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Sucre & das verrückte Farbenfestival

Von Samaipata aus habe ich den Nachtbus nach Sucre genommen. Tickets dafür bekommt man in Samaipata in einem Restaurant. Genau. Etwas merkwürdig, aber hier geht irgendwie alles. Im "Nueva Turista" an der Hauptstraße kann man am Vormittag des Reisetags für rund 100 Bolivianos ein Busticket erwerben. Es lohnt sich Bescheid zu sagen, dass man in der Mitte sitzen möchte, da die Straße nach Sucre sehr holprig ist und man im hinteren Teil des Busses die Unebenheiten noch stärker spürt. Abends wartet man dann geduldig bis der Bus vor dem Restaurant hält und man einsteigen darf. Etwas schmuddelig sind die Busse hier in Bolivien und häufig funktioniert die Toilette an Board nicht. Ich konnte ziemlich gut schlafen, vermutlich weil ich mittlerweile super für lange Busfahrten ausgerüstet bin und mich daran gewöhnt habe. Nach 10 Stunden Fahrt komme ich dann morgens etwas zerknittert in Sucre an und springe in ein Taxi, das mich für 5 Bolivianos zu meinem Gastgeber Daniel bringt. Dort angekommen beziehe ich mein Zimmer und lege mich erst einmal etwas hin. Gegen späten Vormittag ziehe ich mich dann um und mache mich mit Daniel auf zu einem Festival - dem Holi Farbenfestival in Sucre. Es nieselt immer wieder und warm ist es auch nicht gerade. Aber die Tickets für 130 Bolivianos sind gekauft und ich bin neugierig, was mich dort erwartet. Ich mag Festivals. Und ich habe schon häufig von dem Holi gehört. Also nichts wie hin. Ich finde relativ schnell heraus, dass die Zielgruppe für dieses Festival eher um die 20 liegt und die Mädels mit blitzweißen  Sneakern und kurzen Tops zwar dem Anlass, aber wohl nicht dem Wetter angemessen gekleidet sind. Ich dagegen bin ungeschminkt, trage graue Leggings, Wanderschuhe und ein altes senfgelbes Shirt, das mir Daniel geliehen hat. Aber mir ist das sowas von egal - ich möchte hier niemanden beeindrucken, sondern einfach ein bißchen Spaß haben. Bevor wir auf das Gelände gehen, essen wir noch selbst geschmierte Sandwhiches und trinken eine kleine Flasche Rum zusammen. Dann schmeißen wir uns ausgestattet mit farbigem Pulver in die Menge. Noch ist nicht viel los, aber der Regen hat schon jetzt die Erde zu einem Schlammfeld verwandelt. Wir beschmeißen uns und die anderen mit Farbe und weil es regnet, verflüssigt sich das farbige Pulver und mischt sich mit den anderen Farben. Nach ein paar Stunden ist es eine einzige braune Soße, die an uns herunterläuft. Mit meinen Schuhen stehe ich knöcheltief im Matsch. Beim Tanzen spritzt dieser bis zur Kniekehle hinauf. Die Musik ist ausgesprochen gut und ich tanze etwa fünf Stunden nonstop - auch damit mir nicht kalt wird. Ab und an Ernte ich neugierige Blicke und ab und an werde ich angesprochen, vor allem von Frauen, die mich fragen, woher ich komme und die dann mit mir tanzen. Gegen frühen Abend habe ich dann genug und wir treten von oben bis unten verschmutzt den Heimweg an. Ich habe leider fast keine Fotos, da ich mein Handy nicht mitgenommen habe - das Risiko war mir dann doch zu groß. Den Rest des Abends verbringe ich unter der Dusche und damit, meine Kleidung und Schuhe zu waschen. Was für eine Erfahrung! Eine davon reicht für dieses Leben.


(Colour Splash ist von 123rf.com)