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Puerto Madryn - Península Valdes

Klares Wasser, kilometerweiter Sandstrand und eigenartige Bewohner - willkommen auf der Península Valdés!


Die Península Valdés ist eine Halbinsel an der Atlantikküste in der argentinischen Provinz Chubut, circa 70km nördlich von Puerto Madryn. Seit 1999 ist Valdés ein geschütztes Naturreservat und von der UNESCO zum Welterbe ernannt. Heute ist die Insel weitestgehend in privatem Besitz. Neben einem kleinem Ort, Puerto Pirámides, gibt es nur einige Estancias, die Schafe halten. Besondere Bedeutung hat die Península aufgrund der Meeressäugetiere, die sich am Ufer und in den beiden Golfbuchten tummeln: Wale, Orkas, Seelöwen, Seeelefanten und Pinguine leben hier in Kolonien und nutzen die Küste um sich hier fortzupflanzen und ihre Jungen zur Welt zu bringen und aufzuziehen.
Leider gibt es auf der Península keine öffentlichen Verkehrsmittel. Von Puerto Madryn fährt ein Collectivo bis nach Puerto Pirámides, aber von dort kommt man dann nicht mehr weiter. Die Insel ist mit ihren insgesamt 3625 qkm zu weitläufig um die Spots für die Tierbeobachtung mit dem Fahrrad abzufahren. Die Straßen sind steinig und staubig und auch mit dem Auto kann man nicht schneller als 50kmh fahren. Da keine Mietautos in näherer Umgebung verfügbar sind, entscheide ich mich dazu, eine begleitete Tour mit Ryans Travel zu buchen. Die Tour für einen ganzen Tag kostet 1.800 Pesos. Dazu kommt noch der Parkeintritt mit 650 Pesos - insgesamt also keine günstige Angelegenheit.
Morgens um 8.00 Uhr geht es los. Da die Hauptsaison erst nach Weihnachten beginnt, sind wir eine kleine Gruppe von nur sieben Leuten. Im Minivan geht es zur Insel. Unser Guide namens Washington erklärt uns sehr viel über die Insel und deren Bewohner im Meer. Auf dem Weg zu unserem ersten Spot, Punta Pirámides, halten wir in einem Informationszentrum für Besucher. Hier ist sehr anschaulich erklärt, welche Tiere hier auf der Insel zu Hause sind. Highlight ist das ausgestellte Skelett eines jungen, männlichen Wals, der vor etlichen Jahren tot am Strand gefunden wurde. In Puerto Pirámides angekommen, gehen die anderen Teilnehmer auf Wal-Tour. Ich entscheide mich dagegen, denn zum Einen ist die Saison fast zu Ende und die Chance etwas geringer Wale zu sehen. Zum Anderen bin ich kein besonders großer Freund von Schiffen und Booten und spare mir die Investition daher lieber auf. Stattdessen nutze ich die 90 Minuten und spaziere auf einen Hügel, von dem ich über die Buchten und über das Örtchen schauen kann. Puerto Pirámides war früher bekannt für seine Seelöwenfelle, die Wollproduktion und die Salzminen. Aufgrund wirtschaftlicher Gegebenheiten und dem aufkommenden Tierschutz, verlor der Ort an Bedeutung. Zeitweise lebten hier nur noch 50 Menschen. In den letzten Jahren hat der Ort durch den Tourismus wieder Aufschwung erfahren, da der Ort heute Ausgangspunkt für alle Waltouren und Tauchausflüge ist und die einzige Zivilisation auf der gesamten Halbinsel darstellt.
Auf dem weiteren Weg zur östlichen Seite der Insel fahren wir durch die heiße und trockene patagonische Steppe, hier auch "Pampa Seca" genannt. Es gibt keine Bäume, nur dornige Sträucher, dürre Grasbüschel und Steine. Trotz dieser widrigen Bedingungen leben hier Guanakos, Verwandte des Llamas, die ich schon aus Chile kenne sowie Nandus, eine südamerikanische Straußenvogelart. Obwohl beide Tierarten sehr scheu sind, bekommen wir sie auf unserem Weg zu sehen. 
An der östlichen Küste angekommen, besichtigen wir von einer Aussichtsplattform aus eine Seelöwenkolonie. Faul und träge liegen sie in der Sonne. Das Wasser ist so klar, dass man meterweit den Grund sehen kann. Grün, Türkis zu Blau. Washington ist ein hervorragender Guide und ich bin überrascht, wie gut ich seinen Erzählungen auf spanisch folgen kann. 
Weiter geht unsere kleine Safari zur Caleta Valdés, ein natürlicher Hafen bestehend aus einer 30km langen Sandbank. Hier besichtigen wir die Magellan-Pinguine und Seeelefanten, die hier friedlich nebeneinander leben. Die Besucherwege sind hier so nah an den Pinguinkolonien, dass man sich den Tieren bis auf wenige Meter nähern kann. Sie nisten quasi direkt am Holzweg. Sie sind alles andere als scheu, sondern eher neugierig und genießen den Trubel und das Interesse. Stundenlang könnte ich diesen Tieren beim Sonnen, Schwimmen, Schlafen oder Watscheln zuschauen. Als ich so alleine auf dem Holzweg sitze, kommt ein Pinguin recht nah heran, schaut mich neugierig an, beugt sich nach vorne und katapultiert mit einem lauten Geräusch erst mal sein Geschäft hinaus. Danach bleibt er einfach stehen und beäugt mich. Ich muss grinsen und werte das mal nicht als persönlichen Affront. 
Danach geht es weiter zur Parador Elvira, zu den Seeelefanten. Kolonien von Seeelefanten sind sehr selten und sonst nur in der Antarktis zu finden. Wir sehen leider nur Weibchen mit ihren Jungen, da die Paarungszeit der Tiere vorbei ist und die Männchen bereits wieder im Meer sind. Dennoch ist es sehr beeindruckend! Man kann auf den Besucherwegen einen kleinen Spaziergang unternehmen und immer wieder auf runter auf den Strand schauen um die Tiere zu beobachten. Auf dem Weg kreuzt ein flinkes Gürteltier meinen Weg. Es ist ebensowenig scheu wie die Pinguine und flitzt von Strauch zu Strauch auf der Suche nach Nahrung. Kurios, solche Gürteltiere. Ein Überbleibsel wie aus einer anderen Welt.
Gegen späten Nachmittag ist unser Ausflug dann zu Ende. Auf dem Weg zurück machen alle - bis auf den Fahrer - ein kleines Nickerchen. Nach 360km, viel Sonne und tollen Erlebnissen kommen wir wieder in Puerto Madryn an. Ich bin froh, dass ich diese Tour gebucht habe: was für ein Highlight!


Top Filmtipp zum Einstimmen: Der Leuchtturm der Orkas