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Puerto Madryn - Punta Loma

Nach 10 Stunden im Nachtbus erreiche ich Puerto Madryn. Die 100.000 Einwohner zählende Stadt liegt zwar in der gleichen Provinz wie Esquel, dafür aber ziemlich genau am anderen Ende am Atlantik. Puerto Madryn liegt an einer sehr schönen Bucht mit weißem Strand und flachen Wellen. Außerdem eignet sich die nah gelegenen Península Valdez für die Beobachtung einiger Tierarten wie Pinguine, Wale und Seelöwen. Am frühen Vormittag checke ich in das Hostel El Gualicho ein, das im Zentrum und in fußläufiger Nähe des Busbahnhofs liegt.
Da es noch früh ist, kann ich das Zimmer noch nicht beziehen. Dafür darf ich aber etwas frühstücken und kann das Bad benutzen. Ich nutze die Zeit und erledige einige organisatorische Dinge für meine weitere Reise. Busfahrten checken, Wege koordinieren, Hostels buchen - das alles erfordert wirklich viel Zeit! Ich verbringe mindestens eine Stunde am Tag mit Recherche und Organisation. Flexibilität und Eigenverantwortung erfordert eben zeitaufwendige Informationsbeschaffung in jeglicher Hinsicht.
Ich informiere mich bei der Hostelcrew, was ich hier unternehmen kann. Kurze Zeit später sitze ich - wer hätte das gedacht - auf einem Mountainbike. Fahrradfahren zählt ja nicht zu meinen liebsten Sportarten. Aber anders als mit Taxi oder Privatwagen lässt sich die etwa 15km lange Strecke bis zum Aussichtspunkt Punta Loma nicht bewältigen. Also wird ordentlich Sonnencreme aufgelegt und Wasser eingepackt und los geht die Reise!
Der erste Teil der Strecke führt mehrere Kilometer an der Strandpromenade von Puerto Madryn entlang. Um die Mittagszeit und unter der Woche ist hier nicht viel los - sowieso beginnt die Hochsaison hier erst ab Januar. Bereits nach der ersten Kilometern merke ich, dass das Mountainbike nicht ganz ideal zu meiner Größe passt, da mein Oberkörper etwas zu kurz scheint. Der Lenker ist sehr weit weg, der Sattel drückt, der Rücken fängt an zu schmerzen. Aber da muss ich jetzt durch - sind ja nur 2 Stunden Fahrzeit...Die asphaltierte Straße führt weiter südlich. Es wird etwas hügelig. Glücklicherweise weht ein leichter Wind, sodass es nicht all zu heiß in der Sonne ist. Ich mache mehrere Male kurz Halt um mich von der Tortur zu erholen. Das letzte Stück bis zum Aussichtspunkt ist dann nicht mehr asphaltiert, sondern geschottert. Teilweise so steinig, dass die Reifen des Mountainbikes weg rutschen. Die Straße ist staubig, insbesondere wenn ein Auto mit 50kmh an mir vorbeidüst. Aber aufgeben ist jetzt nicht. Ein Pferd kreuzt meinen Weg und am Ufer liegt das Wrack einen gesunkenen Holzschiffes. Dann komme ich endlich an. Es gibt zwei Aussichtsplattformen, von denen man einen gute Sicht auf die Seelöwenkolonie hat, die in der Bucht nistet. Es ist ein Schauspiel wie die massiven Männchen um die Weibchen werben. Wie die jungen Seelöwen im Wasser spielen oder einfach nur faul und unbeweglich in der Sonne liegen. Ich verbringe fast eine Stunde dort; vermutlich auch, weil ich wirklich erschöpft bin von der Tour. Blöderweise muss ich die ganze Strecke ja auch wieder zurück fahren. Das einzige, was mich motiviert, ist die Tatsache, dass ich keine Eile habe und so viele Pausen machen kann wie ich will. Das Universum meint es gut mit mir, denn ich habe keinen Gegenwind und komme etwas schneller voran. Auf den letzten 7km schickt mir das Universum dann Claudio, der ebenfalls auf dem Mountainbike unterwegs ist (allerdings deutlich sportiver als ich mit Radkleidung und Helm). Er begleitet mich und verwickelt mich in eine Schwätzchen, sodass das letzte Stück wie im Fluge vergeht. Gegen 16.00 Uhr erreiche ich wieder das Hostel. Obwohl ich fix und fertig bin, freue ich mich über diesen schönen Ausflug!


Hostel El Gualicho
Zentral gelegenes Hostel mit vielen Zimmern, modern und sehr sauber. Frühstück inklusive, kleiner Garten, guter Waschservice. Die Hostelcrew berät bei Ausflügen. Mountainbikes kosten 400 Pesos pro Tag (Zustand ist so mäßig, bei mir ging eine Bremse nicht und es gibt kein Schloss zum Abschließen).
Marcos A. Zar 480, Puerto Madryn