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San Andrés

Mehr als 700 km nordwestlich von der kolumbianischen Küste entfernt liegt die Karibikinsel San Andrés. Kolumbus entdeckte das Inselarchipel um San Andrés 1502. Ab 1595 startete die Besiedlung durch die Spanier. Um 1629 ließen sich dann Engländer und Holländer nieder. Sklaven aus Afrika wurden auf die Insel gebracht und die Kultivierung von Baumwolle und Tabak begann. Später eroberte der Pirat Henry Morgan die Insel, nutzte sie als strategischen Stützpunkt und trieb dort sein Unwesen. 


Nach einer Nacht in einem Flughafenhotel im Bogotá, geht es am folgenden Tag mit dem Flieger nach San Andrés. Eine andere Möglichkeit von Bogotá dorthin zu kommen, gibt es leider nicht. Den Flug haben wir bereits vor einigen Wochen gebucht. Pro Person weniger als 30€ mit Wingo. Fliegen ist meiner Meinung nach einfach zu billig in Südamerika. Kurz vorm Boarden stellen wir dann überrascht fest, dass wir für die Einreise eine Art Kurtaxe bezahlen müssen. Und zwar am Gate. Ich bin skeptisch, ob das alles so korrekt ist oder ob das Bodenpersonal die gringos übers Ohr hauen will. Da wir fast die letzten sind, bleibt uns nichts anderes übrig, als die 125.000 Pesos pro Person (etwa 45€) zu bezahlen. Ohne Touristenkarte, kein Boarding. Leider haben wir nicht genug Pesos dabei. Glücklicherweise reisen wir immer mit ein paar US Dollar in der Tasche und die werden in Südamerika quasi überall akzeptiert. Auch hier am Gate.


Der Flughafen auf San Andrés ist klein und mit kolumbianische Ordnung und karibischer Gelassenheit organisiert. Wir warten zunächst in einer chaotischen Schlange bei den Schaltern der Einreisekontrolle als auch beim Kofferdurchleuchten, bei dem sowieso niemand der Angestellten auf dem Bildschirm schaut. Als wir endlich aus dem Flughafengebäude treten, ist es etwa 16.30 Uhr. Ich hatte unterschätzt wie warm es auf so einer Karibikinsel sein kann. Insbesondere wenn man die 2km zum Hostel inklusive Gepäck zu Fuß zurücklegt. Aus den Wohnhäusern schallt Latinomusik. Hühner picken im Müll am Straßenrand. Die Bewohner sitzen gelassen vor ihren Häusern und schauen, was vor ihrer Haustüre so passiert. Keiner hat Stress, keiner hat Eile. Hier tickt die Uhr definitiv langsamer. Nach dem Checkin im Hostel gehen wir am Strand spazieren, genießen die letzten Sonnenstrahlen und schlendern etwas in San Andrés umher. Die Suche nach einem Restaurant stellt sich als Herausforderung dar: die Einwohner hier scheinen Fast Food zu lieben. Am Ende landen wir in einer Art Diner und teilen uns eine Pizza. Es erfüllt den Zweck.


Am nächsten Morgen geht es für uns um 6.00 Uhr mit dem Taxi zum Fähranleger. Wir wollen nach Providencia, eine Insel, die 90km weiter nördlich von San Andrés liegt. Die Überfahrt dauert etwa drei Stunden, kostet stolze 340.000 Pesos und soll recht rau sein. Reisetabletten liegen schon an der Kasse bereit. For free versteht sich. Bootfahren ist ja überhaupt nicht mein Ding. Ich bin da recht empfindlich und grundsätzlich die erste, die über der Reling hängt. Also bin ich gar nicht so traurig, als es heißt, dass die Fähre ausgebucht sei, es aber Warteplätze gibt. Wir ziehen eine Nummer und warten. Der Checkin am popligen Schalter dieser kleinen Bambushütte dauert eine Ewigkeit. Nach zwei Stunden eröffnet uns dann die Dame am Schalter, dass es noch genau einen freien Platz gibt. Wir beide sind an der Reihe. Sind aber zu zweit. Es ist klar: ohne den anderen fahren wir nicht. Insbesondere weil dies die einzige Fähre am Tag ist und am folgenden Tag, ein Dienstag, pausiert wird. Also freut sich eine Alleinreisende über den soeben frei gewordenen Platz. Ich gönne es ihr. Einerseits bin ich etwas erleichtert, andererseits etwas traurig. Providencia soll wirklich schön sein. Ein Paradies mit tollen Stränden und wenig Toursiten. Die Dame am Schalter gibt uns noch die Telefonnummer einer Vermittlung für Flüge nach Providencia. Die sind zwar etwas teurer als die Fähre, dafür gehen sie aber mehrfach täglich. Und das beste: der Flug in einer der kleinen Propellermaschinen dauert nur 17 Minuten. Für den nächsten Tag sind noch Plätze frei. Wir überlegen, wägen ab, werfen sogar eine Münze. Und buchen dann. Wozu haben wir denn das Geld gespart, wenn nicht für das Paradies, das einem vor der Nase liegt?
Wir stapfen samt Gepäck in ein nah gelegenes Café und bestätigen die Flüge. Dann buchen wir noch fix ein Hostel für die Nacht. Ein Gutes hat das frühe Aufstehen: es ist noch nicht mal 9.00 Uhr und der ganze Tag liegt noch vor uns. Als nächstes leihen wir uns ein Golf Caddy (120.000 Pesos), das man hier mieten kann ohne den Führerschein vorzeigen zu müssen oder einen Vertrag zu unterschreiben. Die sind hier alle eher easy drauf. Deshalb trägt auch niemand beim Rollerfahren einen Helm. Nicht ganz ungefährlich beim chaotischen kolumbianischen Verkehr hier wie wir finden. Im Golf Caddy geht es dann kurz zum Hostel Tropical Coral, wo wir eine Karte der Insel und gute Tipps erhalten. Und dann geht's los: einmal um die Insel!


Mit 12 km Länge und 3 km Breite ist San Andrés von einer überschaubaren Größe. Die Insel beheimatet eine Bergkette, die sich von Nord nach Süd zieht. Nur an wenigen Stellen gibt es Sandstrand. Die meisten Küsten bestehen aus zerklüftetem Vulkangestein. Wir starten von San Andrés entgegen des Uhrzeigersinn mit der zunächst zerklüfteten Uferseite. Irgendwo in der Nähe von "Big Mama" halten wir und genießen am steinigen Untergrund unser Frühstück. Bis auf einige Taucher ist hier nichts los. Das erste Bad im kühlen, klaren Nass steht an. Herrlich! Mit der Schwimmbrille meines Freundes kann man sogar ein paar Fische sehen. Mit Schnorchel wäre es sicherlich noch besser! Ich empfehle die Flipflops, anzulassen, da das Gestein scharfkantig ist und sich zwischen den Ritzen viele Seeigel angesiedelt haben.
In einem entspannten Tempo geht es dann weiter zur Südspitze der Insel. Dort befindet sich ein "Blow hole", ein natürlicher Tunnel im Gestein, durch welchen mit jeder Wellenbewegung Luft mit einer hohen Geschwindigkeit an die Oberseite geblasen wird. Und häufig kommt auch Spritzwasser und Gischt mit. Wohlgemerkt eine Touristenattraktion, bei welcher luftige Kleider und Haare nur so davon fliegen. Wir schauen uns das eine Weile an, sind aber beide nicht besonders angetan davon. Ich finde es vor allem extrem lustig, den Leuten beim Fotografieren zuzusehen.

Nach kurzer Zeit springen wir wieder in unser Golfcar und fahren an die Ostseite der Insel, wo man Sandstrand und ruhigere Gewässer finden kann. Wir halten an zwei Orten, um etwas zu schwimmen und am Strand zu sitzen. Gegen späten Nachmittag sind wir wieder zurück in der Stadt, bezahlen den Flug und geben das Spaßmobil zurück.

Resümee: San Andrés hat als Stadt bis auf die Fast Food Restuarants, viel Lärm und auffällig viele Duty Free Stores nicht wirklich viel zu bieten. Die wahre Schönheit der Insel entdeckt man nur, wenn man sich einen fahrbaren Untergrund mietet und einmal über die Insel düst. Zwei Nächte auf San Andrés haben uns beiden hier vollkommen ausgereicht.


Hotel City Express Junior Bogotá | direkt beim Flughafen mit kostenfreiem Shuttle Service, der alle zum 40 min oder bei viel Andrang auch häufiger fährt. Modernes Doppelzimmer inkl. Frühstück für 40€.


Tropical Coral | sehr netter Besitzer, der einem viele Informationen rund um Aktivitäten auf der Insel gibt. Küche zum Kochen und kostenfreies Trinkwasser. Leider sehr hellhörige Zimmer mit Wänden aus Papier.