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Cusco - drei perfekte Tage in der Stadt der Inkas

Die Stadt in den peruanischen Anden hat mich von Beginn an begeistert. Von allen Städten in Peru ist sie meine Liebste und ich könnte hier locker eine Woche verbringen. Ob in der Umgebung wandern, die untergegangene Inkakultur erleben und archäologische Ausgrabungen entdecken oder entspannt durch das hübsche Viertel San Blas schlendern - Cusco ist mehr als nur der Eintritt in das heilige Tal hin zum Macchu Picchu. Wer wie ich mehrere Tage in der Hauptstadt der Inkas verbringt findet hier drei abwechslungsreiche Tagesprogramme, die einfach und kostensparend in Eigenregie unternommen werden können.


01 | Boheme Atmosphäre in San Blas
Das schöne Künstlerviertel San Blas liegt ganz in der Nähe des Plaza de Armas und windet sich in stufigen Gassen den Berg hinauf. Bei 3.400 m über dem Meeresspiegel kommt man da ganz schön ins Schnaufen. Glücklicherweise kann man hier den Tag aber ganz entspannt angehen und trifft weniger Touristen als bei den typischen Sehenswürdigkeiten von Cusco.


Starte in den Tag im kleinen, hübschen Concept Store L'Atelier. Hausgemachte Kuchen, leckerer Tee und Kaffee (auch vegane Alternativen) und ein bißchen Shopping bei super entspannter Atmosphäre und schönen Blick auf Cusco. Danach schlenderst du durch die engen pittoresken Gassen, lässt dich etwas durch die kleinen Läden und Künstlerateliers treiben und landest schließlich beim hübschen Plaza San Blas. Gleich um die Ecke kannst du im kleinen Mercado de San Blas einen frisch gepressten Saft trinken oder ein paar Fotos von den Obst- und Gemüseständen machen. Zum Mittagessen gehst du am besten ins vegane Restaurant Green Point - hier gibt's für 18 Soles (etwa 4,50€) ein 4-Gänge Menü mit Gourmet-Touch. Unschlagbar günstig und super lecker - selbst für Nicht-Veganer! Am späten Nachmittag lohnt sich der Aufstieg zur Bar Limbus. Die Aussicht über San Blas und die Innenstadt genießt du am besten auf der Terrasse bei einem Glas Pisco Sour. Salud!

02 | Auf den Spuren der Inkas
Zum Einstieg in den Tag lohnt es sich die Free Walking Tour um 10.15 Uhr mit den Blue Shirts zu machen. Treffpunkt ist am Plaza de Armas, Führungen werden auf englisch und spanisch angeboten. Schwerpunkt liegt auf der Kultur der Inkas und den historischen Gebäuden in Innenstadt in Cusco. Sofern man es nicht im Rahmen der Tour macht, kann man mitten in der Stadt kostenfrei im Ministerio de Cultura ehemalige Inkaruinen und aktuelle Ausgrabungen entdecken (8 bis 16 Uhr geöffnet).

Gegen Mittag kann man dann die historische Stätte Qorikancha besuchen (15 Sol Eintritt). Ohne Frage ist dies ein sehr touristischer und etwas überlaufener Ort. Dennoch hat mich insbesondere die Geschichte und Architektur fasziniert: auf einem der wichtigsten Inkatempel der Stadt, hat der Dominikaner Orden nach Untergang des Imperiums einen Orden erbaut. Zu Zeiten des wichtigsten Inka-Regenten Patchakute wurde dieser Tempel mit einem Altar aus Gold, mit reich verzierten Wänden und einem ausgeklügelten architektonischem System erbaut. Während der Kolonialisierung wurde der Tempel teilweise zerstört und dann vom christlichen Orden für sich beansprucht. So entstand ein durchaus interessanter Mix aus Inka-Architektur und klassischem Kolonialbau. Daneben kann man die unfassbar präzise Steinmetzkunst der Inkas bewundern. Bis heute ist nicht ganz geklärt, wie sie zur damaligen Zeit so genau gehauene und ineinander passende Steine hergestellt haben. Am Nachmittag hat man dann die Wahl zwischen einem Spaziergang zu religiösen Inkastätte Sacsayhuaman (wird tatsächlich wie das englische "sexy woman" ausgesprochen) und einem Spaziergang auf einem alten Inkaweg vorbei am Templo de La Luna bis zur Inkaruine Inkilltambo. Beide Spaziergänge kann man vom Plaza de Armas aus starten. 


Bis zur Ruine von Sacsayhuaman sind es etwa 20 Minuten bergauf. Am Eingang muss man stolze 70 Soles bezahlen - dafür kann man aber neben dieser Stätte noch drei weitere Ruinen in Laufweite besuchen (Q'enko und Puku Pukara). Sacsayhuaman ist die größte der vier Sehenswürdigkeiten und beeindruckt durch die Steinmetzkunst, die Lage mit Blick auf Cusco und die Laufweite der Anlage. Glücklicherweise habe ich Oliver dabei, der sich geschichtlich ganz gut auskennt und mir viel über die religiösen Rituale seiner Vorfahren erzählt. Besonders wichtig waren Rituale mit Wasser, um Mutter Erde Patchamama zu huldigen. Daher findet man viele Brunnen, Kanäle und ausgetrocknete Becken in der Anlage. Darüberhinaus gibt es viele Stufen und Nischen in den Steinbauten, in welchen Opfergaben und Mumien platziert wurden. In Stein gehauene Höhlen symbolisieren die Vereinigung von Patchamama und dem irdischen Leben. Vermutlich waren nur Priester damals befugt die Höhlen zu betreten und in diesen Rituale zur Fruchtbarkeit der Erde durchzuführen. Wer keinen peruanischen Begleiter dabei hat, kann sich für ein paar Sol einen Guide mieten. Diese warten meist am Eingang auf wissbegierige Touristen, am besten man tut sich in einer Gruppe zusammen und teilt die Kosten. Wenn man alle vier Ruinen besichtigen möchte, benötigt man rund drei bis vier Stunden. Auf dem Weg kann man übrigens auch noch einen kurzen Stopp beim Christo Blanco machen, der eine kleine Ausgabe der Version in Rio ist. Ich weiß wirklich nicht, was die Südamerikaner mit den weißen Christusstatuen haben - mich reizen sie jedenfalls nicht besonders.


Die Anlage von Inkilltambo erreicht man über einen alten Inkaweg, der ebenfalls bergauf führt, jedoch deutlich östlicher von der Anlage von Sacsayhuaman. Den Inkaweg erkennt man an den kleinen Steinmauern, die sich beidseitig vom Weg befinden. etwa 30 Minuten erreicht man den Mondtempel, der ein Pendant zum Sonnentempel Qorikancha im Zentrum von Cusco darstellt. Leider ist die Anlage seit kurzem eingegrenzt und kann nur teilweise bestiegen werden. Von dort hat man ebenfalls einen guten Ausblick über die Stadt. Läuft man weiter, kommt man zur terrassenförmig angelegten Inkastätte von Inkilltambo. Diese wurde hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt. Auf den einzelnen Terrassen wurde vermutlich Mais, Quinoa und Kartoffeln angebaut. Darüberhinaus gibt es Reste einzelner Wohngebäude, einer Lagerhalle für Nahrung und eine rituelle Stätte mit Brunnen. Ein grasbewachsenes Plateau, welches früher vermutlich als Art Marktplatz diente, eignet sich bei gutem Wetter hervorragend für ein herrliches Picknick. Schön ist, dass hier so gut wie keine Touristen unterwegs sind und die Besichtigung dieser beiden Ruinen komplett kostenlos ist. Läuft man von Inkilltambo weiter ins Tal runter, kommt man am östlichen Ende von Cusco raus von hier kann man den Bus zurück in die Innenstadt nehmen. Für den kleinen Rundweg benötigt man etwa drei Stunden.


03 | Shopping & Salsa
Im hübschen Café La Valeriana kannst du auf der Terrasse mit Blick auf einen kleinen Platz den Tag mit Caprese Sandwhich und Kaffee beginnen. Danach schlenderst du über den belebten Mercado San Pedro, der zu den ältesten Märkten in ganz Peru zählt. In der riesigen Halle kannst du heimische Früchte wie Chirimoya, Lucuma und Granadilla (mein Favorit!) kosten, frisch gepresste Säfte trinken und Lebensmittel aller Art kaufen. Meist ist es hier deutlich günstiger als im Supermarkt. Danach geht es in die Calle Heladeros, die eigentlich anders heißt, aber weil hier so viele Eisdielen sind, haben die Cusceños ihr diesen Namen gegeben. Das Ananas-Erdbeere-Eis von Helarte kann ich sehr empfehlen! Zum Souvenir Shoppen geht es dann in den Laden Asunta, der von Alpaka Ponchos über Wollsocken und Kissenbezügen bis hin zu Nippes schlichtweg alles hat. Allein der Laden an sich ist ein Erlebnis, da er bis zur Decke hin vollgestopft ist. Die Waren sind durchweg recht günstig und man hat zudem ein wenig Verhandlungsspielraum. Wenn man die Free Walking Tour mit den Blue Shirts macht, erhält man hier zusätzlich einen Rabatt. Wer abends etwas schicker essen gehen möchte, der kann ins peruanisch-chinesische Restaurant Kion gehen. Insbesondere die Frühlingsrollen sind sehr zu empfehlen und himmlisch knusprig. Abends geht es dann zum Salsa-Unterricht bei Salsero Cusco (20 Soles pro Stunde), am besten einfach vorher vorbei gehen und anmelden oder per Whatsapp Bescheid geben, dass man Interesse hat. Im kleinen Übungssaal kommt schnell gut Stimmung auf. Danach kann man noch in eine der Salsa-Bars gehen wie beispielsweise dem Inka Team - hier kann man das Erlernte trainieren, teilweise werden hier auch kostenfreie Minikurse angeboten. Ich habe mich überwunden und bin alleine zum Salsakurs gegangen...und habe es nicht betreut. Ich hatte einen tollen Abend, konnte ein paar neue Schritte lernen und hatte jede Menge Spaß!

    

Where to stay...
Blacky Hostel ist ein zentral gelegene, günstige und sehr saubere Unterkunft mit geselligem Innenbereich und kostenlosem Tee-Angebot. Ohne vorherige Reservierung bin ich auf gut Glück einfach vorbei gegangen und habe für die Nacht inklusive Frühstück nur 24 Soles (etwa 6,40€) gezahlt.


How to get...
Ich bin von Puno über Juliaca mit dem Bus in etwa 8 Stunden nach Cusco gefahren. Die Strecke von oder nach Lima ist in der Region um Cusco besonders kurvig (am besten am Nachmittag ab Cusco losfahren), aber auch besonders schön und abwechslungsreich. Es gibt verschiedenen Anbieter, die die Strecke Cusco-Lima bedienen. Am besten, aber auch am teuersten ist Cruz del Sur. Ich bin mit tepsa gefahren und habe für 25 Stunden Fahrt 90 Soles gezahlt.


When to go...
Selbst in der Regenzeit ist Cusco einen Besuch wert. Häufig ist das Wetter recht wechselhaft, so sollte man idealerweise auf alles vorbereitet sein. Ich hatte das Glück, dass ich über Karneval Anfang März dort war. All die Farben, traditionellen Kleider, Musikparaden und Umzüge mit Tanz und Trompeten - das war ein sehr spezielles, einzigartiges Erlebnis!


What to consider...
Cusco liegt in den Anden und damit auf rund 3.400 m über dem Meeresspiegel. Hier können Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit, Schwindel und leichte Übelkeit als Zeichen der Höhenkrankheit durchaus vorkommen. Daher am besten vorbereitet sein, viel Trinken und einen Schmerztablette zur Hand haben. Viele Reisende nutzen die Zeit in Cusco, um sich für eine bevorstehende mehrtägige Wanderung in den Anden oder für den Besuch des Macchu Picchu zu akklimatisieren. Abends immer eine Jacke oder einen dicken Schal mitnehmen - in den Bergen wird es bei Dunkelheit überraschend kalt und das Wetter kann schnell umschlagen