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La Pampa & die Estancia La Porteña

Pampa, das bedeutet in der Sprache der Quechua so viel wie Weite ohne Hindernis. Und in der Tat gibt es außerhalb der Städte wirklich ziemlich wenig außer flaches Land so weit das Auge reicht. Die Straßen, auf denen wir während den Busreisen fahren, führen kilometerweit und stundenlang geradeaus. Ein sehr großer Teil Argentiniens ist von dieser, nahezu nicht bewirtschafteten Ebene bedeckt. Diese subtropische Grassteppe zieht sich über weite Teile von Argenitniens, Uruguay und Brasilien. Ehemals herrschten indigenen Völker über die Pampa, bis Europäer die Gegend kolonialisiert und die Pampa kultiviert haben. Im Jahr 1780 wurden hier in der Pampa 40 Millionen Rinder gezählt - so viele Einwohner hat heute ganz Argentinien. Damals waren die Rinder nur für die Verwendung der Felle interessant, denn erst mit der Pökeltechnik 1785 konnte das Fleisch haltbar und damit nutzbar gemacht werden. Praktischerweise wurde das zum Pökeln notwendige Salz aus den umliegenden Lagunen gewonnen. Heute wird in der argentinischen Pampa vor allem Viehzucht und Agrarwirtschaft betrieben. Etwa 80% der landwirtschaftlichen Produkte wie Soja, Mais und Weizen stammen heute aus dieser Region.
In der Pampa liegen viele der bedeutendsten Städte Argenitniens, darunter Buenos Aires, Córdoba, Rosario, La Plata und Mar de Plata - so konzentriert sich heute ein Großteil der Industrie, Landwirtschaft und Viehzucht auf diese Region.
Die Romantisierung des Landlebens in der Pampa mit ihren einsamen Gauchos, wilden Pferden und ursprünglichen Estancias ist heute nur noch als Touristenevent von Interesse. Längst werden für die Landwirtschaft effiziente Maschinen eingesetzt und auch in der Viehzucht nutzt man neben Gauchos ebenso moderne Techniken.
Meine Schwester und ich hatten schon vor unserem Reiseantritt den Wunsch einen Ausflug in die Pampa zu machen. Wir haben so gut wie jeden in Buenos Aires und Córdoba gefragt, ob sie eine Empfehlung für eine Estancia in der Nähe haben. Jedes Mal sind wir auf die gleiche Reaktion gestoßen: irritierter Blick, hoch gezogene Augenbrauen und ein erstauntes "La Pampa? Porque?". Ohne eine Antwort abzuwarten, kommt dann sofort "Ihr müsst unbedingt nach Mendoza" oder "Fahrt nach Patagonien und schaut euch den Perito Moreno an - man kann sogar auf dem Gletscher laufen!". Nein, danke. Wir wollen weder nach Mendoza noch nach Patagonien. Wir möchten wirklich gerne die Pampa sehen. Und einen schönen Ausflug an einen Ort machen, der nicht zwei Stunden Flugzeit entfernt sind.
Nach langer Recherche im Internet finde ich die Estancia La Porteña, die sich in der Nähe von San Antonio de Areco befindet. Wir buchen dort einen Tagesausflug für etwa 2.000 Pesos pro Person. Sicherlich kein Schnäppchen, aber wie ich fest gestellt habe, ist das etwa der Durchschnitt, den Estancias für einen Ausflug verlangen. 
Leider müssen wir ab Buenos Aires schon morgens um 6 Uhr mit dem Bus nach San Antonio fahren, da der nachfolgende Bus nicht pünktlich ankommen würde. Also erreichen wir um 8.30 San Antonio und spazieren bei Sonnenschein in das Zentrum dieser kleinen, verschlafenen Ortschaft. Auffällig ist, das hier sehr viele Leute mit dem Fahrrad fahren - das habe ich so in Südamerika bisher noch nicht gesehen. Der Plaza von San Antonio ist beschaulich und gepflegt, der Kaffee und die Medialunas im Café Tokio besonders lecker und die alte Brücke wirklich keine Besichtigung wert. In der Chocolaterie naschen wir ein bisschen Schokolade und schauen uns begeistert die Maschine zur Produktion von Alfajores (die Lieblingssüßigkeit der Argentinier bestehend aus Keks, viel Dulce de Leche und Schokolade) an. Um kurz vor 11.00 nehmen wir das Taxi zur Estancia, das uns rund 300 Pesos kostet. Verglichen mit der zweistündigen Busfahrt für 270 Pesos pro Person, ist das Taxi recht teuer - leider gibt es hier auf dem Land aber keine andere Möglichkeit, sofern man kein gemietetes Auto oder Fahrrad hat.
Auf der Estancia angekommen werden wir von der Besitzerin sehr freundlich in Empfang genommen und erst mal mit einem Empanada Imbiss und Erfrischungen versorgt. Die Umgebung ist einfach wunderbar und wir freuen uns, dass wir es endlich geschafft haben, in der Pampa zu sein und dazu noch auf einer so schönen und alten Estancia. Den Tag über verbringen wir mit Pferdereiten, in der Sonne sitzen und Hunde streicheln. Zum Mittagessen wird Asado aufgetischt - eine typisch argentinische Fleischvariation vom Grill (für mich gab es eine vegetarische Alternative). Am Nachmittag gab es neben einer Musikperformance der Gauchos mit ungestimmten Instrumenten noch eine Art Reitvorführung und einen Gauchotanz, bei dem man selbst das Tanzbein schwingen konnte. Nach Kaffee und Kuchen - hier Merienda genannt -  treten wir den Rückweg nach Buenos Aires an. Glücklicherweise nimmt uns das sehr nette serbisch-kroatische Pärchen, das wir auf der Estancia kennen gelernt haben, im Mietauto mit zurück in den Stadtteil Palermo, von wo aus wir zu unserem Appartement fahren. Ein langer, aber wunderbar entspannter Tag geht zu Ende.