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Pantanal

Das südamerikanischen Pantanal ist eines der größten Binnen-Feuchtgebiet der Erde und umfasst circa 230.000 qkm. Seit fast 20 Jahren zählt dieses artenreiche Naturbiotop zum UNESCO-Welterbe. Rund 80% der Fläche befinden sich auf brasilianischem Grund, etwa 14% davon in Bolivien und nur rund 6% davon in Paraguay. Das Pantanal ist durchzogen von Flüssen und damit sehr flach - ideal um Tiere zu beobachten. Während der Regenzeit von November bis März werden weite Teile der Tiefebene überschwemmt. Dann stehen rund zwei Drittel des Gebietes metertief unter Wasser, Straßen sind nicht mehr passierbar und die Fortbewegung ist teilweise nur mit dem Boot möglich. Durch die jährliche, monatelange Überschwemmung entsteht ein komplexes System aus Savannen, riesigen überschwemmten Wasserflächen, Wäldern sowie ein Mosaik aus Flüssen, Seen und Lagunen. Dieses einzigartige Biosystem beherbergt heute mehr als 650 Vogelarten, mehr als 100 Säugetiere - darunter Jaguare, Ozelots und Wasserschweine - sowie unzählige Fisch-, Insekten-, und Pflanzenarten.


Nach einem recht anstrengenden Reisetag komme ich nachts in Campo Grande an. Von hier startet meine dreitägige Tour ins Pantanal. Anthony, ein Belgier, den ich in Paraty kennengelernt habe, macht diese Tour ebenfalls und hat mit dem Anbieter Gil Pantanal Discovery alles organisiert. Um 8.45 Uhr werde ich vom Hostel abgeholt. Nach einem kurzen Stopp für die Bezahlung der Tour und das Treffen der anderen Teilnehmer geht es los mit einem Transfer ins Pantanal. Die Strecke ist ziemlich einsam. Bis auf eine Raststätte, an der wir unsere Mittagspause verbringen, passieren wir keine größere Siedlung. Die grüne Natur rauscht geradezu an meinem Fenster vorbei. Auf der asphaltierten Straße liegen immer wieder tote Tiere, die beim Überqueren der Straße angefahren wurden. Darunter auch ein kleines Jaguarbaby, dessen Blut noch feucht ist. Es ist ganz steif. Wären wir nicht mitten in der Wildnis würde ich denken, es sei ein Stofftier. Traurig, dass man diese Tiere in der freien Natur fast nicht zu Gesicht bekommt und man diese dann so elend am Straßenrand sieht. Nach etwa dreieinhalb Stunden Fahrt verlassen wir die Straße und fahren noch weitere eineinhalb Stunden auf einer geschotterten Straße entlang. Eine asphaltierte Straße zu bauen, lohnt sich hier nicht, da das Pantanal mehrere Monate im Jahr unter Wasser steht. Unter einer Brücke entdecken wir viele junge Kaimane, die entspannt im Wasser liegen und auf Nahrung warten. Nach insgesamt etwa sechs Stunden Fahrt kommen wir endlich an einem Bootsanleger an, bei welchem uns unser Guide Alex begrüßt. Nun heißt es: in den Bikini, Schwimmweste an und ab aufs Boot. Es ist später Nachmittag und draußen hat es etwa 38 Grad. Das Pantanal vom Boot aus zu entdecken ist ein sehr gelungener Auftakt. Wir schippern auf dem Fluss Miranda die Strömung aufwärts, genießen die Umgebung und sehen viele Capybaras (das größte Nagetier der Welt - kaum zu glauben, dass diese mit dem Meerschweinchen verwandt sind), verschiedene Vogelarten, Tukane und einige Affen. An einer Stelle mit etwas weniger Strömung gehen wir schwimmen. Dass es hier Kaimane und Piranhas gibt, versuche ich zu vergessen. Das Wasser ist nicht gerade erfrischend, aber die leichte Abkühlung tut gut. Danach lassen wir uns mit dem Boot die Strömung abwärts treiben, genießen die Ruhe um uns herum und den Sonnenuntergang. Beachtlich finde ich, dass hier gar nicht so viele Moskitos unterwegs sind wie ich angenommen hatte. Das liegt daran, dass der Regen dieses Jahr etwas auf sich warten lässt und noch relativ wenig Wasser im Gebiet ist. Dann heißt es noch mal 40 Minuten Fahren im Truck, um in der Pousada São João einzuchecken. Hier gibt es erst mal ein sehr leckeres Abendessen mit einem kalten Bier sowie eine Dusche. Es ist stockfinster und so heißt es nach einem langen Tag: abhängen! Wir übernachten alle in einem großen überdachtem und mehr oder weniger Moskito geschütztem Raum in großen Hängematten. Eine kleine Fledermaus schwirrt in dem Raum umher - angesichts der zahlreichen Insekten, die das Licht suchen, finde ich ihre Anwesenheit gar nicht so schlecht. Ich habe noch nie in einer Hängematte übernachtet und freue mich auf diese neue Erfahrung. Nach etwa zwei Stunden finde auch ich die richtige Position und schlafe endlich ein.


Der nächste Morgen startet um 8.00 Uhr mit einer Fahrt Richtung Corumbá. Auf dem Weg versuchen wir aus dem Truck heraus Tiere zu entdecken. Wir sehen vor allem Vögel, Papageien und viele Kaimane. Nach etwa einer Stunde halten wir an einer Stelle an und klettern durch den Zaun, um zu einem kleinen See zu gelangen. Für die anderen heißt es jetzt: Piranhas angeln. Ich verzichte hierbei, denn ich kann das nicht mit meiner vegetarischen Einstellung nicht vereinbaren. Also stehe ich am Uferrand und beobachte die anderen dabei, wie sie hüfttief im Wasser stehen und versuchen mit einer, aus Bambus gebauten Angel, Piranhas und andere Fische zu angeln. Den Frauen gelingt das übrigens deutlich besser als den Männern. Nach etwa zwei Stunden kommen etwa sechs kleine Piranhas und drei weitere Fische zusammen. Zurück in der Pousada gibt es diese zum Mittagessen. Fangfrischer kann es quasi nicht sein. Am späten Nachmittag heißt es dann: Ausreiten! Die Pousada hat fast 50 Pferde auf der Koppel stehen und ausreichend Platz damit es den Tieren gut geht. Zwei Stunden reiten wir gemächlich durch Sümpfe, über Weiden und durch Wälder. Es macht Spaß und ist auch ein wenig lustig, da wir alle blaue Bauhelme statt Reithelme tragen müssen und das wirklich witzig aussieht. 

Nach dem Abendessen treffen wir uns dann zur Nachtwanderung. Wir sehen viele blinkenden Kaiman-Augen, hören Frösche quaken und sehen Spinnen, die unsere Wege kreuzen. Besonders schön sind die weißen Seerosenblüten auf dem Wasser, die nur nachts blühen. Endlich kommt nun auch meine Stirnlampe zum Einsatz. Oft mache ich diese jedoch nicht an, da nur wenige Sekunden Licht ausreichen, um sich zum Insektenmagneten zu verwandeln. 


Am nächsten Morgen heißt es dann um 6.00 aufstehen. Beim morgendlichen Spaziergang waten wir barfuß durch die Schlammlöcher, die die reinste Brutstätten von Moskitos sind. Trotz einer großzügigen Portion Antimückenspray sind meine Beine danach ziemlich schlimm verstochen. Leider sollen die Stiche sich in den kommenden Tagen auch noch etwas entzünden und zu dicken, roten Quaddeln anschwellen. Was man nicht alles tut, um Natur pur zu erleben. Den restlichen Tag verbringen wir schlafend, lesend und schreibend in den Hängematten und warten auf den Pickup und Transport nach Bonito am Nachmittag. 

Für mich war der Bootsausflug das Highlight dieser dreitägigen Tour. Darüberhinaus fand ich es besonders interessant mitzuerleben, wie hart und einsam das Leben hier im Pantanal ist. Aber auch, wie sehr die Natur das Leben der Menschen hier beeinflusst. Ein Besuch des Pantanals ist definitiv empfehlenswert!


Gil Pantanal Discovery
Dieser Anbieter bietet seit Jahren gute Budgettouren ins Pantanal an. Ich habe hier drei Tage Pantanal gebucht, man kann aber individuell auch längere anzeigt vereinbaren. Auch Individuelle Transporte werden organisiert und man kann sich wahlweise in Campo Grande oder Bonito absetzen lassen. Insgesamt kostet die dreitägige Abenteuertour rund 1000 Real (Transport, Unterkunft in Hängematte, sechs Mahlzeiten und alle beschriebenen Aktivitäten). Hauptsaison ist Juli/August, da in der Trockenzeit viele Tiere - wie der seltene Jaguar - an den weniger werdenden Wasserstellen zu beobachten sind. Trotz Nebensaison hat mir die Tour sehr gut gefallen, auch wenn ich sie etwas überteuert fand.


Pousada São João
Es gibt gutes Essen, schwaches WLAN, saubere sanitäre Einrichtungen und Abgeschiedenheit.
pousadasj.com.br