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Mindo

Der nächste Tag begrüßt mich mit strahlend blauem Himmel. Mindo ist ein kleiner, ruhiger Ort mitten im Cloud Forest, etwa zwei Stunden Fahrzeit nordwestlich von Quito. Auf der Dachterrasse des kleine Hostel Melyang kann ich beim Frühstück den Kolibris zuschauen, die vorbeifliegen und an am Zuckerwasser kosten. Ich gehe den Tag entspannt an und versuche das Wetter zu genießen so lange es gut ist. Denn hier im Cloud Forest kann sich das ganz schnell ändern.


Las Cascadas.
Ich wandere durch das Dorf zu dem Wasserfall La Reina. Die 5.5km Fußweg führen am Marktplatz entlang, dann rechts ab in Richtung der Ziplines, immer dem Schild "Tarabita" nach. Ich überquere den Río Mindo und kurze Zeit später sehe doch tatsächlich ein Tucan Pärchen.  Man sieht sie schlecht, da sie sich im dichten Blätterwerk verstecken, aber ihre großen Schnäbel blitzen dennoch hervor. Nach einer guten Stunde wandern auf der Schotterstraße sehe ich die gelbe Gondelstation. Eine Fahrt im Körbchen kostet rund 5$, ist aber auch jeden Fall ein Erlebnis. Innerhalb von wenigen Sekunden rauscht man über das Tal auf die andere Seite. Von dort gibt es zwei Wege: entweder zu sieben kleineren Wasserfällen oder zu einem großen Wasserfall. Ich folge der Empfehlung des Gondelführers und gehe zu La Reina, dem großen Wasserfall. Der einstündige Weg führt 4km über einen schönen Pfad, der sich durch den Dschungel schlängelt. Es ist so feucht, dass ich die Tropfen höre, die durch die Luftfeuchtigkeit entstehen und auf die Blätter fallen. Ich genieße es durch den Matsch zu wandern und für mich zu sein. Nur zwei andere Menschen kommen mir während dem Weg zum Wasserfall entgegen. Und dann plötzlich stehe ich vor einer betonierten Treppe. Mitten im Dschungel. Ein wirklich surrealen Anblick. Ich laufe sie hinauf und stehe vor La Reina. Ich genieße die Erfrischung durch das Spritzwasser und mache mich dann wieder auf den Rückweg. Da ich noch Zeit habe, laufe ich von der Gondelstation noch einem anderen Wasserfall: Cascadas Nebillo. In nur 15 Minuten ist man dort. Die Anlage dort mit einer Aussichtsplattform und Sanitäranlagen sowie Umkleiden wirkt sehr in die Jahre gekommen und verlassen. Also verweile ich nicht lange und wandere wieder zurück zur Gondel um den Heimweg anzutreten. Dichte Wolken sind aufgezogen, es ist schwül, Moskitos schwirren in Wolken durch die Luft. Auf dem Rückweg zum Hostel fängt es an zu nieseln. Es tropft leise auf meine Kapuze. Zurück im Hostel genieße ich den Rest des Nachmittags auf der überdachten Terrasse und freue mich, heute nicht mehr vor die Tür zu müssen.


Zip Zip Hurra!
Mindo ist neben seiner Vogelvielfalt bekannt für seine Outdooraktivitäten. Ich möchte unbedingt etwas ausprobieren, dass ich noch nie gemacht habe. Also geht es los zum Zip Lining. Dabei hängt man an zwei Stahlseilen und fliegt quasi von Berg zu Berg. Klingt lustig. Ist es auch. Für 20$ ist das Ganze zwar nicht gerade ein Schnäppchen, aber immerhin wird man eine Dreiviertelstunde lang von zwei blutjungen Guides begleitet, die mich über die 10 Seile führen. Ich komme mir ein bißchen alt vor, bis mir einer der beiden seine Nummer gibt und meint, ich solle doch noch einen Abend in Mindo bleiben und mit ihm ein Bier trinken gehen. Sweet. Er ist nicht älter als 20 und hat vermutlich keine Ahnung, dass ich mit meinen fast 34 Jahren einer anderen Generation angehöre. Ich möchte ihn in seinem jugendlichen Leichtsinn nicht vor den Kopf stoßen. Also lächle ich und sage, ich würde es mir überlegen. 
Ich fliege kopfüber, in Superman-Pose, rückwärts und schwingend am Seil entlang. Es macht irre Spaß und manchmal kann sich meine Kehle zwischen Schreien und Lachen nicht entscheiden. Also ist es ein wilder Mix aus beidem. Es macht auf jeden Fall Spaß und ist zum Ausprobieren genau das Richtige. Einmal reicht dann aber auch.


Hostel Melyang | charmantes, kleines einfaches Hostel, das von einer Familie geführt wird. Herzlicher Empfang und super Tipps. Bett im Mehrbettzimmer nur 5.60$.


Mindo Ziplining | 3650 Meter, 10 Kabel und viel Spaß!


Arepa Venezolano Soulfood | sehr leckere Arepas für nur 2$. Vegetarische und sogar vegane Optionen im Angebot. Kleines Lokal am Hauptplatz direkt neben der Apotheke.


Yumbos Chocolate | eine kleine Schokoladen Manufaktur, die im Rahmen eines sozialen Projekts insbesondere Frauen unterstützt. Ich kenne diese Schokolade aus Quito, wo es am Plaza San Francisco einen Laden mit vielen Produkten gibt. Besonders empfehlenswert ist die 70% Schokolade, die lediglich aus zwei Zutaten besteht: Kakao und Zucker. Ein tolles Produkt ist auch die reine Kakaobutter für kosmetische Zwecke, die als Nebenprodukt der Schokoladenherstellung entsteht. In Mindo werden täglich Führungen und Verkostungen angeboten.

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