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Samaipata & El Fuerte

Von Santa Cruz nach Samaipata fährt man etwa drei Stunden. In meinem Reiseführer steht, dass man die Strecke für 30 Bolivianos mit dem trufi fahren kann. Die Haltestelle dafür befindet sich in der Nähe des alten Terminals (Ex-Terminal), das ich mit dem öffentlichen Bus erreiche. Dann frage ich mich durch bis ich in ein unscheinbares Büro stolpere, in welchem schon drei Leute warten. Ich melde mich an und werde auf die Bank gebeten. Denn losgefahren wird erst, wenn die Karre voll ist. Karre, genau. Ich war mir nämlich gar nicht sicher, was genau mich bei einem Trufi erwartet. Im Prinzip ist es ein großer Kombi mit Gepäckträger auf dem Dach. Transportiert wird so ziemlich alles. Matrazen, Gemüse, Paketlieferungen und auch Menschen. Ich warte etwa eineinhalb Stunden bis die Fahrt dann endlich los geht. Mein Gepäck wird mangels Platz im Kombi kurzerhand aufs Dach geschnallt. Ich ziehe noch schnell den Regenschutz über den Rucksack und hoffe, dass dieser bei Ankunft in Samaipata noch immer dort ist. Es wird schon gut gehen. Willy, der Fahrer, macht das ja nicht zum ersten Mal. Ich teile die Rückbank mit zwei Damen aus Cochabamba, vor mir sitzt eine junge Deutsche sowie zwei weitere Mitfahrer. Es ist eng. Aber für 30 Bolivianos (umgerechnet 3,80€) möchte ich mich nicht beschweren. Unterwegs weiß ich dann auch, warum man für die 120km drei Stunden braucht. Die Straße ist in schlechtem Zustand und man kann teilweise nicht mehr als 30kmh fahren. Eile sollte man also nicht haben. Am Abend komme ich dann in Samaipata an und werde netterweise direkt vor meinem Hostel abgesetzt. Schon beim Reinkommen fühle ich mich wohl. Es ist gemütlich und riecht gut, es läuft gediegene Musik und ich werde freundlich empfangen. Nach einem kurzen Checkin gehe ich noch schnell was essen, denn hier im Dorf schließen die Küchen der meisten Restaurants gegen 21.00 Uhr. Danach richte ich mich ein und lege nur noch die Füße hoch.
Am nächsten Morgen wartet dann ein wirklich gutes Frühstück auf mich mit hausgemachtem Brot, selbst gemachter Marmelade und einem großen frischen Obstteller. Ich entscheide mich kurzerhand noch eine Nacht dranzuhängen. "Go with the Flow" - bleibe dort, wo es dir gut geht und wo es dir gefällt. Und dies ist so ein Ort. Samaipata bedeutet in der Sprache der Quechua "Ruhe in der Höhe" - wenn das kein Zeichen ist. Trotz wechselhaftem Wetter fühle ich mich hier in den Bergen auf 1.600m, in diesem kleinen beschaulichen Dorf mit 4.000 Einwohnern, mitten in der Natur unglaublich wohl.


El Fuerte
Mein Zimmergenosse Niklas aus Frankfurt, Ricarda aus dem Trufi und ich tun uns zusammen und unternehmen eine Wanderung zum 9km entfernten El Fuerte. Dies ist eine Ruinenstätte der Inkas, die auf 1.950km Höhe in den Ausläufern der östlichen Anden liegt. Seit 1998 gehört sie zum Unesco Weltkulturerbe. Der Weg von Samaipata zu El Fuerte führt erst an der Hauptstraße entlang, was nicht besonders schön ist. Nach etwas 20 Minuten kann man eine Abzweigung nach rechts nehmen und wandert dann etwas durchs Gelände. Später stößt man dann wieder auf eine asphaltierte Straße, die jedoch kaum befahren ist. Der Weg ist recht schön, man hat immer wieder tolle Ausblicke auf die Bege. Nach etwa zweieinhalb Stunden kommen wir bei der Anlage an. Mit rund 50 Bolivianos ist der Eintritt kein Schnäppchen. Aber das Ticket gilt auch für das archäologische Museum in Samaipata. Die Anlage ist überraschend groß. Hauptattraktion ist der etwa 200 Meter lange und 40 Meter breite Sandsteinfelsen, in welchem zahllose Linien, Kanäle, Stufen, Figuren und Tierdarstellungen eingemeißelt sind. Leider setzt die Witterung dem Stein ziemlich zu, sodass vieles nicht zu erkennen, sondern nur zu erahnen ist. Der genaue Zweck der Anlage ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Zunächst diente sie vermutlich als Zeremoniestätte der Inkas, die in den Ausbuchtungen Mumien und Opfergaben platzierten. Die spanischen Entdecker machten es daraufhin zu einer Festungsanlage, daher auch der Name El Fuerte. Aufgrund der Kanäle gibt es Vermutungen, dass die Anlage zum Waschen von Gold verwendet wurde. Meine Lieblingsinterpretation jedoch ist die, dass es eine Start- und Landebahn eine urzeitlichen Spaceshuttles ist. Deswegen auch die außergewöhnliche Magie an diesem Ort! Neben dem Steinfelsen gibt es noch ein Plateau mit den Überresten einer Siedlungen zu besichtigen und eine Art Brunnen, der als Gefängnis oder Lagerraum verwendet wurde. Ein Rundweg führt durch die komplette Anlage und man sollte sich insgesamt etwa eineinhalb Stunden Zeit für die Besichtigung nehmen. Ich persönlich finde die Anlage und insbesondere den Stein einen Besuch wert, wenn auch die Eintrittsgebühr etwas zu hoch finde. Beim Rückweg laufen wir dann erneut wieder die asphaltierte Straße zurück nach Samaipata. Hier lohnt sich der Blick nach oben, denn etwa 15 Minuten nachdem man von El Fuerte startet, erhebt sich im Berg ein Gesicht. Man kann nicht sicher sein, ob es sich hier um natürliches Phänomen handelt oder ob eine Menschenhand hier nachgeholfen hat. Beeindruckend ist es dennoch!
Am späten Nachmittag kommen wir nach rund 20km Wanderung und häufigem An- und wieder Ausziehen der Regenjacke im Dorf an. Wir kaufen auf dem Markt Nudeln und Gemüse und kochen entspannt im Hostel. Ein toller Tag geht zu Ende.


Hostel Andoriña
Eines der besten Hostels auf meiner bisherigen Reise. Gemütlicher Innenhof, leckeres und gesundes Frühstück, kostenloses Trinkwasser, tolle Atmosphäre und super Personal. 
Calle Campero in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz.

www.andorinasamaipata.com


La Cocina
Kleiner, sehr netter Imbiss mit günstigen selbst gemachten Pommes und Veggie Burgern mit Falafel und arabischem Brot.
Calle Sucre ganz in der Nähe vom Marktplatz


Tierra libre
Sehr nettes Restaurant mit bunt gemischter Küche und schönem Innenhof. Es gibt auch vegetarische und vegane Gerichte.
Calle Sucre 70


La Bohème
Direkt am Marktplatz liegt diese Bar, die neben guten Getränken auch Essen anbietet. Unbedingt den Cocktail Chuflay probieren - ein Mix aus dem Nationalgetränk Singani, Ginger Ale und Limetten.