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Córdoba und die Kunst, diese Stadt kennenzulernen


Um nach Córdoba zu kommen, müssen wir erst mal wider 4.5h mit dem Bus durch die argentinische Pampa bis nach Buenos Aires fahren. Von dort geht es dann weitere 8 Stunden im Nachtbus bis nach Córdoba. Córdoba ist mit 1.3 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Argentinien und insbesondere wegen der Architektur im Stil der spanischen Kolonialzeit bekannt. Sie liegt nord-westlich von Buenos Aires im Übergangsgebiet zwischen den Gebirgszügen der Sierras de Córdoba im Westen und der Pampa. 
Der erste Eindruck von Córdoba ist staubig - denn am Tag unserer Ankunft bläst ein sehr trockener und staubiger Wind durch die breiten Straßenschluchten. Vieles erinnert hier an die große Schwester Buenos Aires: breite Avenidas und Hochhäuser, ein bißchen Kolonialzeit und etwas europäischer Chic gepaart mit Reklameschildern und Industriegebäuden. Aber wir haben einige Tage Zeit, um diese Stadt etwas besser kennenzulernen.
Den folgenden Tag plant meine Schwester einen Kunst- und Kulturtag. Wir machen uns morgens auf zum Kulturzentrum Paseo del Buen Pastor. Leider müssen wir kurze Zeit später feststellen, dass das Museum aufgrund einer Renovierung geschlossen ist. Also spazieren wir zum zweiten Tagesziel: einem Brunch-Café. Der Service dort ist so schlecht, dass wir fassungslos sind und das Frühstück meiner Schwester ist leider nicht besonders empfehlenswert, auch wenn der Name vermuten lässt, dass man hier besonders gut brunchen kann. Danach geht es weiter zum nächsten Programmpunkt: Palacio Ferreyra. Dieses Kunstmuseum zählt zu einem der Highlights in Córdoba. Die Außenfassade besticht durch die Architektur des französischem Klassizismus und einem kleinen umliegenden Garten. Auch innen ist das Gebäude sehr gut erhalten und wirklich außergewöhnlich schön. Einzig allein die Kunstausstellung ist einfach nur enttäuschend. Es gibt nur spärliche Informationen zu Kunstepochen und thematischen Anordnung der Werke - und das ausschließlich auf spanisch. Englische Übersetzung und Museumspädagogik sind hier Fremdwörter. Weder meine Schwester noch ich sind in Bezug auf Kunst ungebildet oder uninteressiert, aber das hier macht wirklich gar keinen Spaß. Nach etwa 15 Minuten haben wir alle Räumlichkeiten gesehen und stehen wieder draußen in der Sonne. Ich interessiere mich für das Fotografiemuseum Dionisi, aber dieses ist bis Mitte Dezember wegen Ausstellungswechsel geschlossen. Wir sind etwas sprachlos und brauchen nach diesem Erlebnis erst mal ein Eis. Die Eisdiele Caserrato sieht vielversprechend aus, ist aber geschmacklich keine Sensation. Das Fruchteis schmeckt künstlich und die frischen Früchte als Garnitur sind aus der Dose. Wir sitzen draußen an der vierspurigen Straße und sinnieren über diesen Tag, an dem irgendwie nichts so recht klappen will. Irgendwie ist heute der Wurm drin. Erwarten wir zu viel? Oder sind wir zu sehr von Highlights verwöhnt, sodass wir die Dinge, die uns nicht direkt umhauen, nicht mehr wertschätzten können? Zuerst muss ich sagen, dass es vollkommen normal ist, dass nicht jeder Ort, den man auf einer Reise besucht, einen umhaut. Auch wenn Instagram und gewisse Bildbearbeitungsprogramme das vielleicht vermuten lassen könnten. Es gibt Tage, an denen einfach der Wurm drin ist und man von einer Enttäuschung zur nächsten läuft. An denen das Wetter einfach nur miserabel ist und man den ganzen Tag im Appartement verbringt. Natürlich vergleicht man immer die bisherigen Erlebnisse und Reisen mit den neuen Eindrücken und je mehr man gesehen und erlebt hat, desto schwieriger wird es manchmal für das Neue zu beeindrucken. Viel wichtiger ist es deswegen in meinen Augen, dass man sich die Zeit nimmt, bei manchen Städten etwas genauer hinzusehen. Sich auf neuen Orte einzulassen. Die Augen offen zu halten um die kleinen Schönheiten und Überraschungen zu entdecken. Also haken wir diesen Tag, an dem alles unterdurchschnittlich ist, einfach ab.