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Lima & 4 gute Gründe, diese Stadt zu mögen

Eigentlich mag ich große Städte nicht besonders. Aber Lima hat mich wirklich überrascht. Ich hatte überhaupt keine Erwartungen und das besondere Glück, dass ich das Wochenende in Lima mit Gaby verbracht habe. Gaby ist Peruanerin, in Lima geboren und aufgewachsen und lebt mit ihrer Familie im Zentrum. Ich habe sie Weihnachten in Buenos Aires kennen gelernt und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Eigentlich dachte ich, dass wir uns auf einen Café treffen oder sie mir ein paar Tipps gibt. Als sie mich dann aber schließlich zu sich nach Hause eingeladen hat, habe ich nicht nein gesagt. Was kann einem besseres passieren, als ein Homestay bei einer peruanischen Familie?


Peru ist ein sehr zentralisiertes Land. So lebt in Lima fast mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Da wundert es einen nicht, dass die Stadt schlichtweg riesig, der Verkehr chaotisch und so etwas wie Stadtplanung aussichtslos ist. Insbesondere am Stadtrand gibt es viele informelle Siedlungen, Häuser ohne Genehmigung, die mit dem erbaut werden, was gerade zur Hand ist, ohne fließendes Wasser und Elektrizität. Generell ist Lima eine Stadt großer Kontraste. Gaby hat mich sowohl in schicke, glitzernde Shoppingmalls und in hippe Bars als auch zu wuseligen Märkten und dem chinesischen Viertel in Lima geführt. Wie so viele große Städte in Südamerika ist die Sicherheit im Lima ein heikles Thema. Noch als ich im Bus von Cusco nach Lima sitze, schwört mich Gaby darauf ein niemals, wirklich niemals ein Taxi auf der Straße anzuhalten. Selbst vom privaten Taxiservice Uber, den ich bereits in anderen südamerikanischen Großstädten benutzt habe, rät sie ab. Als ich nach 25 Stunden endlich in Lima am Terminal von tepsa ankomme, dämmert es bereits. Nicht gerade die beste Zeit, um alleine mit all seinem Gepäck an einem Ort wie diesem zu stranden. Aber manchmal ist dies einfach nicht zu vermeiden, insbesondere bei drei Stunden Verspätung. Leider gibt es keinen zentralen Busbahnhof, daher hat jede Firma ein eigenes kleines Terminal in der Nähe der Avenida Javier Prado. Leider kann ich das Taxi, das mir Gaby bestellt hat, dort nicht finden. Mein suchender Blick wird allerdings von einem Peruaner im mittleren Altre entdeckt, der mich fragt, ob ich ein Taxi benötige. Ich komme mit ihm ins Gespräch und frage ihn nach dem Thema Sicherheit und ob er für eine offizielle Firma fährt. Er garantiert mir, dass dem so sei und dass ich mir keine Sorgen machen müsse. Ich sage ihm, dass ich noch ein paar Minuten auf meinen Abholer warte. Einige Minuten später ist das Terminal so gut wie verlassen, alle Reisenden wurden bereits abgeholt. Bis auf meine Wenigkeit. Er ist der einzige Taxifahrer, der dort wartet. Wenn ich nicht mit ihm fahre, muss ich ein Taxi von der Straße anhalten, da ich leider kein Wifi habe, um eines zu bestellen oder über Gaby ein neues zu rufen. Also folge ich meiner Intuition und steige bei ihm ein. Ich behalte meinen kleinen Rucksack auf, da ich schon von Diebstählen aus dem Auto heraus gehört habe. Da der Taxifahrer die Adresse von Gaby nicht kennt, hält er mir kurzerhand sein Handy hin und ich tippe die Nummer von Gaby ein, um sie anzurufen. Spätestens das ist ein gutes Zeichen, da er offensichtlich keine böse Absichten im Sinn hat. Ich entspanne mich etwas und quatsche ein wenig mit ihm. 20 Minuten später setzt er mich für 25 Soles vor der Tür von Gabys Familie ab, wo ich von ihrem Vater auf der Straße willkommen geheißen werde. Puh, ich bin erleichtert. Gaby überrascht mich mit einem peruanischen Pastagericht mit einer Art Carbonara Sauce und frittierten Bananen. Lecker!


Natürlich ist eine Stadt, die man von Einheimischen gezeigt bekommt immer noch etwas authentischer und besonderer, als wenn man selbst auch Erkundungstour geht. Das ist zumindest die Erfahrung, die ich während meiner Reise gemacht habe. Um euch möglichst einen ebensolchen Eindruck zu geben, kommen hier vier gute Gründe Lima zu mögen.


01 City Center Kontraste
Die wunderschöne Architektur aus der spanischen Kolonialzeit kann insbesondere im Zentrum von Lima bewundert werden. Erster Anlaufpunkt ist hier der Plaza de Armas. Auffällig sind hier die senfgelben Gebäude mit den hölzernen Balkonen um den Plaza. Besonders sehenswert ist das Literaturhaus, Casa de La Literatura, welches zu früheren Zeiten ein Bahnhof war (Eintritt frei). Auch die Iglesia Santa Domingo ist sehenswert. Vor dem Regierungspalast kann man täglich um 12.00 Uhr den Wechsel der Wächter mit Musik und militärischer Inszenierung beiwohnen. Am besten ist es, wenn man sich einer Free Walking Tour anschließt, da man dann noch etwas Hintergrundwissen zu Lima erhält und zum Schluss in der Genuss einer Pisco Verköstigung kommt. 


Choco Museum
Gaby und ich haben uns lediglich im Shop durch verschiedene Brotaufstriche probiert. Empfehlenswert!


Churros
In unmittelbarer Nähe vom Literaturhaus und vom Choco Museum befindet sich ein kleiner Laden, der diese süße, heiße Schweinerei verkauft. Für nur 2 Pesos erhält man ein, in Zucker gewälztes, gewickeltes Bündel aus knusprigem Teig gefüllt mir Dulce de Leche. Ein Traum!


Larcomar
Diese glitzernde, neue Shopping Mall direkt am Pazifik hält alle amerikanischen und europäischen Marken im mittleren bis gehobenen Segment bereit. Malle sind ja absolut nicht mein Fall, aber es ist interessant, dass die Peruaner komplett darauf abfahren. Das schönste an der Mall ist die Lage und der Blick auf die im Pazifik untergehende Sonne.
Malecón de La Reserva 610


Café Latte
Unbedingt das vegane Ceviche probieren! So kommt man auch als Veggie in den Genuss der peruanischen Nationalgerichts. Daneben gibt es eine extra Karte für Veggies und Veganer. Großzügige Portionen!


Chinatown
Direkt um die Ecke des touristischen und heraus geputztem Zentrums befindet sich ein ganz anders Lima: hier kommt man sich vor, als wäre man in ein anderes Land katapultiert worden. Chinatown. Pekingente statt Alpakaburger, Lampions statt Straßenlaternen, Pagoden statt Kolonialarchitektur. Diese Nachbarschaft wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von chinesischen Einwanderern um den zentralen Markt gegründet. Was für ein irrer Kontrast! Ich kann es fast nicht glauben. Es ist wuselig, überall wird gehupt, die Läden befinden sich quasi auf der Straße. Aber auch das gehört zu Lima! Und ich bin unfassbar froh, dass ich auch diesen Teil erleben darf.
Block 7 und 8 Nähe Calle Jirón Ucayali


02 Dinner & Drinks in Miraflores
Miraflores ist das hippe Viertel von Lima. Hier sind besonders viele Bars, Restaurants, Gallerien und Museen, daher wird Miraflores auch ein "bohemian flair" nachgesagt. Für meinen Geschmack kam diese Atmosphäre nicht ganz so gut rüber, da das Viertel vorwiegend aus Neubauten und breiten Avenues besteht und nicht so gemütlich und beschaulich ist. Dennoch mochte ich es sehr gerne. Ich kann insbesondere diese Orte empfehlen:


Bar Emolienteria
Sehr coole Einrichtung und leckere Cocktails mit Pisco! Nicht ganz günstig mit 28 Soles pro Cocktail, aber man gönnt sich ja sonst nichts.


La Lucha Sandwhicheria criolla
Obwohl es nur eine vegetarische Option mit Ei, Tomate und Avocado gibt, kann ich diese Sandwhicheria sehr empfehlen. Ideal für einen Snack zwischendurch. Oder auch wenn man einfach nur einen leckeren Fruchtsaft trinken möchte.


Parque de los Gatos
In diesem Park mitten in Miraflores leben besonders viele Katzen, die sich auch gerne streicheln lassen. Man entdeckt sie auf Bäumen, unter Parkbänken oder in Blumenbeeten.


03 Street Art in Barranco
Dieses Viertel, das auch das SoHo von Lima genannt wird, ist insbesondere für sein Nachtleben beliebt. Darüberhinaus habe ich bei einem Spaziergang unglaublich viel Street Art entdeckt. Es lohnt sich, einfach durch die Straßen zu schlendern und die Augen offen zu halten!


Café Bisetti
Dieses Familien geführtes Café röstet die Bohnen noch selbst. Es gibt einen wunderschönen Innenhof, in dem es sich herrlich entspannen lässt. Ich hatte einen glutenfreien Kuchen und einen Iced Chai Latte. Yummie!
Tostaduria Bisetti, Avenida Pedro de Osma 116


Puente de Suspiros
Beliebter Treffpunkt mit kleinem Park. Die Brücke wurde 1876 gebaut und ist bis heute ein gern gesehenes Fotomotiv auch wenn der Fluss unter der Brücke kein Wasser führt. Nur wenige Meter davon entfernt befindet sich die gelb gestrichene Kirche "La Ermita", die ein Foto wert ist. Derzeit ist nur die Fassade ansehnlich, da sich der Rest in Restauration befindet. Daher ist die Kirche dauerhaft geschlossen.
Von der Brücke aus kann man die "Bajada de los Baños" runter spazieren. Die Treppe wurde früher von Fischern verwendet, heute sind hier vor allem Restaurants und Bars. Der Weg unten am Strand ist nicht besonders schön, da etwas schmuddlig und direkt am Highway.


04 Circuito Magico del Agua
Lima ist eine Stadt, in welcher es so gut wie nie regnet. Dafür scheint die Sonne sehr häufig und es kann mitunter ganz schön warm werden. Bei einem Besuch sollte man die Kraft der Sonne absolut nicht unterschätzen - ich habe hier so schlimme Sonnenbrände gesehen wie sonst nur selten. Wer ein bißchen Erfrischung sucht und Disney Land Atmosphäre mag, der ist im Park Magico del Agua genau richtig. Tagsüber kann man die Wasserspiele genießen und sich mitunter an den Brunnen erfrischen oder komplett durchnässen lassen. Vor allem Kinder haben hier viel Spaß. Abends gibt es eine inszenierte Lichtshow, die ich jedoch nicht gesehen habe. Sonntags öffnet der Park an 15.00 Uhr, am besten den Seiteneingang benutzen, um lange Wartezeiten zu umgehen. Eintritt kostet nur 3 Soles (selbst für Ausländer!)