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Providencia - lost in paradise

Am nächsten Tag fahren wir also am späten Vormittag wieder zum Flughafen. Der improvisierte Checkin Schalter von Grupo San Germán ist nichts weiter als ein kleiner Pult mit einer Waage daneben. Eigentlich darf man nur 10 Kilo Gepäck mitnehmen - aber auch wenn wir etwas drüber liegen, scheint das niemanden zu stören. Man selbst muss auch auf die Waage steigen. Dann darf man durch die Handgepäckskontrolle und in den Wartebereich. Später laufen wir dann mit 15 anderen Menschen über Rollfeld zur Propellermaschine. Ich komme mir ein bißchen vor wie bei einem exklusiven Privatevent. Das Einsteigen ist bei knapp 20 Leuten schnell erledigt. Kurze Zeit später gibt uns der Copilot die Sicherheitshinweise und dann werden auch schon die Propeller angeschmissen. Der Flug nach Providencia ist überraschenderweise ein echtes Erlebnis. Man hat einen tollen Blick über San Andrés und Providencia - die Farben des Meeres sind einfach unglaublich: Türkis, Blau, Azur. Nicht umsonst wird das Meer um Providencia "El mar de los siete colores", das Meer der sieben Farben genannt. Auch wenn der Hin- und Rückflug mit 464.000 Pesos pro Person das Budget doch sehr strapaziert, war es das auf jeden Fall wert! Die Aussicht, das Abenteuer, die Zeitersparnis - vielleicht sollte das mit der Fähre auch nicht klappen, damit wir das hier erleben.


Insgesamt waren wir vier Tage auf Providencia. Hier sind meine Top 5 Erlebnisse dieser wunderbaren Tage im Paradies:


No. 1 | Schnorcheln auf Crab Cay

Zu einem absoluten Highlight meiner Kolumbienreise zählt das Schnorcheln auf Crab Cay (oder auch Cayo Congrejo genannt). Wir organisieren über unsere Gastgeberin Transport mit dem Boot und Ausrüstung (60.000 Pesos pro Person). Abholung ist direkt vor unserer Pousada. Diese liegt direkt am geschützten Nationalpark McBean Lagoon, in welchem man weder baden, angeln noch mit dem Boot anhalten darf. Also fahren wir mit dem Boot durch dieses Schutzgebiet und bestaunen das kristallklare türkisblaue Wasser. Dann erreichen wir eine kleine Insel am Rande dieses Nationalparks. Es gibt keinen Strand, da die Insel rundum mit Korallenriffen umgeben ist. Dafür gibt es einen großen Steg und eine Plattform aus Holz. Wir werden von Board gelassen, schnappen uns Schnorchel, Taucherbrille und Flossen und betreten Crab Cay. Der Eintritt kostet pro Person 18.000 Pesos. Wir sind gegen 11.00 Uhr dort und es ist bereits relativ viel los auf der kleinen Insel. Dennoch dämpft das meine Euphorie nicht. Das hier ist einfach das Paradies! Wir gehen sofort ins Wasser und schnorcheln. Und auf einmal sehen wir sie. Eine Meeresschildkröte. So groß und so nah. Und so angstlos. Ganz entspannt schwimmt sie über den Meeresboden, knabbert an Grünzeug herum, taucht an den staunenden Schorchlern vorbei an die Wasseroberfläche, um Luft zu holen und widmet sich dann wieder der Nahrungsaufnahme. Phantastisch! Wir beide sind total begeistert. Gegen Mittag wird die Insel spürbar leerer und die Atmosphäre entspannter.

Bei unserem zweiten Schnorchelgang umrunden wir einmal die Insel - ich gebe zu, alleine hätte ich mich das nicht getraut, da ich nicht die beste Schwimmerin bin und viel Respekt vorm offenen Meer mitsamt all seiner Kreaturen habe. Aber ich habe jemanden an meiner Seite, der mich an die Hand nimmt und mir die Angst nimmt. Und das ist schön. Wir sehen viele Fische, von gelb über azurblau bis silberglänzend. Faszinierend! Danach laufen wir zur kleinen Anhöhe der Insel, was etwa 3 Minuten dauert. Oben angekommen gibt es einen großen runden Stein - wer weiß wie der da hin gekommen ist. Von dort hat man einen beeindruckenden 360 Grad Blick über das Naturschutzgebiet und kann die schillernden Blautöne des Meeres genießen.
Bei unserem dritten Schnorchelgang am Nachmittag sind wir dann fast alleine im Wasser und sehen erneut eine Schildkröte, an die wir ganz nah ran schwimmen können. Wir haben sie quasi für uns alleine. Und dann sehen wir plötzlich auch zwei Rochen auf dem sandigen Boden.
Zum Abschluss gönnen wir uns an der Bar von Crab Cay ein schönes, kaltes Bier. Wir beiden sind total beeindruckt von den Erlebnissen auf dieser kleinen Insel. Das hier ist einfach eine wunderbare, einmalige Erinnerung und ich bin froh, dass ich diese mit meinem Liebsten teilen kann.

No. 2 | Strände an der Westküste
Die Westküste von Providencia hat drei schöne Sandstrände, die alle einen Besuch wert sind. 
Almond Bay liegt in einer kleinen Bucht. Von der Straße muss man einen steilen Fußweg hinab zum Strand gehen. Unten gibt es eine kleine Bar, die auch Essen anbietet. Ein paar Tische und Stühle stehen direkt auf dem Sand.
Rund um den Freshwater Bay sind die meisten Unterkünfte auf Providencia angesiedelt. Hier konzentriert sich der Tourismus. So hat dieser Strand wohl die beste Infrastruktur mit Volleyballfeld, Bars und Restaurants. Aber Abgeschiedenheit und Ruhe ist hier Fehl am Platz. Grund genug für uns, dem Strand nur einen sehr kurzen Besuch abzustatten.
Southwest Bay ist der breitesten die längste Sandstrand auf Providencia. Die Wellen brechen weit draußen, sodass das Wasser hier ganz besonders flach in die Bucht kommt. Der Sand ist fein und weiß und von Palmen gesäumt. Am südlichen Ende sind einige Restaurants und Posadas mit Meerblick zu finden. 
An der südlichsten Spitze der Insel gibt es einen besonders entspannten Ort: Rolands Bar. Ich habe jetzt noch den tollen Ausblick und die entspannte Atmosphäre vor Augen. Kolumbianische Rhythmen klingen aus den Boxen, Hängematten und Schaukeln baumeln zwischen den Palmen, die Wellen rauschen sanft auf den Sandstrand. An einem Abend sitzen wir nebeneinander auf einem Palmenstamm, trinken kaltes Bier, genießen die Aussicht aufs endlose Meer und schweigen. Manchmal kann glücklich sein so einfach sein. 

No. 3 | Inselumrundung mit dem Roller

Obwohl die Insel klein ist, braucht man ein Fortbewegungsmittel. Öffentliche Verkehrsmittel wie Busse gibt es leider nicht. Pro Tag kostet die Miete etwa 70.000 Pesos, häufig werden sie von Hostels oder Posadas (Privatunterkünften) vermietet. Nicht gerade günstig, aber Mountainbikes kosten 50.000 Pesos pro Tag und wenn man zu zweit ist, ist der Roller schon mal die günstigere (und auf jeden Fall bequemere) Lösung. Auch auf Providencia fährt man grundsätzlich ohne Helm. Selbst die Polizei ist oben ohne unterwegs. Eine Inselumrundung schafft man locker in einem halben Tag, mit Stopps an Stränden kann man daraus einen schönen Tagesausflug machen!

Wir waren jeden Tag mit dem Roller unterwegs. Ich habe insbesondere die Flexibilität und Unabhängigkeit genossen. Eine ganz besonders schöne Erfahrung war, als wir uns mit dem Roller in einer Seitenstraße verirrten und wir plötzlich in einem improvisierten Baseballfeld zwischen Grünfläche und Straße standen. Die Spieler ließen sich von uns nicht weiter irritieren und spielten einfach weiter in ihren Flipflops.

No. 4 | Morgan's Head mit dem Kayak
Bis heute sagt man, dass der Pirat Henry Morgan auf der Insel einen Schatz versteckt hat, der bis heute nicht gefunden wurde. Wer also abenteuerlustig ist, kann auf Providencia auf Schatzsuche gehen. Wir versuchen es vom Wasser aus mit dem Kayak. Nachdem wir über die "Puente de los Enamorados", die Brücke der Verliebten, gelaufen sind, kommen wir auf der Insel Santa Catalina an. Hier biegen wir links ab. Nach etwa 10 Minuten findet man am Pier einen Kayakverleih. Pro Stunde kostet das Ganze nur 10.000 Pesos inkl. kompletter Ausrüstung. Auf Nachfrage erhält man auch wasserdichte Taschen für seine Wertsachen. Dann paddeln wir los Richtung Fort Beach und Morgan's Head, eine Steinformation in Form eines Kopfes, der auf das Meer blickt. Wir brauchen etwa 30 Minuten bis wir dort ankommen. Dort machen wir das Kayak fest und gehen an Land. Mein Freund packt quasi sofort seine Angel aus und widmet sich seinem liebsten Hobby. Ich gehe eine Runde Schnorcheln (Brille und Schnorchel haben wir beim Kayak Verleih für 10.000 Pesos mit gemietet) und genieße einfach den Moment, so abgeschieden und einsam. Ab und an kommt ein Boot vorbei. Aber wir sind hier weitgehend alleine, da es keinen Weg von Land hierher gibt. Mein Liebster fängt sogar trotz defekter Angel einen großen gelben Fisch. Den lässt er aber wieder ins Meer - nicht mir zuliebe wie er beteuert. Der Fisch ist froh, dass er nicht gegessen wurde, ich bin froh, dass der Fisch nicht sterben muss und mein Freund ist froh, dass er was gefangen hat. Und so leben sie alle drei glücklich bis an ihr Lebensende.

No. 5 | Sonnenuntergang bei Southwest Bay
Am Nachmittag kann man hier das mild temperierte Wasser genießen und in den seichten Wellen plantschen. Am Abend ist es für uns der schönste Ort, um sich den Sonnenuntergang anzusehen. Am besten bei Tom's Chill Spot, einer kleinen Bar mit leckeren Cocktails, kaltem Bier und Lagerfeuer. Wir sehen sogar im Meer die Köpfe von Schildkröten, die immer wieder zum Luftholen auftauchen. Was für eine Atmosphäre! Und so romantisch, dass es fast ein bißchen kitschig ist.

Obwohl die Tage in Providencia etwas über dem Reisebudget lagen, bin ich sehr froh, dass wir uns letztlich doch entschieden habe, dorthin zu reisen. Da der Zugang zur Insel nur durch die Fähre oder die kleinen Flugzeuge möglich ist, sind hier einfach wenig Touristen. Darüberhinaus hat die Insel viel von ihrem ursprünglichen Charme behalten. Die kreolische Gelassenheit ist hier an der Tagesordnung und tatsächlich bewundernswert. Wir stellen uns die Frage, ob wir uns vorstellen könnten, hier in diesem Paradies zu leben und beantworten beide diese Frage eindeutig mit nein. Es ist einfach zu wenig los, es ist zu abgeschieden, zu einsam und andererseits zu intim, da jeder jeden kennt. Doch für eine kleine Auszeit von der Welt da draußen ist es einfach perfekt! 


Pousada Sunrise View | Unser Zimmer ist klein, es gibt kein Wifi und die Küche darf man aus irgendeinem Grund nur bis 19.00 Uhr benutzen. Aber dafür hat man einen Blick direkt aufs Meer und eine sehr nette Gastgeberin. Etwa 110.000 Pesos für ein Doppelzimmer ohne Frühstück.


Pousada Old Town | im Zentrum der Altstadt. Wir hatten leider ein Zimmer ohne Fenster und das Haus ist sehr hellhörig. Aber die Besitzerin ist sehr sympathisch und zuvorkommend. Die Lage direkt am Strand. Etwa 140.000 Pesos für ein Doppelzimmer mit Frühstück.