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Bariloche - Cerro Campanario

Am Tag, an dem ich den Ausflug zum Cerro Campanario machen möchte, streiken leider alle Busfahrer hier in der Umgebung. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als zu trampen. Nach nicht mal einer Minute Wartezeit nehmen mich drei Französinnen mit, die mit dem Mietwagen unterwegs sind und dasselbe Ziel haben wie ich. Manchmal hat man Glück.
Der Weg zum Cerro Campanario führt durch den Wald, ist leicht zu begehen und dauert nur etwa 30 Minuten. Man kann wahlweise auch den Sessellift nehmen, der auch im Sommer täglich geöffnet hat. Die Lage des Aussichtspunktes ist einfach großartig. Man kann von dort oben rundum auf hölzernen Plattformen spazieren und den Blick über die einzigartige Landschaft schweifen lassen. Von oben sieht man auf die Seen Nahuel Huapi und Moreno, die Lagune El Trébol, die Landzunge San Pedro, die Insel Victoria sowie auf viele Gipfel wie den Cerro Otto, López, Bellavista, Catedral und Capilla. Anfänglich ist es sehr bewölkt und der Wind weht mit heftig um die Nase. Aber ich finde den Ort so schön, dass ich mir die Zeit nehme und mich auf eine Terrasse setze. Nach etwa 20 Minuten kommt dann tatsächlich doch noch die Sonne raus. Ich muss lächeln, denn ich weiß, dass meine Intuition mich geleitet hat, indem irgendetwas in mir sagte: mach hier kurz Pause, ich belohne dich mit etwas Sonne.
Der Rückweg ist in weniger als einer Viertelstunde gemacht. Ein großartiger, kleiner Ausflug!
Als ich wieder unten an der Hauptstraße bin, nehme ich den Bus ( dieser fährt mittlerweile wieder) Richtung Colonia Suiza. Dies ist ein kleines Dorf, in dem damals die ersten Europäer in der hiesigen Region des Río Negro ankamen. Noch heute sollen hier ursprüngliche Gebäude aus dieser Zeit stehen. Da ich großer Schweizfan bin, lasse ich mir das natürlich nicht entgehen. Vielleicht waren meine Erwartungen etwas zu hoch - ich muss gestehen, dass ich sehr enttäuscht von der verstreuten Ansammlung von den hölzernen Häusern im Schweizer Stil, den Restaurants, Touristenshops, Cafés und Läden mit Kunsthandwerk war. Alles wirkte sehr touristisch und zu wenig authentsich auf mich. Nach einem kurzen Abstecher zum See (über den Campingplatz erreichbar), fahre ich mit dem Bus zurück nach Bariloche. Für manche Besucher mag dies ein Highlight sein - das hängt meines Erachtens davon ab, was man bisher schon gesehen hat. Da ich während meines Masterstudiums in der Schweiz gelebt habe, bin ich natürlich mit etwas anderen Erwartungen zu diesem Ort gefahren. Wenn man, wie viele Argentinier, noch nie in der Schweiz war, kann die Colonia Suiza durchaus reizvoll sein. 
Erkenntnis des Tages: man beurteilt die Orte anhand der Dinge, die man schon gesehen und aufgrund der Erfahrungen, die man schon gemacht hat.