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Uruguay - hier bitte aussteigen!

Ich hatte keine wirkliche Vorstellung davon, was mich in dem - verglichen mit seinen Nachbarn - kleinem Land Uruguay erwarten wird. Sieben Tage waren wir mit dem Mietwagen unterwegs, sind 1.300km weit gefahren und vor allem an der Küste unterwegs gewesen.

 

Land & Leute
Uruguay hat bis auf einige Highlights - wie die Altstadt von Colonia - nicht wirklich viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Dennoch besticht das Land durch endlos lange Strände und das tobende Meer, durch den Hippie-Flair an der Küste und durch ein grünes Herz im Inneren. Vor allem aber hat es seinen ganz eigenen Rhythmus. Nichts und niemand ist jemals in Eile oder jemals zu spät und erst recht nicht zu früh. Bevor irgendetwas passiert, wird erst einmal Mate getrunken, ein Schwätzchen gehalten und ein Joint geraucht. Fällt der Strom aus, wartet man bis er wieder an ist und geht das WiFi nicht, kümmert das auch niemanden. Hier kann man richtig runterkommen und die Seele in der Hängematte baumeln lassen. Es gibt hier viele Aussteiger und wer die Abgeschiedeneheit und Entspanntheit liebt, für den ist dieses Land genau das Richtige. 
Sicherheit & Transport
Uruguay ist kein günstiges Land. Auch nicht, was den Transport angeht. Die Fähre von Buenos Aires hat uns pro Person mit Colonia Express circa 90€ für Hin- und Rückfahrt gekostet, da wir etwas kurzfristig dran waren mit der Buchung.
Die beste Idee war sicherlich, vor Ort in Colonia ein Auto zu mieten. Mit circa 260€ für sechs Tage ist dies trotz Erlass der Mehrwertsteuer sicherlich kein Schnäppchen. Jedoch war es auf alle Fälle jeden Euro wert. Viele schöne Orte, einsame Strände und versteckte Nebenstraßen hätten wir sonst in dieser kurzen Zeit nie entdeckt. Ich empfehle, verschiedene Anbieter zu vergleichen. Wir haben uns letztlich für einen Anbieter entschieden, bei dem wir den vollen Versicherungsschutz ohne Selbstbeteiligung und alle Kilometer frei hatten. 
Nichtsdestotrotz ging rund die Hälfte des Budgets für Transport (Fähre, Auto & Tankfüllung) drauf. Pro Person haben wir etwa 230€ gezahlt. Wahnsinn!
Essen & Trinken
Die Essensgewohnheiten entsprechen weitestgehend denen des Nachbarlandes Argenitnien: sehr viel Zucker und Weizenmehl, und am liebsten wird frittiert, überbacken und natürlich gegrillt. Ohne Dulce de Leche, Mate-Tee und Asado geht hier fast gar nichts. Im Supermarkt kann man keinen ungesüßten Naturjoghurt kaufen und das "Pan Integral" schmeckt genauso nach Luft wie das helle Toastbrot. Insbesondere das Frühstück ist hier für einen bewussten Mitteleuropäer eine mittelgroße Katastrophe: Weißbrot, Marmelade, Butter, Dulce de Leche, Medialunas mit Zuckerguss, Orangensaft aus Konzentrat, fader Kaffee und gezuckerte Cornflakes. Gesund kann man das nicht gerade nennen. Da hilft nur eines: so häufig wie möglich selbst kochen, sofern es Infrastruktur und Zeit zulassen.
 
Bargeld & Kreditkartenzahlung
In Uruguay bezahlt man mit Pesos Uruguayos. Wir haben während unserem Aufenthalt nur einmal abgehoben, mussten aber wie in Argentinien auch, etwa 8€ Gebühr für die Dienstleistung der lokalen Bank bezahlen. Für gastronomische Dienstleistungen erhält man hier circa 20% Rabatt, sofern man mit einer ausländischen Kreditkarte bezahlt. Das Gesetz wurde eingeführt, um in erster Linie die Argentinier trotz der schlechten wirtschaftlichen Situation im eigenen Land, nicht davon abzuhalten, in der Urlaubssaison hierher zu kommen. Schön, dass auch die Europäer davon profitieren dürfen. Am besten vorher kurz im Restaurant oder Café fragen, ob Kreditkarten akzeptiert werden. Die 20% Steuerbefreiung wird beim Zahlen mit der Kreditkarte automatisch vom Gerät abgezogen. 
Reisezeitpunkt
Der Reisezeitpunkt Anfang Dezember hätte besser nicht sein können. Im Januar und Februar startet hier die Hauptsaison, was zur Folge hat, dass die Preise sich teilweise verdreifachen und die Verfügbarkeit von Mietwagen und Unterkünften schlechter wird. Durch das Reisen in der Vorsaison hatten wir den Vorteil, dass wir spontan entscheiden konnten, wo wir übernachten. Ab und an haben wir sogar noch zusätzliche Rabatte erhalten, da wir Last Minute gebucht haben. Das Wetter war mit 22 bis 26 Grad und Sonne ideal zum Reisen; allerdings darf man sich über einen kleinen Regenschauer im Landesinneren, viel Wind an der Küste oder Wolken am Himmel zu dieser Zeit nicht ärgern. Allerdings muss man in der Vorsaison auch damit rechnen, dass nicht immer alle Dinge geöffnet sind, die man sich ansehen möchte. Aber wenn, dann kann man sicher sein, dass man nahezu alleine ist und sich die Leute Zeit für einen nehmen. In der Nebensaison dagegen wird es hier relativ leer und ausgestorben sein, insbesondere in den kleineren Städten.
Ausgaben & Tagesdurchschnitt
Mit 44€ pro Tag und pro Person kommt man in Uruguay gut klar. Wir haben keine Tour gebucht und trotzdem viele Aktivitäten unternommen wie beispielsweise Fahrradfahren in Montevideo. Wenn immer es möglich war, haben wir selbst gekocht oder was zum picknicken besorgt, wenn wir unterwegs waren. Da wir immer im Hostel übernachtet oder ein Appartement hatten, fällt der Punkt Unterkunft mit fast 28% der Ausgaben und 123€ als zweitgrößter Kostenpunkt ins Gewicht.
 
Was ich in Uruguay gelernt habe
Loslassen und sich auf den Rhythmus eines Landes einlassen. Ich habe über eine Woche keine Zeile geschrieben. 
 
Was ich in Uruguay NICHT gelernt habe 
Die Liebe zu Mate-Tee zu entwickeln
Couchsurfing Hosts: 0
Im Reisebus verbrachte Stunden: 0 h
Gewanderte Kilometer: 14 km