei Tage im Costa Cariló, das sicherlich in einigen Teilen schon etwas in die Jahre gekommen ist. Aber mit direktem Strandzugang, weißen Sonnenschirmen (die uns vor sehr schlimmen Sonnenbrand bewahrt haben), Frühstück aufs Zimmer und hervorragendem Service an der Rezeption, fühlen wir uns hier unfassbar wohl. Wir haben sogar einen Whirlpool im Zimmer und der Blick vom Balkon geht direkt aufs Meer. Da November hier noch zur Nebensaison zählt, ist es ruhig im Costa Cariló und auch am Strand ist nicht viel los. Genau das Richtige für uns! Mit knappen 27 Grad am Strand, einer leichten Brise und saukaltem Atlantik, genießen wir die Tage am Strand mit entspanntem Nichtstun. Nach eingehender Recherche muss ich sagen, dass es hier bis auf ein paar Leuchttürme in der Umgebung auch nicht viel Nennenswertes zu besichtigen gibt. Hier macht man Strandurlaub! Und da Surfen, Quadfahren und Golf nicht mein Ding sind, komme ich hier - auch wenn es mir schwer fällt - auch zur Ruhe.