· 

Rio de Janeiro - Up!

Üner die wunderbare Funktion "Entdeckungen" bei Airbnb stoße ich auf das Angebot von Ivanir von Rio Mountain Sports: Kletterkurs am Morro da Urca, dem kleinen Bruder vom Zuckerhut. Ich habe noch nie einen Kletterkurs belegt und was kann es besseres geben, wenn man Berge mag? Und dann auch noch mitten in Rio? Ich überlege nicht all zu lange und buche für 60€ drei Stunden Abenteuer. 

Abends um 17.00 Uhr geht es dann los. Wir treffen uns am Fuße des Morro da Urco und spazieren nur eine kurze Strecke bis es dann auch schon los geht. Ich blicke nach oben und sehe nur glatten Stein mit ein paar Büschen dazwischen. Es ist steil. Und ich frage mich, warum genau ich da hoch will. Bis zum Start der Route laufen wir mit Bergschuhen den Stein hinauf. Zu Anfang ist das ganz okay, aber dann wird es zum Einen immer höher und zum Anderen wird es rutschig. Ivanir bewegt sich wie eine junge Gams auf dem Stein. Ich dagegen krabble fast auf dem Stein umher, da mir doch etwas flau wird, wenn man so nach unten schaut. So ohne Sicherung. Aber Ivanir ist ganz entspannt und versteht es sehr gut, mir ein paar Tipps zur besseren Lauftechnik zu geben. Dann sind wir endlich am Start der Route. Ich probiere die Schuhe an (ja, es sind dann doch die Kinderschuhe in Gr. 34 geworden) und als er mir den Gürtel mit der Kreide um den Bauch bindet, wird mir bewusst, dass es jetzt ernst wird. Er weist mich mit viel Geduld in alles ein - diese ganzen Seile, Knoten und Karabiner sind ja schon etwas verwirrend. Ich versuche mir alles zu merken, insbesondere welcher Schritt beim Sichern, Entsichern und Einsammeln der Karabiner nacheinander folgt. Ist ja nicht so banal, diese ganze Sache mit der Sicherheit. Und zwar für beide Seiten. Denn wie Ivanir, der schon seit über 20 Jahren klettert, so schön sagt: "Der Berg sagt dir leider vorher nicht, wenn ein Stein locker ist." Recht hat er. Aufgrund der Aufregung kann ich mir nicht alles merken. Aber was soll's, dann frage ich eben nach, wenn ich am Berg hänge und nicht weiter weiß. Es geht also los. Es sind drei Pitches, also Abschnitte, von insgesamt etwa 100 Meter Höhe. Er klettert vor und befestigt dabei die Sicherungen. Dann bin ich dran. Ich bin unruhig, versuche mir aber selbst gut zu zureden. Ich nehme mir Zeit, um den richtigen Griff zu finden. Mache kurze Pausen, wenn die Kraft etwas nachlässt. Ivanir gibt mir Tipps und motiviert mich - er ist wirklich ein hervorragender Lehrer und Kletterbuddy. Schwitzend und ächzend komme ich beim ersten Pitch an. Dann werde ich gesichert und kann endlich etwas entspannen. Und dann schaue ich zum ersten Mal richtig nach unten. Und ich danke Gott dafür, dass ich keine Höhenangst habe. Um ehrlich zu sein, bin ich selbst überrascht, wie gelassen ich mit der Höhe umgehe. Der Ausblick ist einzigartig. Ich habe Gänsehaut, bei fast 32 Grad. Der zweite Pitch gelingt mit dann etwas besser als der erste, da ich weniger Angst habe. Es macht so wahnsinnig viel Spaß! Beim dritten Pitch lächle ich sogar. Erschöpft und glücklich komme ich oben an. Wir genießen die Aussicht und machen noch ein Finisher-Foto von mir. Dann packen wir zusammen, wechseln die Schuhe und wandern den Morro da Urco hinab. Unten angekommen, schaue ich nochmal nach oben. Das habe ich also geschafft. Ich muss sagen, ich bin ein bißchen stolz auf meinen Willen und meinen Mut, die mich zusammen so weit gebracht haben. Manchmal darf man eben nicht solange darüber nachdenken, sondern muss es eben einfach machen.
Beim Weg zurück ins Appartement wird es mir dann bewusst: der Funke ist übergesprungen. Ich bin begeistert vom Klettern! Das muss ich unbedingt wieder machen. Was für ein großartiges Abenteuer!