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Death Road Adventure

Mitten im bergigen Hinterland der Yungas befindet sich die "World's Most Dangerous Road". Bis vor einigen Jahren wurde die Schotterstraße zwischen La Paz und Coroico mit ihren haarsträubend steilen Klippen noch in beide Richtungen von Bussen und Autos befahren. Bis zu 26 Fahrzeuge sind pro Jahr in den Tiefen der Schluchten verschwunden. Seit 2007 gibt es eine neue asphaltierte Straße, die deutlich sicher ist als die alte. Heute kann man die alte Strecke mit dem Mountainbike runterbrettern. Aber auch das ist nicht ganz ungefährlich, haben doch bereits 15 Mountainbiker den Adrenalinkick mit dem Leben bezahlt.


Ich habe ein paar Tage überlegt, ob ich die Strecke runter wandern oder doch die Mountainbike Tour buchen soll. Am Ende hat mich dann doch das Abenteuer gereizt und ich habe mit dem Anbieter Barro Biking gebucht. Nach einer frühen Abholung im Hostel fahren wir im Minivan samt Räder auf dem Dach etwa eineinhalb Stunden zum Starpunkt der Tour. Neben mir sind sonst nur Franzosen in der Tour, was die Kommunikation nicht gerade einfach macht, da ich kein Französisch spreche. Es ist neblig und es nieselt. Auf knapp 4.300 Metern ist es ziemlich kühl und ungemütlich. Aber was wäre ein Abenteuer ohne die Herausforderung? Also heißt es Knie- und Ellenbogenschützer anlegen, Klamotten überziehen und Helm aufsetzen. Mal wieder ist mir alles etwas zu groß, der Helm wird innen noch mit extra Schaumstoff ausgestopft, damit er richtig sitzt. Immerhin ist es gut zu wissen, dass die Jungs hier das Thema Sicherheit ernst nehmen. Dann gibt es eine kurze Einweisung ins Downhill Biking und wir schwingen uns auf die Räder. Den ersten Teil der Strecke fährt man 22km auf einer Asphaltstraße hinab, die auch vom normalen Verkehr benutzt wird. Nach 45 Minuten machen wir eine kurze Pause. Bis zu diesem Zeitpunkt bin ich bereits komplett durchnässt, denn die Klamotten sind leider nicht wasserdicht. Hätte ich doch lieber meine Regenhose und meine Regenjacke drunter gezogen. Zwar wird es mit jedem Meter der Abfahrt etwas wärmer, aber die Feuchtigkeit der Kleidung und der Schuhe ist doch ziemlich unangenehm. Dann geht es weiter auf der Death Road. Rund 2.000 Höhenmeter und weitere 20km - diesmal ab Dirt Road, also unbefestigte Schotterstraße - liegen vor uns. Zwei Guides begleiten unsere Gruppe, einer fährt vorne, einer hinten um auch die langsameren Fahrer zu betreuen. Der Minivan folgt uns mit etwas Abstand, um im Zweifel ein Ersatzrad zu stellen. Ich bin nicht die beste Fahrradfahrerin und habe mir vor allem eines vorgenommen: unten heil ankommen und ein wenig Spaß haben, auch wenn es wie aus Eimern schüttet. Also geht es hinab. Für die Handgelenke ist das Geholpere auf den Steinen trotz Federung recht anstrengend, mein ganzer Körper ist angespannt. Ich habe schon ein wenig Schiss, denn teilweise ist die Straße nur 3.20m breit. Die Klippen sind extrem steil und es gibt keine Leitplanken. Rutscht man aus oder fährt man zu nah an der Klippe, kann das schon böse ausgehen. Häufig halten wir an, um die Gruppe zu sammeln und ein paar Fotos zu machen. Die Guides geben sich wirklich große Mühe, den Tag trotz des Wetters zu etwas Besonderem zu machen. Immer wieder passiere ich Kreuze, die am Wegesrand an die Verunglückten erinnern. Eine Stelle nimmt mich dann doch etwas mit: wir müssen unter einem Wasserfall durchfahren, der auf der Straße schon einen kleinen See gebildet hat. Hier ist 1983 ein Reisebus abgestürzt und hat 100 Menschen in den Tod gerissen. Bis heute gilt dies als das schlimmste Verkehrsunglück Boliviens. Etwas weiter unten der Strecke hat der tagelang anhaltende Regen einen Erdrutsche verursacht. Der rutschige Schlamm, die lösen Steine und der anhaltende Regen machen diese Passage für Autofahrer und Mountainbiker zur gefährlichen Angelegenheit. Wir steigen ab und schieben die Räder durch den knöchelhohen Matsch. Safety first! Nach rund eineinhalb Stunden Downhill Biking komme ich dann doch tatsächlich heil unten an. Ich bin erleichtert. Und auch ein wenig stolz auf mich, da ich von vier Frauen in der Gruppe immerhin als zweite Dame unten ankam! Danach heißt es, raus aus den nassen Klamotten und Mittagessen in einem netten Lokal mit Pool. Nach Wasser ist mir zwar überhaupt nicht, aber an warmen, sonnigen Tagen ist das sicherlich 'ne super Sache. Am späten Nachmittag heißt es dann Aufbruch nach La Paz. Ich lasse mich in Yolosita absetzen, da ich eine Nacht in Coroico verbringen möchte, das mitten im Dschungel der Yungas liegt. Nach Coroico teile ich mir ein Taxi mit vier blutjungen Amerikanern, die im wahrsten Sinne des Wortes in Bolivien auf Abenteuertour gehen. Sie haben einen Truck gemietet und schlafen dort in Hängematten. Verrückt, diese Jugend von heute.