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Ilha Grande - Lopes Mendes

Berge und Wanderwege, endlos viele Strände und sanfte Wellen, kristallklares Wasser und keine Autos auf der kompletten Insel - hier ist mein persönliches Paradies!


Den ursprünglichen und naturbelassenen Zustand der Insel verdankt sie ihrer Geschichte: anfangs war sie ein Zufluchtsort für Piraten, später Leprakolonie und schließlich eine Strafanstalt, in welcher die schlimmsten Verbrecher Brasiliens untergebracht waren. Davon sind heute nur noch Ruinen zu sehen. Jedoch ist der zweifelhafte Ruf der Insel wohl Grund dafür, warum Investoren lange auf Distanz blieben und der Tourismus hier nur langsam in Gang kam. Heute findet man auf der Insel wunderschöne, tropische Strände mitten im ursprünglichen atlantischen Regenwald. Mit ihren knapp 6.000 Einwohnern ist Vila de Abraão die größte Siedlung der Insel. Hier kommen alle Boote vom Festland an. Wir fahren ab Angra dos Reis mit der CCR Barcas Fähre auf die Insel. Die Fähre wird hauptsächlich von Einheimischen genutzt, die auf dem Festland ihren Wocheneinkauf erledigen. Vom Ventilator bis zum Toastbrot wird hier alles auf die Insel transportiert. Die Hälfte der Sitzplätze ist somit mit riesigen Einkaufstüten belegt. Da die Brasilianer wie es aussieht gerne diene Großeinkauf mit der gesamten Familie erledigen, ist auf der Fähre ganz schön was los. Ich habe Bedenken, dass mir auf der eineinhalb stündigen Überfahrt schlecht wird, daher nehme ich vorsorglich eine Reisetablette und schlafe die komplette Fahrt.


Wanderung zum Lopes Mendes
Eigentlich haben wir uns für einen ganztägige Bootstour angemeldet, aber am Morgen erhalten wir die Nachricht, dass der Wellengang im Süden der Insel zu stark sei. Meine Mutter kümmert das wenig, da sie leider mit einem kleinen Hitzeschlag im Bett verweilt - ja, diese Reise hat es gesundheitlich in sich...Und obwohl ich mich gefreut habe, bin auch ich nicht so richtig traurig über die Planänderung, da ich sehr empfindlich bin in Bezug auf Seegang. Auf meiner bisherigen Reise habe ich gelernt, dass man manchmal die Dinge so nehmen muss, wie sie sind. Flexibilität hilft dabei, am Ende des Tages doch noch glücklich einzuschlafen. Also werfe ich spontan meine Pläne um und entschließe mich eine Wanderung zu einem Strand zu unternehmen. Das australische Pärchen der Reisegruppe begleitet mich und nach einem kurzen Wechsel der Havaianas gegen die Wanderschuhe kann es auch schon losgehen.
Der Wanderweg beginnt am östlichen Ende von Vila de Abraão, kurz vor einem Kayakverleih. Der Pfad ist ziemlich gut beschildert mit der Richtung "Lopes Mendes", an ein, zwei Abbiegungen, die nicht gekennzeichnet sind, sollte man sich rechts halten. Der Weg führt bergauf und bergab. Es ist heiß, auch wenn dichte Regenwald glücklicherweise etwas Schatten spendet. Definitiv sollte man gute Schuhe tragen, ausreichend Flüssigkeit und Moskitospray dabei haben. Nach etwa 40 Minuten kann man einen sehr steilen Pfad zu einem Aussichtspunkt über die Bucht von Vila so Abraão hochsteigen. Großartige Sicht! Nach rund zwei Stunden Fußmarsch und der Passage von zwei schönen Buchten - Praia Palmas und Praia do Pouso - kommen wir an. Es ist ein wahrhaftiger Traum! Verglichen mit anderen Stränden sind hier nur wenige Menschen, da man entweder wandern oder das Boot nehmen muss, um hierhin zu gelangen. Und dann ist dieser breite, feine Standstrand einfach endlos. Hinter mir die mit dichtem Regenwald bewachsenen Hügel, vor mir das türkisblaue erfrischende Wasser und über mir der wolkenlose Himmel. Ich bin ja bisher wirklich kein Strandtyp gewesen, aber diese Kombination ist der absolute Wahnsinn. Glücklicherweise kann man am Übergang zwischen Strand und Regenwald im Schatten der Bäume und Palmen liegen. Das bewahrt vor Sonnenbrand und spontaner Verdunstung der eigenen Wenigkeit. Ich genieße es sehr hier zu liegen und einfach zu schauen: aufs Meer, auf die Hügel, auf die brasilianischen Strandbeauties, die sich in ihren winzigen Bikinihöschen in der Sonne bräunen. 
Gegen Nachmittag nehmen wir das Boot zurück nach Vila do Abraão. Tickets hierfür haben wir für 15 Pesos bereits am Morgen beim Anbieter des abgesagten Bootsausflugs gekauft. Auf deren Rat nehmen wir nicht das letzte Boot zurück, da bereits am Nachmittag der Andrang noch einen Platz zu ergattern, groß ist. Die Rückfahrt dauert überraschenderweise 45 Minuten - so komme ich doch noch zu meiner Bootstour, wenn auch nicht um die komplette Insel. Für meinen Geschmack war dies aber absolut ausreichend und in Kombination mit der Wanderung und dem wunderbaren Strand war dieser Tag schlichtweg perfekt!