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Uyuni & die Reise in die Unendlichkeit

Im Südwesten Boliviens liegt die größte Salzwüste der Welt. Mit knapp 12.000 Quadratkilometern erstreckt sie sich auf 3.650 m in der Hochebene der Anden, auch Altiplano genannt. Die Salzkruste wurde vor über 10.000 Jahren durch das Austrocknen von sieben Seen gebildet. Nach Information unseres Guides José ist sie bis zu 11 Meter dick, auf Wikipedia steht jedoch, dass sie bis zu 72 m tief reichen soll. Jedenfalls ist genug davon da, um Salz im großen Stil abzubauen. Wo so viel Salz ist, da sind Lebewesen eher selten. Die Salzwüste ist ein ziemlich lebensunwürdiger Ort und so gut wie frei von jeglicher Art von organischem Leben bis auf einige nur in Südamerika vorkommender Flamingoarten. Ein besonders interessantes aktuelles Thema sind die immensen natürlichen Speicher von Lithium unterhalb dieser Salzkruste. Die bolivianische Regierung hat verschiedene Forscherteams daran gesetzt herauszufinden, wie dieses wertvolle Leichtmetall abgebaut werden kann. 


Ausgangspunkt vieler Touren ist die Stadt Uyuni. Die Stadt auf 3.600m Höhe hat an sich ziemlich wenig zu bieten. Viele Reisende bleiben nur eine Nacht, um ihre Tour in die Wüste zu starten. Besonders empfehlenswert in Uyuni sind die Pizzen bei Minuteman (im Hotel Toñito). Dort habe ich auch ein Quinoa Bier probiert. Lecker! Salar de Uyuni im Alleingang zu besuchen ist möglich, sofern man sich ein eigenes Auto mietet. Neben der Salar hat die Umgebung aber noch viel mehr zu bieten. Man kann in der kargen Landschaft leicht die Orientierung verlieren, Handynetz ist selten und die unbefestigten Wege sind insbesondere bei Regen ein Risiko mit dem Auto stecken zu bleiben. Daher würde ich jedem empfehlen eine mehrtägige Tour zu buchen. Für 850 Bolivianos habe ich mit Salty Desert Aventours eine dreitägige Exkursion gebucht, zwei Übernachtungen und Vollverpflegung inklusive.


Wir haben Glück, denn das Wetter meint es gut mit uns. Die Sonne scheint und es sind an die 20 Grad. Die Tage vorher hat es viel geregnet, sodass das Wasser auf den Straßen steht. Nachdem wir unsere Tour morgens mit dem Besuch des Eisenbahnfriedhofs gestartet haben, geht es direkt weiter zu einem kleinen Dorf namens Colchani. Die Menschen hier leben vom Anbau von Quinoa, dem Kunsthandwerk, dem Tourismus und der Zucht von Llamas. Dann geht es weiter zur riesigen Salzpfanne, der Salar de Uyuni. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich die Salzwüste in der Regenzeit besuche. Denn das Wasser bildet eine Schicht von mehreren Zentimetern auf der Salzkruste. Dadurch entsteht ein wahnsinniger Spiegeleffekt: der blaue Himmel ist zugleich oben und unten. Wolken ziehen über den Boden. Der Horizont verschwindet. Der Blick verliert sich in der Unendlichkeit. Noch nie habe ich solch einen Ort vorher besucht. Es ist magisch. Außergewöhnlich. Alleine für diesen Anblick hat sich die Reise schon gelohnt. Ich stelle mir vor, dass es so im Himmel sein muss. Auf Wolken laufen und endlose Weite. 
Mittagspause machen wir in einem Speisesaal auf einer kleinen Insel mitten in der Salzwüste. Danach haben wir den halben Nachmittag Zeit, um Fotos zu machen. Unser Guide scheut keine Mühen und so entstehen mit ein wenig Equipment    wie Stühlen und Kunststoffdinosaurier tolle Fotos. Wir haben genug Zeit dieses Naturphänomen zu genießen. Am späten Nachmittag setzen wir die Reise dann fort nach San Juan. Nach rund zweieinhalb Stunden ruckeliger Fahrt, passiert es dann: wir bleiben in einem Wasserloch stecken. Wir versuchen das Auto anzuschieben, aber der Hinterreifen steckt einen halben Meter tief fest. Und wir haben keinen Allradantrieb. Frierend und mit Badelatschen an den Füßen stehen wir draußen in der windigen, dunklen Einöde und sehen José zu, wie er versucht mit einem kleinen Wagenheber, Steine unter den Reifen zu schieben. Vergeblich. Glücklicherweise hat er mit seinem Handy Empfang, sodass nach etwa einer Stunde Rettung naht. Danach fahren wir noch etwa eine halbe Stunde weiter nach San Juan, wo uns eine Übernachtung in einem sehr einfachen Salzhotel und Abendessen erwartet. Die Wände des Hotels sind aus dicken Salzsteinen gebaut und der Boden besteht aus groben Salzkörnern. Bei jedem Schritt knirscht es unter den Füßen. Es war ein anstrengender Tag, also gehen wir früh schlafen.


Am nächsten Tag starten wir bei leichtem Regen zur Salar de Chiguana, nahe er Grenze zu Chile. Wir fahren vorbei ein Quinoa Feldern und Llamaherden, die bunte Farben in Ihr Fell geknotet haben. Das wird gemacht, um die Tiere besser den Besitzern zuordnen zu können. Die Salar de Chiguana liegt auf 3.650m und hat nur eine dünne Salzschicht. Sie liegt am Fuße des Vulkans Ollagüe, der sich auf bis zu 5.800m erhebt. Danach setzen wir die Fahrt fort zur Laguna T'urquiri und zur Laguna Kara, wo wir drei Flamingoarten beobachten können. Leider sind die Tiere sehr scheu, sodass man gute Aufnahmen nur mit einem sehr guten Objektiv machen kann. Also genieße ich den Anblick dieser interessanten Tiere. Weiter geht es zum Arbol de Piedra, eine kuriose Steinformation mitten in der Einöde. Erosion und Wind haben über Jahrhunderte diese Form hervor gebracht. Leider wird das Wetter immer schlechter. Es ist windig und es regnet, ich bin müde und spüre eine Erkältung nahen, beiße mich aber weiter durch. Unser letztes Ziel für den Tag ist die Laguna Colorada, die zu einer anderen Jahreszeit vermutlich wirklich farbig ist. Mineralien und Algen sind der Grund für die Farbigkeit. Tausende Flamingos stehen im Wasser und suchen nach Mikroorganismen zum Fressen. Nach einem kurzen Aufenthalt aufgrund des miesen Wetters, steuern wir unsere sehr einfache Herberge für die Nacht an.


Tag 3 der Tour beginnt um 4.00 Uhr morgens. Es geht früh los zu den Geysiren Geotermas Sol de Mañana, um dieses Spektakel bei Sonnenaufgang zu sehen. Es ist ziemlich kalt, es hat nur 6 Grad und teilweise liegt sogar Schnee. Anders als in Chile sind die Sicherheitsvorkehrungen hier in Bolivien nicht so hoch, sodass man gefährlich nah an die blubbernden Löcher heran kann. Die Atmosphäre ist einfach einzigartig, da wir mit die ersten sind, die bei den Geysiren ankommen. Ich könnte stundenlang der dampfenenden, spuckenden Masse zusehen, während die Sonne langsam aufgeht. Aber wir wollen weiter zu den heißen Thermen. Eintritt 6 Bolivianos, wenig Schnickschnack, dafür sehr authentisch. Bei der Kälte genau das Richtige! Bei 38 Grad Wassertemperatur mit Blick auf die Flamingos, die unweit vom Becken im Wasser stehen, genieße ich den Moment. Auch wenn ich ihn mit vielen anderen teilen muss. 40 Minuten sitze ich angezogen und aufgewärmt wieder im Auto und es geht weiter zur Laguna Chalviri in der Salar de Chalviri, eine Salzebene im Herzen des Nationalparks Eduardo Andean Fauna National Reserve (Eintritt 150 Bolivianos). Im Südwesten dieser Salzwüste befindet sich die Salvador Dalí Wüste auf rund 4.400m Höhe, die aufgrund ihrer surrealen Bergformationen zu ihrem Namen gekommen ist. Nach einem kurzen Abstecher zur toxischen Laguna Verde und Laguna Blanca, halten wir am Grenzübergang zu Chile. Hier heißt es umsteigen, denn ein Teil der Gruppe überquer die Grenze zu San Pedro de Atacama. Der anderer macht sich auf den etwa siebenstündigen Rückweg nach Uyuni. Mir war nicht klar, dass ich so ewig im Auto sitzen muss und das noch bei den miesen Straßenzuständen. Aber ich muss im Nachhinein sagen, dass ich die Fahrt sehr genossen habe. Denn wir haben in diesen sieben Stunden praktisch alle Jahreszeiten und Wetterzustände durchfahren: Sonne, blauer Himmel, Hagel, Regen, Sandsturm, Gewitter und Schnee. Und da der Weg ein anderer war, konnte man nochmal die endlose Weite und Einsamkeit genießen. Gegen Abend erreichen wir wieder Uyuni, von wo aus ich den Nachtbus nach Cochabamba nehme. Was für anstrengende, aber erlebnisreiche Tage das doch waren! Ich hatte die Tage jeweils etwas Kopfschmerzen wegen der Höhe, habe diese aber mit einer Schmerztablette in den Griff bekommen. 


Meinen Besuch der Salzwüste habe ich mit einer Erkältung und einem heftigen Sonnenbrand auf den Lippen bezahlen müssen. Noch Tage später hatte ich heftigen Herpes auf den Lippen und musste einen Gang zurück schalten. Aber es hat sich gelohnt!