· 

Plan B

Eigentlich hatte ich vor, von Cusco aus in den Norden von Peru zu reisen und von dort über Ecuador nach Kolumbien. Alles mit dem Bus, um möglichst viel von den Ländern zu sehen und um CO2 neutraler unterwegs zu sein. Doch manchmal muss man seinen Plan ändern, auch wenn man sich fest auf Plan A eingestellt hat. Mir fällt das schwer. Ich gebe zu, ich bin da vielleicht manchmal etwas unbeweglich, wenn ich mir etwas fest vorgenommen habe und der Plan in meinen Vorstellungen schon gereift ist. Die Eigenschaft hilft mir auf der einen Seite zielorientiert und fokussiert durchs Leben zu gehen, aber auf der anderen Seite blockiert sie mich auch manchmal. Aber da ich meine Komfortzone sowieso in Deutschland gelassen habe, nehme ich diese, zugegebenermaßen überschaubare persönliche Herausforderung an und beschäftige mich mit Plan B.


B wie Beziehung.
Der Grund für die Plan B ist im Übrigen ein erfreulicher: der Besuch von meinem Freund. Der hatte ursprünglich geplant nach Lima zu kommen und mit mir durch den Norden von Peru bis nach Ecuador zu reisen. Doch bei der Flugsuche stellte sich heraus, dass dies mehr als kompliziert und zudem aufgrund des Gabelflugs sehr teuer ist und meine geplante Route für ihn nicht wirklich viel Sinn macht. Eine zeitliche Verschiebung um einige Wochen kam nicht in Frage, denn wir hatten uns bereits drei Monate nicht mehr gesehen und insbesondere in den letzten Wochen nur selten telefoniert. Die Zeitverschiebung von 6 Stunden macht uns zu schaffen. Er mit der Alltagsroutine in Hamburg, ich mit der schlechten Wifi Verbindung in vielen Orten in Südamerika. Zudem hat die Gruppenreise in Peru meine Flexibilität extrem eingeschränkt, sodass ich nicht mal ebenso eine Stunde später los konnte, um mit ihm zu sprechen und von meinen Erlebnissen zu berichten. Auch wenn wir uns täglich ein paar Zeilen schreiben, merke ich doch, dass er sich immer weiter weg anfühlt. Mir fällt es schwer, das, was ich hier sehe und erlebe in ein paar Zeilen zu pressen. Ihm erscheint es dagegen banal davon zu berichten, was im Büro so los war oder wieviel Squads er beim Crossfit geschafft hat. Ich merke, wie sich die Inhalte unserer Nachrichten irgendwie wiederholen. Ich immer weniger Teil seines Alltags bin. Und er immer weniger Teil meines Abenteuers. Ich nehme es erst gar nicht wirklich wahr, doch irgendwann schleicht sich neben der räumlichen, auch eine emotionale Distanz ein. Ganz leise. Unbemerkt. Ungewollt. Es wird Zeit, dass wir uns Wiedersehen. Wieder mehr miteinander teilen. Wieder mehr Körper, mehr Beziehung, mehr wir. Manchmal fühlt es sich ein bißchen so an, als wäre die Beziehung während so einer Reise auf Pause. Nicht auf Beziehungspause. Auf Entwicklungspause. In den ersten Wochen übt man sich quasi in Fernbeziehung, lernt sich über die Distanz nochmal von einer anderen Seite kennen. Versucht einen gemeinsamen Rhythmus zu finden und legt die Intensität des Kontakts fest. Nachdem sich beide Seiten eingestellt haben, läuft das Ganze recht stabil. Und es fällt gar nicht auf, dass in der ganzen Stabilität doch so viel auf der Strecke bleibt. Von Informationen zum Leben des Partners und körperliche Bedürfnissen mal abgesehen. Zeit zu zweit und ein gemeinsamer Alltag klingt immer so unfassbar unaufgeregt, aber nach 6 Monaten Reisen weiß ich, wie elementar das für eine Beziehung ist.


B wie Bogotá.
Es wird also Zeit, dass wir uns sehen. Schnellst möglich. Nicht virtuell. Sondern im Real Life. Also treffen wir uns in Kolumbien. Ich nehme morgens den Flieger von Cusco über Lima nach Bogotá - nicht gerade nachhaltig. Aber ich kann unmöglich vier Tage verspätet ankommen, weil ich unbedingt mit dem Bus fahren will. 


B wie Bindung.
Ich muss ein paar Stunden am Flughafen warten bis sein Flieger aus Frankfurt landet. Ich sehe den einsamen Koffern dabei zu, wie sie ihre Runden auf den Gepäckbändern drehen. Schreibe ein bißchen, stöbere im Reiseführer und starre auf meine Fußspitzen. Und auf einmal steht er neben mir. Die Umarmung fühlt sich wahnsinnig gut und vertraut an. Es tut gut. Es ist kein Hollywood Wiedersehen mit Freudentränen, Slow Motion Sequenzen und Hebefigur. Aber dafür sind wir ehrlich gesagt beide etwas zu hanseatisch (auch wenn ich gar keine Hanseatin bin). In den ersten zwei gemeinsamen Tagen merke ich, dass ich ein wenig Zeit brauche, um mich wieder warm zu laufen. Wieder in den Beziehungsgang zu schalten. Und nach dieser kleinen Warmlaufphase ist dann plötzlich wieder alles ganz leichtgängig. Und einfach. Und schön.
Wir reden viel über die Zukunft. Und wie wir uns die nächsten Jahre vorstellen. Wir machen gemeinsame Pläne für die Zeit nach meiner Rückkehr. Und ich merke, wie sehr es mir hilft, solche gemeinsamen Pläne zu haben. Wie es die Bindung zwischen uns stärkt. Und wie sehr ich mich darauf freue, in ein paar Wochen diese Pläne gemeinsam in Angriff zu nehmen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Judith (Mittwoch, 27 März 2019 05:11)

    Hi Andrea
    Ganz ganz selten lese ich manchmal in deinem Blog! Wie schön!
    Genießt Kolumbien!
    Kommt Lisa eigentlich auch nochmal rüber oder triffst du sie in Cuba oder so?
    Lg und eine tolle Zeit!
    Judith

  • #2

    Desi (Freitag, 29 März 2019 11:06)

    Ein wirklich toller, und ehrlicher Beitrag. Danke dafür:* Genießt die Zeit zusammen.
    Liebe Grüße
    Desi