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Cochabamba - 7 gute Gründe für einen Citytrip

Die viertgrößte Stadt Boliviens liegt im fruchtbaren, von Bergen umgebenen Cochabamba-Tal. Fast das ganze Jahr über herrscht hier ein geschütztes, sonniges und moderates Klima - sozusagen eine Stadt, in der immer Frühling ist! Das sind schon mal hervorragende Bedingungen für einen Citytrip. Beim Spaziergang durch die Stadt fällt auf, dass sie für bolivianische Verhältnisse sehr modern ist. Es gibt Barber Shops, Co-Working Spaces, Coffeshops und stylische Restaurants. Im Kontrast dazu steht der traditionelle Markt La Cancha und die indigene, traditionell gekleidete Bevölkerung. Wie immer, bin ich auch in Cochabamba viel zu Fuß unterwegs gewesen. Hier sind die Dinge, die ich in den vier entspannten Tagen meines Cochabamba-Besuchs gemacht habe.

01 Den Ausblick mit Christo de La Concordia genießen
Das Wahrzeichen von Cochabamba ist die Christusfigur auf dem Cerro de San Pedro im Osten der Stadt. Die Figur ist etwa 34m (mit Sockel über 40 m) hoch und damit mehr als 2 Meter höher als ihr berühmteres Vorbild in Rio de Janeiro. Man kann die etwa 1.400 Stufen zur Statue hinauf laufen oder mit der Seilbahn fahren. Wenn man Glück hat, ist die Christusstatue geöffnet und man kann diese emporklimmen. In meinem Fall war die Besuchszeit leider bereits vorbei. Ich habe den Blick von oben dennoch genossen.

02 Protz & Prunk schnuppern im Palacio Portales
Als armer Schlucker geboren, startete Simon Patiño als Bergbau-Lehrling und kam durch einen Zufall zu einer Mine. Diese stellt sich als Goldgrube heraus, da Patiño eine Zinnerz-Ader entdeckte. Mit etwas kaufmännischem Geschick baute er sein Geschäft in einigen Jahren zu einem Zinn-Imperium aus. In den 1920ern galt der bolivianische Zinn-Baron als einer der reichsten Männer seiner Zeit. In Cochabamba, seinem Heimatort, lies er eine Villa im europäischen Stil erbauen - damals war dies sehr in Mode. Die prunkvoll eingerichteten Räume bestehen aus einem Mix aus französisch, italienisch und teilweise marrokanischen Stilelementen. Seidentapeten, Eichenholzverkleidungen und aufwendigen Deckenmalereien sind neben der gigantischen Tür im Ballsaal - daher die Bezeichnung Portales - in den Räumen zu finden. Die Villa mit ihrem akkurat angelegtem Garten sollte Patiño als Alterssitz dienen, jedoch starb er bei einer Reise von Europa nach Bolivien an einem Herzinfarkt und konnte sie daher die beziehen. Heute gehört die Villa der Patiño Stiftung, die das Anwesen nutzt, um die bolivianische Kultur und Kunst zu fördern. Dies reicht von Theateraufführungen im Garten über Lesungen und Literaturdebatten bis hin zu Kunstausstellungen und Workshops für Studenten. Für 40 Bolivianos Eintritt kann man die Villa besichtigen und erhält eine einstündige Tour auf englisch oder spanisch. Danach kann man noch im schönen Park spazieren und in der Sonne genießen.

03 Seine Freiheit wertschätzen im Convento Santa Teresa
Das barocke Kloster inmitten der Stadt ist eines der ältesten Gebäude, das in Cochabamba vorhanden ist. Der ursprüngliche Bau von 1760 blieb unvollendet, um 40 Jahre später mit einer eigenartigen Konstruktion vollendet zu werden: eine neue Kirche innerhalb der Grundmauern der alten Kirche. Seit 2014 wird das Kloster nach und nach restauriert. Ein geführter Rundgang durch die alten Gemäuer lohnt sich nicht nur wegen der interessanten Architektur und der Aussicht von den Dächern der Kirche, sondern vor allem wegen der Erzählungen zum Alltag des Nonnenordens: die Nonnen durften keinen Kontakt zur Außenwelt haben. Es galt eine strikte Ausgangssperre. Nur eine Stunde am Tag war es den Nonnen erlaubt, sich untereinander unterhalten. Einmal pro Monat durfte eine Nonne ihre Angehörigen "treffen" - nur unter Beaufsichtigung einer älteren Nonne und getrennt von den Liebsten durch Metallgitter und einen dunklen Vorhang, um Berührungen und Sicht zu vermeiden. Den Rest des Tages mussten sie in Stille beten oder je nach Rang Hausarbeiten erledigen. Gläubige Eltern in Cochabamba dachten damals, dass die gesamte Familie in den Himmel kommt, wenn die erstgeborene Tochter dem Orden der Karmeliten beitritt. Dementsprechend war die Nachfrage so groß, dass es sogar Wartelisten gab. Es wurde nur dann ein Neuling aufgenommen, wenn eine ältere verstarb. In den 60ern wurden die Regeln auf Druck des Vatikans aufgelockert. Heute leben hier nur noch fünf Nonnen in einem neuen Trakt des Gebäudes. 
Mehrmals täglich gibt es Führungen durch das Kloster (leider nur auf spanisch) für 25 Bolivianos. Es gibt auch mehrmals im Monat Nachtführungen, bei denen das Kloster so beleuchtet wird wie damals und weitere Räume geöffnet werden.

04 Shopping im Mercado La Cancha
Dieser wuselige, chaotische, fast klaustrophobische Markt erstreckt sich über zahlreiche Straßenzüge und Plätze in Cochabamba. Laut Wikipedia ist er der größte Markt in Südamerika. Hier kann man täglich alles kaufen, was das Herz so begehrt. Am besten läuft man erst mal Richtung "Mercado La Pampa", von dort kann man alle Seitenstränge des Marktes gut erreichen. Ich habe den Markt vormittags besucht und nur einen kleinen Teil gesehen. Er ist wirklich gigantisch groß! Ob Souvenirs, Lebensmittel, Handyersatzteile oder Konfetti - hier gibt es alles.

05 Schlemmen als Veggie
Wer hätte gedacht, dass es in Bolivien tatsächlich Restaurants für Veggies gibt? Cochabamba ist quasi die bolivianische Hochburg für internationale Küche und für jeden Foodie ein absolutes Muss. Wer wie ich als Veggie durch Südamerika reist, weiß, dass es mitunter nicht ganz einfach ist. Daher habe ich mich umso mehr über diese beiden Restaurants gefreut.

Tulasi Vegetariano y Vegano
Sehr einfaches Restaurant mit leckerem Mittagsmenü für unschlagbare 20 Bolivianos: Antipasti Vorspeisenbuffet, Suppe, Hauptgericht und Nachtisch.
Avenida Heroinas entre España y Baptista No. 270

Golpa Vegetarian Restaurant
Ist nur mittags geöffnet bis 14.00 Uhr. Im Innenhof sitzt man sehr nett und entspannt. Gutes Veggie-Mittagsmenü für 20 Bolivianos. In der Nähe des Convento Santa Teresa. 

Casa Matriz
Bioladen mit glutenfreien Produkten und integrierter kleiner homöopathischen Apotheke.
Calle Nataniel Aguirre No. 317

06 Der himmlische Cheesecake im Café Typica
Mit viel Liebe im Vintagestil eingerichtetes Café. Für bolivianische Verhältnisse sehr europäisch geprägt und teuer, aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Unbedingt den hausgemachten Cheesecake mit Maracuja Topping und dunklem Boden probieren - himmlisch!
Calle La Paz 705

07 Wanderung im Nationalpark Tunari
Cochabamba liegt direkt am Nationalpark Tunari. Dieser steht im Schatten des Nationalparks Torotoro, der einige Stunden Fahrzeit von Cochabamba entfernt ist. Eigentlich wollte ich ein mehrtägige Wanderung in Torotoro machen, aber gesundheitlich war ich noch nicht fit genug für die Strapazen eines solchen Ausflugs - insbesondere bei dem instabilen, regnerischem Wetter. Also habe ich mich für den Besuch des Tunari Parks entschieden und ab der Stadtmitte ein Micro genommen, das mich nach 15 Minuten mehr oder weniger beim Parkeingang abgesetzt hat. Nachdem man durch die letzten Ausläufer der Stadt spaziert, passiert man eine Kontrollstation. Diese war jedoch unbesetzt als ich dort war. Also startete ich direkt mit dem Anstieg - in Zeitlupe. Man kann entweder die unbefestigte Straße entlang wandern oder den kleinen, steilen stufigen Weg, der immer wieder diese Straße kreuzt. Nach 3km kommt man zu einem schönen Picknickplatz zwischen Bäumen. Der nahe gelegene Wasserfall, den ich auf Maps.me gesehen habe, entpuppt sich als Bach. Nachdem ein Fuchs meinen Weg kreuzt, spaziere ich weiter aufwärts. An einer Kehre mit kleinem grünen Plateau mache ich Pause und genieße die Aussicht auf Cochabamba und die Berge über mir. Leider gibt es keinen Rundweg, den man an einem Tag machen kann. Daher trete ich wieder den Rückweg an - allerdings nutze ich die Gelegenheit und fülle meine Plastiktüte mit Müll, den ich auf dem Weg finde. Es ist erschreckend. Unten in der Stadt angekommen suche ich mehr als 30 Minuten nach einem Mülleimer. Bolivien hat wirklich ein Müllproblem!
Die Wanderung war nicht herausragend, aber auf jeden Fall für einen halben Tag sehr schön. Ich empfehle jedem, der Zelt und Campingausrüstung hat, den Weg noch weiter hoch zu laufen. Dort kommt man dann zur Lagune Wara Wara und zu weiteren Seen. Dort kann man campen und dann über den benachbarten Berg wieder zurück nach Cochabamba wandern. Für Abenteurer eignet sich die Wanderung oder die Besteigung des Cerro Tunari (5035m), der höchste Berg in Zentral Bolivien.

Mir persönlich hat es in Cochabamba sehr gut gefallen. Ich mag das milde Klima und die entspannte Atmosphäre der Stadt und habe mich im Hostel sehr wohl gefühlt. Ich bin etwas länger geblieben als geplant, um mich auszukurieren und etwas Energie zu tanken. Ein Tag nichts tun, schlafen, telefonieren, Netflix schauen - man unterschätzt wir wichtig das Loslassen bei so einer Reise doch ist. Und wo geht das besser, als an einem Ort, an dem man sich wohl fühlt?

Hostel Samay
Am Fuße des Christo gelegen, etwa 1.5 km außerhalb der Stadtmitte. Super schöner Innenhof zum Chillen, tolle Atmosphäre mit gemütlichen Aufenthaltsräumen und sehr gutes Frühstück. Absolut empfehlenswert!
Calle Colombia 1474 entre Belzu y José Pol