Coroico

In Coroico angekommen beziehe ich als einziger Gast eine sehr schöne, wenn auch nicht gerade günstige Unterkunft. Für 70 Pesos die Nacht ohne Frühstück und Wifi komme ich im Hostal Chawi unter, das seit 27 Jahren vom Engländer Charly und seiner bolivianischen Frau Mary geführt wird. Toller Garten, liebevoll gestaltet und sehr sauber. Von der Terrasse kann man auf dem gegenüberliegenden Berg direkt auf die Death Road schauen. Charly erklärt mir alles, was ich in der Umgebung machen kann und animiert mich dazu, mehrere Tage hier zu bleiben. Und dann verstehe ich auch, warum. Seit letztem Jahr hat der Touristenstrom nach Coroico nachgelassen. Obwohl so viele Touristen täglich die sehr nah gelegene Death Road runter rasen, bleiben nur die wenigsten für ein paar Tage hier im Dorf. Das spüren natürlich die Leute, die vom Tourismus leben. Ohne den vielen Nebel und den Regen würde ich sicherlich ein, zwei Nächte dran hängen. Denn Coroico hat einen sehr authentischen Charme und man kann in der Umgebung tolle Wanderungen unternehmen, Berge besteigen und Wasserfälle anschauen. Aber eine Stimme in mir sagt mir, dass ich weiterreisen soll. Also gehe ich am Abend zu Carla's Pub im niedlichen Zentrum von Coroico, denn dort gibt es kaltes Bier und Wifi. Ich komme Charlys Rat nach, am nächsten Morgen nicht allzu spät nach Copacabana aufzubrechen, da die Reise über La Paz recht lange sein kann. Also stehe ich früh auf, um zumindest einen kleinen Spaziergang durch Coroico zu machen. Ich starte vom Hostel hinauf zu einer kleinen Kapelle. Der Nebel taucht alles in eine recht mystische Stimmung - spätestens als ich den schmuddelig, schmutzigen Friedhof passiere, wird mir etwas mulmig. Nach einer Stunde komme ich wieder im Hostel an, wo ich leider kein Frühstück mehr angeboten bekomme. Vielleicht weil ich alleine bin und die Frühstückszeit um 15 Minuten verpasst habe. Oder weil sie enttäuscht sind, dass ich nicht länger bleibe. Oder ein bißchen von beidem. Also schnappe ich gegen 9.30 meine Sachen und spaziere zum nah gelegenen Markt, wo ich mir für 5 Pesos einen frisch gemixten Bananan-Marajuca-Smoothie gönne und für die Kinder der Umgebung mit meiner Haut- und Haarfarbe eine kleine Attraktion bin. Danach geht es weiter zum nah gelegenen Busterminal, wo ich für 25 Pesos einen der letzten Sitzplätze in einem Minibus nach La Paz ergattere. Nach drei Stunden kommen wir in La Paz Terminal Yungas an, von wo ich mit einem Micro zum Terminal beim Friedhof fahren muss, um den Bus Richtung Copacabana zu erwischen. Dabei ist "Terminal" etwas übertrieben. Es gibt neben dem Friedhof eine kleine Halle mit Blumenverkäufern, dahinter wiederum eine Straße, wo kleine Läden Fahrten im Minivan oder im Bus nach Copacabana anpreisen. Ich werde auf der Straße von einem vorbei fahrenden Busfahrer angesprochen und hüpfe kurzerhand einfach rein. Für 20 Pesos komme ich dann vier Stunden später in Copacabana an. Zugegeben ist der Bus nicht im besten Zustand. Dafür ist die Fahrt aber irre schön, da man ziemlich lange an den südöstlichen Ausläufern des Titicacasees entlang fährt. Am besten in Fahrtrichtung links sitzen, Musik hören und genießen!