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Punta del Diablo

Ein besonderer Tipp einer Hamburger Freundin ist Punta del Diablo. Früher ein verträumtes Fischerdörfchen, hat es heute den Tourismus entdeckt - jedoch ohne den authentischen Charme zu verlieren. Es gibt hier viele Ferienhäuser, die zwar alle unterschiedlich, aber in ihrer Größe sehr übersichtlich sind. Das Städtchen ist geprägt vom Aussteigerflair, Surfschulen und einigen charmanten Gastronomien am Strand. Man kann hier besonders gut in der Hängematte liegen und nichts tun, am Strand spazieren und im Café sitzen. Herrlich entspannt!
Wir kommen in der Cabaña "La Semilla" von Jorge und Martina unter. Diese haben wir über Airbnb gemietet. Es ist eine kleine Cabaña aus Holz auf Stelzen, eine Art Palafito. Wir sind begeistert von der Atmosphäre und fühlen uns sofort wohl. An die Besonderheit mit der Biotoilette im Haus (so ist das bei Hippies!) mussten wir uns beide kurz gewöhnen. Es gibt nämlich keine Spülung. Hier macht man sein kleines und großes Geschäft in unterschiedliche Sektionen. Sobald man fertig ist, bedeckt man das eine mit Sägespänen und beim anderen spült man mit etwas Wasser aus einer Flasche nach. Toilettenpapier muss hier sowieso in den Eimer und darf nicht in die Toilette. Da das da drin alles dunkel ist, sieht man nicht viel, was uns auch irgendwie etwas lieber ist. Und erstaunlicherweise riecht die Toilette auch fast gar nicht. Das kleine Geschäft wird zusammen mit dem Abwasser von Waschbecken und Dusche in einem kleinen, speziell dafür bepflanzten Beet im Garten entsorgt. Wie das mit dem großen Geschäft ganz genau läuft, habe ich nicht gefragt - ich weiß nur, dass es irgendwann zu Erde wird. Sehr guter Erde, wie Martina, unsere Gastgeberin, versichert. Sie schwört darauf und beendet ihre Erklärung der Biotoilette mit den Worten: "We are wasting so much shit!". Recht hat sie.
Die zwei Tage in Punta del Diablo freuen wir uns darüber, endlich mal wieder eine eigene Küche zu haben und nicht jeden Morgen den Koffer packen zu müssen. 


An einem Vormittag gehen wir im Nationalpark Santa Teresa spazieren. Früher war dies Armeegelände, daher ist auch ein kleiner Teil der Ruta 9 eine ehemalige Landebahn für Militärflugzeuge. Heute ist Santa Teresa ein recht großer Park direkt am Strand mit vielen Flächen zum Campen und mit einigen Bungalows. Die Bucht eignet sich hervorragend zum Surfen. Wir spazieren ein wenig umher, passieren einen skurrilen Zirkusworkshop und schauen uns dann noch die alte Festung an. Die Festung Santa Teresa ist sehr gut restauriert und gepflegt und veranschaulicht sehr gut das frühere Leben und den Kampf zwischen den Spaniern und Portugiesen um dieses Schmuckstück an der Küste.


An einem anderen Nachmittag besuchen wir die Einrichtung Karumbé, die verwundete oder hilfsbedürftige Schildkröten rettet. Die Einrichtung ist nur von November bis April geöffnet und sehr provisorisch angelegt. Eine Meeresbiologin aus Chile, die hier derzeit an ihrer Thesis arbeitet, erklärt uns viel Wissenswertes über Land- und Meeresschildkröten und warum die Tiere hier sind. Viele Tiere werden von Menschen gefunden und dann hierher gebracht. Aber auch der Zoll an der Grenze zu Brasilien spürt immer wieder geschmuggelte und meist verletzte Tiere auf, die hier geheilt werden. Besonders schlimm ist das Schicksal von Migue, der seit einigen Wochen hier in der Einrichtung ist. Er hat eine große Menge Plastikteile aus dem Meer gefressen. Das Problem ist, dass die Plastikteile im Magen von Migue verklumpen und nicht verdaut werden können. Irgendwann ist das Ganze so hart, dass die Verdauung nicht mehr funktioniert. Das Tier kann keine Nahrung mehr aufnehmen, irgendwann nicht mehr schwimmen und nur noch schlecht atmen. Sodass es dann nach einigen Monaten so schwach ist, dass es an den Strand gespült wird. Sofern die Plastikteile nicht zu fest verdichtet sind, können diese durch besondere Ernährung ausgeschieden werden. Falls doch, gibt es für die Schildkröte keine Hoffnung. Migue hat Glück gehabt. Noch ein paar Tage Beobachtung und dann darf er wieder zurück ins Meer. Ich habe das Glas mit den Plastikteilen, die in Migues Magen waren, gesehen und war schockiert. Das Problem ist, sagt die Meeresforscherin, dass es hier in Südamerika fast keine Aufklärung zum Thema Plastik im Meer gibt. Generell ist das Umweltbewusstsein auf einem sehr geringen Niveau - Uruguay ist nicht das erst Land in Südamerika, in dem mir das bewusst wird. Wie gut, dass es solche Einrichtungen wie Karumbé gibt. Und dass es Freiwillige gibt, die sich um die Tiere kümmern und über die Problematik aufklären.


Fazit: Punta del Diablo gehört zu einem meiner Lieblingsorte in Uruguay. Ich habe den besonderen, authentischen Flair dieses Ortes sehr genossen und mag, dass man in der näheren Umgebung sehr gut kleine Ausflüge machen kann!