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Weihnachten weit weg

Wie fühlt es sich an, Weihnachten 12.000km weit weg von zu Hause zu verbringen? Und dazu noch bei 30 Grad? An einem Tag, an dem man weiß, dass so gut wie alle diesen Tag im Kreis ihrer Familie verbringen?


Es ist das erste Mal für mich, dass für mich Weihnachten im Sommer stattfindet. Schon das alleine fühlt sich kurios an. Die letzten Wochen habe ich schlichtweg vergessen, dass es Dezember und damit Adventszeit ist. Es gibt hier in keine Plätzchen, keine Adventskränze, niemand kennt Adventskalender oder Weihnachtsmärkte und weihnachtliche Dekoration muss man hier suchen. Und wenn man diese kitschig geschmückten Weihnachtsbäume dann doch entdeckt, sind sie irgendwie Fehl am Platz, zwischen all den schwitzenden Menschen in kurzen Hosen und luftigen Kleidern, mit Sonnenbrillen und Badelatschen ausgestattet. Ich gebe zu, ich hatte etwas Respekt davor an Heiligabend alleine in Buenos Aires zu sein. Nachdem ich eine Nacht in einem Hostel in San Telmo verbracht hatte, bin ich in ein Appartement umgezogen, um dort mehr Zeit für mich zu haben und mir eine eigene kleine Komfortzone zu gönnen. Ich hatte mir vorgenommen, kitschige Filme auf Netflix zu schauen und mir einen großen Topf Pasta zu kochen. Doch als ich einige Tage zuvor im Hostel war, habe ich eine nette Runde von Reisenden kennen gelernt, die für den Heiligabend ein großes Essen im Hostel geplant hatten. Ich habe nicht lange überlegt, denn obwohl Pasta und Netflix verführerisch sind, ist es doch schöner unter Menschen zu sein, die ihre Liebsten ebenso vermissen an diesem Tag wie ich. Also verbringe ich den 24. Dezember damit, tagsüber kitschige Netflix Filme zu schauen und meinen vegetarischen Beitrag zum Abendessen vorzubereiten. Gegen frühen Abend spaziere ich zum Hostel, wo bereits der Grill für das Asado bei 28 Grad und untergehender Sonne zur Höchstform aufläuft. Es ist ein schöner Abend mit gutem Essen, Wein und Reisegeschichten. Es geht um Ankommen und Abreisen, um die unterschiedlichen Motive für die Reise, die uns alle an diesem Tag zusammenbringen. Und obwohl Weihnachten ist, fühlt es sich für mich noch immer nicht so an. Denn dieses Weihnachten ist auch für den Rest meiner Familie ein besonderes Jahr: mein Vater ist in Indien unterwegs, meine große Schwester in Sri Lanka, meine kleine Schwester ist mit ihrem Mann in der Schweiz. Und meine Mutter: auf dem Weg nach Argentinien!
Schon vor meiner Abreise haben wir diesen Besuch geplant. Am ersten Weihnachtsfeiertag ist es soweit und ich freue mich sehr darüber, dass wir zusammen durch Uruguay und Brasilien reisen. Was wir beide vorher ebenso geplant hatten: die Reise mit einem Veranstalter zu unternehmen. Also verbringen wir zusammen ein paar Mutter-Tochter-Tage in Buenos Aires, um dann die Reisegruppe zu treffen und ins kleine Abenteuer zu starten!