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Capilla del Monte - Cerro Uritorco

Einige Stunden habe ich damit verbracht, im Internet nach geeigneten Tagestouren zum Wandern in der Umgebung zu suchen. Die drei Damen in der Touristeninfo von Córdoba waren diesbezüglich mehr als unwissend und vollkommen nutzlos -  sie haben mir lediglich die Internetseite des regionalen Tourismusverbandes und einen Stadtplan gegeben. Ich habe mich noch zwei Tage nach dem Besuch über so viel Unfähigkeit aufgeregt und spontan den Wunsch verspürt, in Córdoba eine eigene Touristeninformation zu eröffnen.

Wie so häufig, muss man in Argentinien viel Zeit zur Organisation einplanen. Das ist anstrengend. Und manchmal auch etwas nervig. Denn viele Busunternehmen, welche die lokalen Bereiche bedienen, haben ihre Abfahrtspläne nicht online, sodass man zum Terminal gehen muss, um sich dort zu erkundigen. Und dann gibt es nicht nur einen Anbieter, sondern mehrere. Und alle haben einen eigenen Schalter und jeweils eine Schlange davor. Für uns Deutsche ist dies sehr ineffizient, da durch das Warten und Fragen schon mal locker ein oder zwei Stunden drauf gehen können. Hier ist das ganz normal.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen um 6.30 Uhr aufzustehen, da der Bus zwei Stunden von Córdoba nach Capilla del Monte fährt und ich nicht allzu spät mit der Wanderung starten möchte. Aber leider überhöre ich meinen Wecker und so nehme ich den Bus um 9.10 ab Mercado Sud (ca. 270 Pesos mit Lumasa Bus). Kaum aus Córdoba raus, beginnt eine kleine Bergkette. Es geht erst in Richtung Westen, vorbei am Stausee Lago San Roque, dann weiter nördlich ins Hinterland bis nach Capilla der Monte. Dort angekommen, nehme ich für die 7km ein Taxi zum Base Cerro Uritorco (etwa 150 Pesos). 
Der Cerro Uritorco ist mit seinen 1949m der höchste Berg der Sierra Chica, einem Gebirgszug der Sierras de Córdoba. Der Name stammt aus der Sprache der Quechua und bedeutet übersetzt "Papageienberg". Heute ist der Berg im Privatbesitz der Familie Anchorena de Crotto, die zu den reichsten Familien Argentiniens gehört. Der Eintritt ist mit 300 Pesos nicht günstig. Dafür bekommt man aber einen sehr gut markierten Weg, der in 7 Etappen in etwa 3 bis 4 Stunden bis zum Gipfel führt. Wanderschuhe sind empfehlenswert - genauso wie Sonnenschutz und ausreichend Wasser. Nach der 5. Etappe, kurz hinter einem kleinen Wasserfall, gibt es ein Refugio mit Rangern. Ich genieße es, endlich wieder draußen in der Natur zu sein und zu wandern. So langsam habe ich einen eigenen Wanderrhytmus gefunden, der mich sicher bis nach oben trägt. Nach 5.5km, knapp 900 Höhenmetern und 2.5h erreiche ich den Gipfel und genieße die wunderbare Aussicht dort oben. Obwohl die Sonne scheint, frischt der Wind auf und ich bin froh, meine Fleecejacke dabei zu haben. Nach einer Mittagspause mit Panorama, mache ich mich auf den Rückweg. Nach zwei Stunden erreiche ich wieder den Eingang. Eigentlich mochte ich es nie besonders den gleichen Weg hoch wie runter zu gehen. Bis mir ein Schweizer, den ich in Chile traf, sagte, dass das Interessante am Abstieg doch sei, dass die Aussicht stets anders ist als beim Aufstieg. Recht hat er. Und deswegen finde ich es heute sogar ganz gut, die gleiche Strecke wieder zurück zu laufen. Am Eingang angekommen, gönne ich meinen Füßen ein kleines Bad im Fluss. Hier in der Gegend ist alles sehr spirituell, Händler verkaufen gesegnete Steine und lesen aus der Hand. Anscheinend ist das hier ein magischer Ort, von dem ich ehrlich gesagt ziemlich wenig verspüre. Ich finde es auch ohne Hokuspokus ziemlich schön. Da ich noch etwas Zeit habe bis der Bus nach Córdoba fährt, spaziere ich die 7km zurück zum Busterminal nach Capilla del Monte. Das kleine Städtchen hat bis auf ein Kino, viele Straßenhunde und eine schöne Plaza nicht wirklich viel zu bieten. Allerdings soll es in der näheren Umgebung noch weitere gute Wanderrouten geben, daher lohnt sich ggf. eine Übernachtung, wenn man die Gegend noch weiter erkunden möchte (z.B. Cascadas del Helechos im Valle Hermoso oder das Wandergebiet los Terrones).
Für mich war dies ein wunderbarer Tagesausflug und eine willkommene Abwechslung zum Stadtleben. Sehr empfehlenswert!