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Die Finca in Minca

Im Hinterland von Santa Marta stößt man nach etwa einer Stunde Fahrt im Colectivo auf das kleine, niedliche Dorf Minca. Die schwüle Hitze, die wir von Santa Marta kennen, weicht hier einem angenehmeren, frischerem Klima. Es ist nach wie vor tropisch, aber durch die Wälder und Flüsse in der Umgebung sind die Nächte kühler. Minca ist bei vielen Backpackern beliebt. Auf 1000 Einwohner kommen etwa 500 Gästebetten. Einige Reisende bleiben länger, um auf einer Kaffee oder Kakao Farm auszuhelfen. Aufgrund der guten Lage und des tropischen Klimas ist die Region hauptsächlich vom Anbau von Kaffee, Kakao und Wein geprägt.


Ab Santa Marta fährt ein Colectivo mehrfach am Tag nach Minca. Startpunkt ist ein kleines Büro am Markt in Santa Marta. Los geht's, wenn die Bude voll ist. Es ist eng und schwül im Minivan und unser Gepäck reist auf dem Dach mit, aber für 8.000 Pesos pro Person kann man sich nicht beschweren. Wir haben vorab eine Nacht in der Finca San Rafael gebucht, die etwas außerhalb des Dorfes liegt. Als wir in Minca ankommen, stürzen sich gleich einige Moto-Taxifahrer auf uns, die ein gutes Geschäft mit den gringos wittern. 10.000 Pesos wollen sie pro Person haben - mehr als die einstündige Fahrt von Santa Marta. Wir versuchen zu verhandeln, aber sie bleiben stur. Also laufen wir. Sie sagen, es würde zwei Stunden dauern bis wir ankämen und es sei sehr anstrengend mit dem Gepäck bei dem warmen Wetter. Mit letzterem haben sie sogar recht. Die zwei Stunden dagegen waren völlig übertrieben - eine Masche, um den unwissenden gringo doch noch für sich zu gewinnen. Nach 30 Minuten Schlepperei in der Hitze und zwei durchgeschwitzten T-Shirts später erreichen wir die Finca. Daniel, ein Schweizer, der hier freiwillig ein paar Wochen arbeitet, begrüßt uns herzlich und zeigt uns die Finca. Zunächst gönnen wir uns einen hauseigenen Kaffee und Kakao, der hier rund um die Uhr für Gäste zur freien Verfügung steht. Danach springen wir in den Pool und genießen von dort die Aussicht auf die Berge. Eigentlich könnten wir zu einem Wasserfall. Oder zu einem natürlichen Pool, 45 Minuten Fußweg entfernt - aber irgendwie steht uns der Sinn nach Relaxen und Nichtstun. Und die Zeit ist sowieso etwas knapp, sodass alles etwas hektisch wäre. Also schalten wir beide einen Gang runter und verzichten auf einen großen Ausflug. Manchmal muss das sein. Um noch etwas von Minca zu sehen, spazieren wir hinab ins Dorf und drehen dort eine kleine Runde. Gegen frühen Abend essen wir in der Finca, denn wer nicht selbst kochen möchte, kann sich von den Damen des Hauses bekochen lassen (15.000 Pesos pro Person). Selbst ein vegetarisches Menü ist im Angebot. Den Abend lassen wir dann ganz entspannt beim Nichtstun ausklingen. 


Trotz Moskitonetz erwachen wir am nächsten Tag mit ein paar Stichen. Das hat leider die schwüle Hitze so an sich - Moskitos. That's nature. Schlimmer, als meine Stiche aus dem Pantanal kann es sowieso nicht werden. Wir starten früh mit einer etwa 90minütigen Führung durch die Kaffee- und Kakaoplantage (für Gäste 5.000 Pesos pro Person, für Externe 15.000 Pesos). Daniel erklärt uns wie die Pflanzen wachsen, wie die Ernte per Hand funktioniert und was danach beim Verarbeiten passiert. Das hier ist weit entfernt von einer Monokultur, denn zwischen den Kaffeepflanzen wachsen Mango-, Kakao- und Caracoli Bäume. Man sagt, die hohe Qualität kolumbianischen Kaffees ist unter anderem auf den Mischanbau mit anderen Pflanzen zurückzuführen. Daniel führt uns auf dem "Camino der Café", einem schmalen Weg durch die Plantage hinauf zu einem Aussichtspunkt, von dem man bis zur nächst größeren Stadt schauen kann. Wir pausieren und genießen die Sicht über die grünen, fruchtbaren Berge. Nach dem Abstieg erfrischen wir uns kurz im Pool und kaufen dann zum Abschluss noch etwas Kaffee als Souvenir für die Daheimgebliebenen - ich finde Mitbringsel oder Geschenke, die man aufbrauchen und benutzen kann, sind mit die besten. Und was kann es schöneres geben, als leckerer Kaffee in Bioqualität direkt vom Erzeuger?


Finca San Rafael | 2 km von Minca den Berg hinauf, 30 Minuten Fußweg. Die Farm wurde 1961 erbaut und ist seit wenigen Jahren in Besitz eines Schweizer Ehepaares. Diese haben die Finca 2015 komplett renoviert und auch neue Kaffee und Kakaopflanzen angesetzt. Die Finca hat vier großzügige Gästezimmer mit eigenem Bad. Doppelzimmer etwa 90.000 Pesos. Kein Wifi, aber das hilft beim Entspannen. sanrafaelminca.com


Café Museo del Cacao | hier gibt es leckeres, kühles Bier von "Happy Nebbi", einer Mikrobrauerei aus Minca und selbst gemachtes Eis am Stiel. Außerdem Wifi!

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