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Nationalpark Tayrona

An der karibischen Küste liegt einer der schönsten Nationalparks in Kolumbien: Tayrona. Etwa eine Stunde Busfahrt von Santa Marta entfernt windet sich dieses Schmuckstück zwischen den Ausläufern der Sierra Nevada und dem tobenden Meer. Er ist das Zuhause vieler Tier- und Pflanzenaren sowie des indigenen Stammes der Tayrona. Der Park ist sehr beliebt bei Reisenden. Um die indigene Bevölkerung und die Natur zu schonen, wird er mehrere Wochen im Jahr gesperrt. Als wir ankommen, ist er gerade wieder eröffnet worden, was den Andrang vieler Besucher erklärt. 


Timing.
Wir nehmen den Bus von Santa Marta (7.000 Pesos pro Person) und da wir vorher noch im Supermarkt einkaufen, nehmen wir einen der letzten Busse Richtung Park. Mehrfach sagen wir dem Fahrer Bescheid, dass wir dringend bis 17.00 Uhr beim Eingang "El Zaino" sein müssen. Da wir jedoch insbesondere auf den letzten Kilometern ständig anhalten, um Leute ein- und aussteigen zu lassen, erreichen wir den Eingang um Punkt 17.00 Uhr. Wir springen aus dem Bus und rennen Richtung Kasse. Mit einem Fuß sind wir schon im Park. Ein Eintrittsticket können wir jedoch nicht mehr kaufen. Ich kann es nicht fassen. Was ist mit der kolumbianischen Zeitwahrnehmung passiert? Es ist 17.01 Uhr und wir können nicht mehr in den Park? Ich bitte und bettle die Sicherheitsmenschen und Parkranger an. Aber sie bleiben hart. Um Punkt 17.00 ist hier tatsächlich Feierabend. Wir dürfen noch nicht mal auf den nächst gelegenen Zeltplatz innerhalb des Parks nächtigen. Meine Emotion schwankt zwischen Enttäuschung, Fassungslosigkeit und Wut. Nach einigen Minuten beende ich die Unterhaltung mit dem Satz "Ich werde jetzt erst mal weinen und dann sehen, wie es weitergeht." Meine etwas gebrochene Stimme dabei ist nicht gespielt, sondern echt. Und es wirkt anscheinend. Wenige Minuten nachdem die Sicherheitsbeamten abgezogen sind, lassen uns die Parkranger dann doch noch rein. Zwar ohne Eintrittsticket und Erkennungsbändchen, da die Kassen geschlossen sind. Aber immerhin müssen wir nicht im Vorgarten irgendeines Einheimischen übernachten. Wir bezahlen stolze 58.000 Pesos plus Sicherheitspauschale pro Person in bar und dürfen dann passieren. Ich mache von der Bestätigung der Bezahlung und unseren nebenstehenden Passnummern ein Foto, da der Beleg beim Parkranger bleibt. So wirklich sicher bin ich nicht, ob er uns nicht über Ohr haut. Aber wir haben fast keine andere Wahl und mein Intuition sagt, dass es das richtige ist. Also starten wir gegen 18.00 unsere ersten Kilometer im Nationalpark Tayrona.

Draußen.
Die erste Nacht verbringen wir in der Nähe des Eingangs von El Zaino. Nur etwa 3.2km Fußweg entfernt, findet man den Campingplatz Castilletes. Er hat eine unglaublich schöne Lage: direkt am Meer, umgeben von Palmen. Leider kann man nicht schwimmen, da die Strömungen zu stark sind. Und als wir am Strand stehen sehen wir die Wucht der Wellen und stellen dieses Verbot nicht in Frage. Man kann entweder auf Sand campen oder auf Gras. Wir entscheiden uns für Gras, in der Nähe einer Palme. In wenigen Minuten haben wir das mitgebrachte Zelt aufgebaut; gerade noch rechtzeitig bevor die Dunkelheit einsetzt. Dann heißt es kochen. Dafür muss man selbst Holz suchen und ein Feuer an einer Herdstelle machen. Es gibt ein paar Töpfe, mehr aber auch nicht. Es dauert etwas ehe wir ein ordentliches Feuer zum Kochen zustande bringen. Während der Reis kocht, besorge ich kaltes Bier im Kiosk (eine Dose kaltes Biet kostet 5.000 Pesos, glücklicherweise ist dort Kreditkartenzahlung ab 30.000 Pesos möglich). Nur mit ein paar Karotten, Bohnen und Erbsen schmeckt der Reis etwas lahm. Leider gibt es weder einen Minisupermarkt noch Gewürze. Mein Freund öffnet seine Dose Thunfisch und mischt sie unter den Reis. Definitiv geschmackvoller als mein trockenes Reisgericht. Aber was soll's. Satt werde ich auf jeden Fall. Wir riechen so sehr nach Holzkohlegrill, dass wir vor dem Schlafengehen duschen und ein paar Klamotten auswaschen. Glücklicherweise hat mein Freund in Macguyver Manier eine kleine improvisierte Wäscheleine zwischen Zelt und Palme gebastelt. Wir gehen früh zu Bett, da wir müde vom Tag sind. Die Mücken tun ihr übriges und so flüchten wir bald ins Zelt. Es ist so warm, dass unsere dünnen Baumwollschlafsäcke vollkommen ausreichend sind. Mitten in der Nacht hören wir dann ein lautes Zischen über uns. Irgendetwas Großes fällt auf unser Zelt. Wir beide schrecken hoch. Glücklicherweise ist es nur ein trockenes Palmenblatt. Eine Kokosnuss wäre deutlich unbequemer gewesen. Da haben wir nochmal Glück gehabt.

Workout.
Wir stellen keinen Wecker für den nächsten Tag. Ich bin überzeugt wir wachen von der aufgehenden Sonne, dem Geräusch der Wellen und Campingtrubel des neuen Tages auf. Als ich um 8.45 auf die Uhr schaue, bin ich etwas überrascht. Wir frühstücken trockenes Brot, ein paar Früchte und eine Tasse Kaffee und bauen unser Zelt ab. Dann heißt es leider: zurück zum Eingang. Denn wir brauchen die Bändchen für den Einlass. Die haben wir ja leider gestern aufgrund des verspäteten Eintritts nicht erhalten. Wir lassen unser Gepäck kurzerhand im überwachten Raum des Campingplatzes, schnappen unsere Pässe, ein Flasche Wasser und mein Handy für den Fotobeleg der Bezahlung und joggen zurück zum Eingang. Es ist hügelig und heiß. In der Mittagshitze bei über 30 Grad geht das ganz schön auf den Kreislauf. Aber Zeitersparnis ist jetzt wichtiger. Nach 20 Minuten stehen wir schweißnass am Eingang und siehe da - alles wird gut. Wir erhalten neben den Bändchen noch eine Quittung und passieren kurze Zeit später erneut die Pforte. Diesmal offiziell. Mit Bändchen. Und meine Intuition lag mal wieder richtig: wir wurden nicht übers Ohr gehauen. Den Weg zurück joggen wir ebenso. Nach einer kurzen erfrischenden Dusche können wir dann unsere Wanderung durch den Park gegen 12.30 beginnen.
Nach einer halben Stunde erreichen wir die Eco-Habs, von wo aus der Weg der neun Steine, "camino de 9 piedras", beginnt. Der Rundweg führt auf einem schmalen Pfad durch den Dschungel, vorbei an großen, runden Steinen, am Strand entlang, zu zwei Aussichtspunkten mit Blick auf den Strand und die Küste. Der Weg ist 1.4 km lang und man benötigt etwa eine gute halbe Stunde. Auf einigen wenigen hölzernen Erklärtafeln wird mehr zum Leben und Glauben des Stammes der Tayrona erläutert. Besonders schön ist er Aussichtspunkt "Mirador de la Sierra y El Mar" mit tollem Blick über den Strand und die dahinter liegende Vegetation. Danach wandern wir weiter Richtung Arrecife. Der Weg besteht zum Großteil aus Holzstegen und windet sich teilweise am Strand entlang, teilweise durch die Wildnis. Mir gefällt es sehr gut hier, allerdings ist die Hitze ziemlich anstrengend. Gegen 15.30 Uhr erreichen wir den Campingplatz Don Pedro. Auch hier bezahlen wir 15.000 Pesos pro Person pro Nacht. Leider wird nur Bargeld akzeptiert, allerdings glücklicherweise auch US Dollar. Denn unsere Pesos werden langsam etwas knapp und eine ATM Maschine gibt es hier leider nirgends. Als Rückgeld gibt's ein kaltes Bier - genau das Richtige nach den 15 km Wandern und dem vielen Geschwitze. Nach dem Checkin und dem Aufbau unseres Zeltes machen wir uns dann auf zum Badestrand, der in etwa 20 Minuten Entfernung liegt. La Piscina, das Schwimmbad, bietet grobkörnigen Sandstrand und seichte Wellen, da ein sichelförmiges Riff die Wellen schon früh bricht. So entsteht ein natürliches Schwimmbecken, in dem man auch prima Schnorcheln kann. Es ist schon später Nachmittag, die Sonne geht langsam unter. Eine schöne und entspannte Atmosphäre, um nochmal die letzten Sonnenstrahlen des Tages zu genießen. Am Abend kochen wir erneut mit Feuer. Beim gestressten Einkauf in Santa Marta haben wir versehentlich statt Tomatensoße für die Nudeln zu Ketchup gegriffen. Also gibt es Pasta mit Gemüse in schmackhafter Ketchupsauce. Gesünder geht es kaum. Aber da weit und breit kein Supermarkt ist und wir hungrig sind, geben wir uns damit zufrieden. Wer keine Lust hat zu kochen und/oder die Lebensmittel mitzuschleppen, der kann auf beiden der Campingplätze im Restaurant essen. Preise sind durchaus okay und nicht sonderlich überteuert wie es eigentlich in einem abgeschiedenen Flecken wie diesem zu erwarten wäre. 

Planänderung.
Den nächsten Tag starten wir früher. Nachdem wir uns ein Frühstück im Restaurant teilen, machen wir uns auf Richtung El Pueblito, da wir beim zweiten Eingang Calabazo den Park verlassen und Richtung Santa Marta zurück wollen. Allerdings kommen wir nicht sehr weit, denn beim Fragen nach dem Weg auf unserem Campingplatz heißt es, dass das Dorf nicht passierbar sei. Die indigene Bevölkerung lässt niemanden passieren. Ein stiller Protest gegen die Überflutung ihres Gebiets durch Touristen und mit ihnen das Hinterlassen von Müll. Durch die Sperrung kommt man nicht zum zweiten Eingang, denn der einzige offizielle Weg führe durch dieses Dorf. Ich kann die Einheimischen verstehen, bin aber dennoch enttäuscht. Das heißt, wir müssen den kompletten Weg, den wir gestern gelaufen sind, wieder zurück. Zur Sicherheit fragen wir noch mal die Jungs vom Pferdereiten in Arrecife. Aber auch die sagen das gleiche. Wir möchten es nicht darauf ankommen lassen, da es bis nach El Pueblito 3 Stunden Fußmarsch sind. Ich versuche mich nicht lange zu grämen, ändern kann ich es sowieso nicht. Wenn ich eines auf der Reise gelernt habe, dann, dass man einige Dinge so nehmen muss, wie sie sind. Selbst wenn man änder Pläne hatte. Und in den meisten Fällen ist dies für irgendetwas gut. Und tatsächlich sehen wir auf dem Rückweg an einer Stelle eine Horde kleiner Affen. Sie schwingen sich von Baum zu Baum, klettern hoch hinauf und auf beängstigend dünnen Ästen herum. Sie kommen teilweise so nah, dass man fast Angst hat, sein Handy geklaut zu bekommen. Nach 2.5 Stunden Fußmarsch erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt "El Zaino", wo wir gegen Mittag in den Bus zurück nach Santa Marta steigen.


Die dreitägige Tour war mit ihren insgesamt 30 km nicht besonders anstrengend was das Wandern an sich betrifft, nur schweißtreibend - selbst wenn man größtenteils im Schatten der Vegetation läuft. Dennoch ist der Tayrona Nationalpark aufgrund seiner außerordentlichen Lage definitiv etwas besonderes. Auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass etwas weniger Leute unterwegs sind. Aber unberührte schöne Flecken bleiben in unserer heutigen Zeit nicht lange unentdeckt. Man kann es Ihnen nicht verübeln.


Die dreitägige Tour war mit ihren insgesamt 30 km nicht besonders anstrengend was das Wandern an sich betrifft, nur schweißtreibend - selbst wenn man größtenteils im Schatten der Vegetation läuft. Dennoch ist der Tayrona Nationalpark aufgrund seiner außerordentlichen Lage definitiv etwas besonderes. Auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass etwas weniger Leute unterwegs sind. Aber unberührte schöne Flecken bleiben in unserer heutigen Zeit nicht lange unentdeckt. Man kann es Ihnen nicht verübeln.

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