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Warten

Der Grenzübertritt am nächsten Tag funktioniert dann doch viel einfacher als erwartet. Ich nehme morgens den Fronteira Bus vom lokalen Busbahnhof in der Innenstadt (3.50 Real, etwa 20 Minuten Fahrt), um etwa 15 Minuten auf das Ausstempeln durch den brasilianischen Grenzbeamten zu warten. Dann läuft man ein paar Meter, kreuzt eine Brücke und geht in ein kleines, klimatisiertes bolivianisches Büro. Oder besser eine Zeitmaschine, denn hier ist es eine Stunde frühe als in Corumbá auf der brasilianischen Seite. Es wird kurz ein Foto gemacht und schwups ist mein Pass um einen Stempel reicher. Direkt beim Rausgehen kann man dann an einem der vielen Kioske inoffiziell die restlichen Real in Bolivianos umtauschen. Hier ist man nicht knauserig, es werden auch Münzen genommen. Dann werde ich auch schon von einem Taxifahrer angequatscht, der mich zum Busterminal von Puerto Quijarro bringen kann. Da ich nicht bereit bin 20 Bolivianos zu zahlen (die Frau im Grenzbüro sagten, es wären nur 10 Bolivianos), warten wir noch auf eine zweite Person. Ich habe Zeit, denn mein Bus fährt erst um 18.00 Uhr. Und es ist noch nicht mal 11.00 Uhr. Mit so wenig Komplikationen hatte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Nun stehe ich also mit den Taxifahrern an der Grenze und warte. Ich werde etwas neugierig beäugt, einer fragt mich sogar, ob meine Haarfarbe echt sei. Ich werde gefragt woher ich komme und als ich "aus Deutschland" antworte, grinst der Taxifahrer und sagt: "Für eine Deutsche bist du aber ganz schön klein." Ich nicke und grinse zurück. Recht hat er. Nach etwa 20 Minuten hat mein Taxifahrer genug vom warten. Wir fahren los. Unterwegs nehmen wir noch einen jungen Typen mit, Brasilianer wie sich später herausstellt. Er will auch nach Santa Cruz, möchte aber den Bus um 11.30 erwischen. Ich nicke und erzähle, dass mein Bus erst um 18.00 fährt und dass ich das Ticket online schon gekauft habe. Er fragt mich warum und ich erzähle kurz die Sache mit der Verfügbarkeit der Tickets im Netz. Da ich nur einen großen Schein beim Aussteigen habe, zahlt kurzerhand mein Mitfahrer das Taxi. Sehr zuvorkommend! Beim Betreten des Busterminals wird mir dann auch klar, warum er gefragt hat. Es gibt viele verschiedene Busgesellschaften, die fast alle nach Santa Cruz fahren. So kann man quasi fast stündlich mit einem Bus dorthin kommen. Online sind die wenigstens Buslinien gelistet, so konnte ich sie auch nicht finden. Der Brasilianer ist sogar so nett und klärt für mich, ob ich mein Ticket umtauschen kann, sodass ich nicht 7 Stunden am Busbahnhof warten muss. Das geht leider nicht. Stattdessen hätte ich das Ticket ausdrucken müssen. Ich frage mich, wofür ein online Ticket einen QR Code hat, wenn man es dennoch ausdrucken muss. Ich bin etwas ratlos, denn ich habe leider keinen Drucker im Gepäck und der Busbahnhof hat auch keinen Copyshop. Kurzerhand hilft mir der nette Herr des Busunternehmens und ich kann über seinen PC in mein Emailpostfach und das Ticket ausdrucken. Daraufhin heftet er es ab und druckt mir ein anderes Ticket aus. Aha, denke ich mir. Muss man nicht verstehen. Es ist nun 11.40 Uhr und mir bleibt nichts anderes übrig als zu warten. In Geduld wird man hier ja echt trainiert. Also verbringe ich die Zeit damit Musik zu hören, den Reiseführer zu studieren, Leute zu beobachten und in die Luft zu starren. Mehr kann man an diesem Busbahnhof wirklich nicht tun.
Dann gegen 17.30 geht es endlich los mit dem Verladen des Gepäcks. Kurze Zeit später sitze ich im oberen Stockwerk eines Busses. Die sind hier schon etwas schmuddeliger und weniger gut in Schuss als in den Ländern, die ich zuvor bereist habe. Aber das habe ich erwartet. Eine junge bolivianische Studentin, Carla, setzt sich neben mich. Wir unterhalten uns und sie richtet mir prompt einen Hotspot ein, sodass ich Internet nutzen kann. Nicht nur das, sie teilt auch ihre Kekse mit mir und ihre getigerte Fleecedecke. Ich bin total überrascht von so viel Freundlichkeit. Und es kommt noch besser: als wir nachts um 3 Uhr in Santa Cruz am Busterminal ankommen, bietet sie mir an, dass ihr Freund, der sie abholt, mich zum Hostel bringen kann. Ich bin total perplex und sage sofort ja. Nach 15 Minuten Fahrt setzen die beiden mich ab und geben mir noch ihre Kontaktdaten. Für alle Fälle. Ich bedanke mich sehr und falle gegen 4 müde ins Hostelbett. Was für nette Menschen ich in den ersten 18 Stunden Bolivien kennengelernt habe. Wunderbar.