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Samaipata - Nationalpark Amboró

Der Nationalpark Amboró liegt im Herzen von Bolivien. Der etwa 430.000 ha große Park ist insbesondere aufgrund seiner einzigartigen geographischen Lage interessant: eingeklemmt zwischen den Anden und dem Cahco-Gebirge und unter Einfluss des Amazonasbecken konnte ein sehr individuelles Ökosystem entstehen. In dieser Region gibt es keine wirklichen Jahreszeiten wie wir sie kennen. Es gibt lediglich Sommer und Regenzeit. Die Temperaturen liegen das ganze Jahr über zwischen 15 und 27 Grad und es herrscht eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit. 
Den Parkbereich der Andenausläufer kann man gut von Samaipata aus erreichen. Es gibt keine Infrastruktur mit öffentlichen Verkehrsmitteln, um zum Park zu gelangen und auch keine gekennzeichneten Wege. Aus diesem Grund muss man einen Guide in Samaipata buchen, der neben Transport auch die Führung  Wanderung übernimmt.  Nachdem wir ein paar Agenturen in Samaipata abgeklappert haben, entscheiden wir uns schließlich für Kaleidoskop Tour, da sie auf Tripadvisor sehr gute Bewertungen haben. Für eine Gruppe von drei Personen wird pro Nase 203 Bolivianos verlangt - kein Schnäppchen, aber immerhin werden uns fünf Stunden Wanderung versprochen und als kleines Schmankerl haben wir dazu noch einen deutschsprachigen Guide.

Am nächsten Morgen geht es dann auch schon um 9.00 Uhr los. Wir fahren zunächst eine halbe Stunde eine unbefestigte Straße bergauf Richtung Park. Schon auf dem Weg dorthin erzählt unser Guide Javier uns vieles zum Park und zu Samaipata. Nachdem er an einem kleinen Häuschen die Eintrittsgebühr entrichtet und das Auto geparkt hat, geht es auch schon los. Javier macht aus der Wanderung in diesem subtropischen Regenwald einen kleinen, sehr interessanten Biologie-Unterricht und wir lernen viel über Pilze, Flechten, Blumen und Bäume. Leider ist gerade Regenzeit und folglich fängt es immer wieder an zu regnen. In diesem Dickicht merkt man davon glücklicherweise nicht viel, dafür spürt man die Feuchtigkeit in der Klamotten, in den Knochen und nicht zuletzt unter den Füßen: es ist matschig, schlammig und rutschig. Je höher wir wandern, desto feuchter und nasser wird die Erde unter den Schuhen. Wir haben Glück mit unserem Guide Javier, denn er unternimmt mit uns eine lange Wanderroute, die aufgrund der Feuchtigkeit nicht immer einfach zu bezwingen ist. Der Weg an sich ist nicht schwer, aber man muss höllisch aufpassen, wo man hintritt, um nicht auszurutschen. Die Wege sind nicht immer einfach zu finden und sich in diesem Dickicht zurecht zu finden, ist nahezu unmöglich. Nun verstehe ich, dass man hier ausschließlich mit Guide wandern soll. Es ist ein echtes Abenteuer! Insbesondere die Riesenfarne sind beeindruckend. Ein Farn dieser Gattung wächst pro Jahr nur etwa einen Zentimeter. Und diese hier bis zu 20 m hoch - das heißt sie sind über 200 Jahre alt. Auch wenn ich kein besonders großer Fan von Farnen bin, ist das schon ziemlich beeindruckend. Wir passieren einen kleinen Wasserfall und einen Canyon von Farnen. Oben angelangt, machen wir mit Blick auf den vernebelten Cerro La Mina eine Pause. Wir sehen nichts und es ist windig und frisch. Aber das macht nichts. Nach kurzer Rast treten wir den Rückweg an. Ich bin total begeistert von dieser Tour, denn ich habe wahnsinnig viel gelernt und bin froh, dieses fast unberührte Stück Regenwald erlebt zu haben.