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Puno & die Islas Flotantes

Puno liegt auf der peruanischen Seite des Titicacsees. Die Stadt ist insbesondere für ihre schwimmenden Inseln, die sogenannten Isla Flotantes, bekannt. Da der Stamm der Uros bis heute auf diesen Inseln lebt, mache ich einen kleinen Abstecher nach Puno, um mir dies anzusehen.


Von Copacabana aus nehme ich den Transzela Bus nach Puno. Die vierstündige Fahrt kostet mich 35 Bolivianos. Man kann die Reise auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln machen, muss dann aber häufiger den Bus wechseln und auch eine Teilstrecke nach dem Grenzübergang mit dem Taxi zurücklegen. Wahrscheinlich ist dieser Weg günstiger, kostet aber mehr Zeit. Und da es bereits nachmittags ist und ich insbesondere beim Grenzübergang in der Dunkelheit aufgrund von Sicherheitsgründen nicht alleine in der Pampa unterwegs sein möchte, entscheide ich mich für den bequemen Weg mit dem Reisebus. Am besten geht man direkt ins Büro von Transzela in einer Seitenstraße beim Kirchplatz von Copacabana und nicht wie ich zu einem der Agenten in der Hauptstraße. So kann man nämlich noch mal 5 Bolivianos sparen. Der Bus ist ziemlich gut in Schuss, auf der peruanischen Seite gibt es sogar Wifi. Mit dem Grenzübergang läuft auch alles super. Eine kleine Überraschung war für mich, dass wir eine Stunde gewinnen, da Peru keine Sommerzeit hat. 


Da ich nur einen halben Tag in Puno bin und keine Zeit habe, einen Ausflug direkt vor Ort zu buchen, checke ich bei getyourguide.com die Angebote zu den Islas Flotantes. Ich entscheide mich dazu, für 10$ eine zweistündige Tour morgens um 6.00 Uhr zu buchen, damit ich ausreichend Zeit habe noch am gleichen Tag nach Cusco zu reisen. Außerdem stelle ich mir den Titcacasee bei morgendlichem Licht ziemlich schön vor. Also heißt es früh aufstehen. Der Pick up vom Hotel ist pünktlich und ich bin tatsächlich alleine. Also habe ich meinen privaten Guide, sowie einen Kapitän und ein Boot ganz für mich.
Auf dem Weg zu den Inseln erfahre ich, dass es bis heute etwa 120 solcher bewohnter Inseln in Ufernähe des Titcacasees gibt. Bei den schwimmenden Inseln handelt es sich um menschengemachte kleine Inseln, die seit Jahrzehnten vom indigenen Stamm der Uros bewohnt werden. Um sich gegen die übermächtige Aggressivität der Inkas und der Collas zu schützen, zogen die Uros damals auf die Inseln. Noch heute nutzen die Uros für die Inseln eine Schilfpflanze namens Totora, die am Ufer des Titicacasees wächst. Diese wird geschnitten und kreuzweise übereinander geschichtet. Regelmäßig müssen die Bewohner der Inseln von oben neues Material nachlegen, da die Halme im Wasser verrotten. Etwa 4 bis 5 Familien leben gemeinsam auf einer Insel. Während der Tour bekomme ich die Möglichkeit, in eine Hütte der Uros zu gehen. Es ist nicht mehr als ein Raum aus Schilfwänden, gedeckt mit etwas Plastikfolie gegen den Regen und ein Schilfdach. In dem etwa 10qm großen Raum befindet sich nicht mehr als ein großes improvisiertes Bett für die sechsköpfige Familie, ein Fernseher und Kleidung, die zur Aufbewahrung an den Wänden hängt. Die Gesichter der Kinder sind etwas schmutzig, es riecht muffig. Früher haben die Uros vor allem vom traditionellen Fischfang, vom Vögel jagen und Eier sammeln gelebt. Heute verdienen Sie Ihr Geld durch den Verkauf von Kunsthandwerk und durch Bootsfahrten für Touristen in einem Floß aus Schilf, dem sogenannten Mercedes Benz. Da ich alleine bin, fühle ich mich verpflichtet etwas zu kaufen und entscheide mich für drei unfassbar überteuerte Armbänder und eine Fahrt im Mercedes Benz. Eigentlich wollte ich weder das eine, noch das andere - daher verbuche ich es unter der Rubrik "Spende für die Uros". Selbstverständlich ist die Tour hier sehr touristisch. Aber die Menschen leben tatsächlich auf diesen Inseln - wer weiß, wie lange das noch so sein wird, denn auch hier hält die moderne Welt Einzug: fast jede Insel hat mittlerweile ein kleines Solarpaneel, um Energie zu erzeugen und ein Badehaus mit Dusche und Chemietoilette. Nach einem Aufenthalt von etwa 60 Minuten geht es mit dem Privatboot wieder zurück zum Hafen von Puno. Ich genieße die Sonne und den Blick auf den See vom Dach des Bootes. Ein interessanter Ausflug, der mir mal wieder deutlich macht, dass die einfachsten Dinge unseres Alltags für viele Menschen nicht normal sind.


Wer nicht nur einen Tagesausflug machen möchte, kann auch einen Homestay bei den Familien buchen (ca. 40 Dollar). Hierbei verbringt man zwei Tage auf den Inseln und nimmt an Aktivitäten wie Fischen, Kochen und kleinen Spaziergängen teil.