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Colca Canyon

Nirgendwo sonst in Peru kann man Kondore zu gut beobachten wie hier im Colca Canyon. Mit einer Tiefe von bis zu 4.160m zählt der Colca Canyon zu einer der tiefsten Canyons der Welt. Die Kondore nutzen die Vorsprünge im Stein des steilen Canyons um hier zu nisten. In der Regenzeit emigrieren sie meist zur Küste, da das Angebot an Futter dort größer ist. Kondore sind keine Jäger, sondern ausschließlich Aasfresser. Mit ihren feinen Nasen können sie Aas in bis zu 10km Entfernung aufspüren.


Um den Colca Canyon zu besuchen braucht man ein Ticket für den Nationalpark, den Reserva Nacional de Salinas. Dieses inkludiert das Valle de los Volcanos, Valle del Colca und Aguada Blanca und kostet 70 Soles pro Person. Seit ein paar Tagen Reise ich sehr bequem mit einer Gruppe des Reiseanbieters G Adventure. Das bedeutet für mich, dass ich mich nach wochenlangem Organisieren endlich mal wieder zurücklehnen darf. Man glaubt gar nicht, wie schön es sein kann, einfach hinterherzulaufen statt selbst den Weg zu suchen. Einfach in einen Bus zu steigen ohne sich mehrfach zu versichern, wohin er genau fährt. Einfach in ein Hotel einzuchecken, in dem man mit nur einer Person ein Bad teilt und richtige Handtücher hat. Selbst wenn die Reise im Sale war, ist dies für mich ein kleiner Luxus, den ich mir gönne. Darüber hinaus möchte ich den Inka Trail, welcher in mehreren Tagen zum Macchu Picchu führt, wandern und dafür muss man sich so oder so einer Gruppe mit Wanderführer und Trägern anschließen. Also lehne ich mich im Bus zurück und genieße die Aussicht während ich den Informationen unserer Reiseführerin lausche.


Die Natur in diesem Tal ist wirklich beeindruckend. Zunächst fahren wir an kargen Ebenen mit wild lebenden Vicuñas vorbei, passieren Alpakas und Llamas, die gemächlich neben der Straße weiden. Im Hintergrund türmt sich der aktive Vulkan Misti auf, der noch immer eine kleine Schneekrone trägt. Im Dorf Maca halten wir kurz, um eine Kirche zu besichtigen, Colca Sour zu schlürfen und Bilder mit süßen Babyalpakas zu machen. Wir haben Glück mit dem Wetter, denn meist ist es sonnig oder bewölkt. Nach weiteren Kilometern kommen wir dann in das fruchtbare, grüne Colca Tal. Hier im milden Klima wachsen vor allem Früchte, Quinoa und Alfalfa. Die von den Inkas angelegten Terrassen für die Landwirtschaft sind teilweise bis zu 500 Jahre alt und haben ein ausgeklügeltes System zu Bewässerung. Es ist schon bemerkenswert wie dauerhaft die Bauten der Inkas waren, wenn man bedenkt, was sie damals zu Verfügung hatten. Da kann sich die ein oder andere Baukunst unserer Zeit bezüglich Langlebigkeit noch was abschauen.
Dann kommen wir endlich zum Canyon, der sich wie ein großer Riss durch die Landschaft zieht. In der Nähe vom Mirador de los Condores können wir dann tatsächlich Kondore ganz nah sehen. Fünf Kondore sitzen etwa 20 Meter weit weg auf einem Stein und warten auf die geeignete Thermik. Kurze Zeit später spannen sie dann tatsächlich ihre Flügel und schweben durch den Canyon. Mit einer Spannweite von bis zu drei Metern, machen sie dabei fast keinen Flügelschlag, sondern nutzen geschickt die Winde im Canyon. Faszinierend. Kein Wunder, dass die Inkas diesen Tieren majestätische Anmut und übernatürliche Kräfte nachsagten und sie verehrten als Symbol des Himmels sind des Überirdischen. Ein paar Schritte weiter an einem anderen Aussichtspunkt, dem Cruz de Condor, beobachten wir dann weitere Kondore. Ich bin beeindruckt. Die Tiere scheinen keine Scheu vor Menschen zu haben und fühlen sich von uns überhaupt nicht gestört. Was für ein Erlebnis!


Abends übernachten wir dann in Chivay, einer kleinen Stadt, die außer einem Markt nicht besonders viel zu bieten hat. Am Abend besuchen wir ein Restaurant, in dem wir traditionelle Musik und Tanzeinlagen zu sehen bekommen und sogar selbst Teil der Veranstaltung werden. Zum Schluss finde ich mich in einem traditionellen Kostüm wieder während ich mit einem Mann in einer Kondor Verkleidung tanze. Zum Abschluss stürmen alle Reisenden auf die Tanzfläche - was für ein schöner Abend!


Am nächsten Tag müssen wir die ganze Strecke leider wieder mit dem Bus zurück fahren. Ich gebe zu, dass ich kein großer Fan davon bin, den ganzen Tag im Bus zu sitzen. Wie gerne hätte ich einen Teil des Colca Treks gemacht oder einfach nur eine kleine Wanderung von ein paar Stunden. Aber das sieht unser Zeitplan leider nicht vor. Das mache ich dann beim nächsten Besuch in Peru!