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Quito

Es ist Wochenende und ich bin in der Hauptstadt Ecuadors. Ausgerechnet zwischen Karfreitag und Palmsonntag bin ich einer sehr katholischen Metropole, die mehr als 25 Kirchen in der Innenstadt aufweist. Das wird ein Spaß!


Otavalo Markt
Da Samstag ist, beschließe ich zum großen Handwerkermarkt in Otavalo, nördlich von Quito, zu fahren. Die etwa zwei stündige Busfahrt führt durch das schöne, hügelige Hinterland von Quito. Die Otavalos sind insbesondere für ihre Webereien und bunt bemalten Holzkunstwerke bekannt. Rund um den Plaza de los ponchos siedeln sich die verschiedensten Stände kreisförmig im Zentrum Otavalos an. Neben Obst, Gemüse und Fleisch gibt es Gewürze und jede Menge Street Food. Im Bereich Kunsthandwerk werden vor allem Glasperlenschmuck, Lederwaren, Accessoires, Teppiche, bestickte Blusen und Tischwaren sowie Traumfänger und Instrumente wie Ukuleleln, Flöten und Rasseln angeboten. Leider ist nicht alles Kunsthandwerk. Es gibt auch Neuware und Massenproduktionsartikel aus den umliegenden Fabriken. Nach langem Stöbern werde ich auf die Kunsthandwerkerin Dioni aufmerksam, die zusammen mit ihrem Mann Marcel modernen Glasperlenschmuck mit traditionellen Motiven und Techniken fertigt. Etwa eine halbe Stunde stehe ich am Stand, um die bunt Fülle ihrer Produkte zu erfassen und mich für etwas zu entscheiden. Schließlich kaufe ich einen handgewebten Gürtel in schwarz-weiß - passend zu meinem Capsule-Motto - und ein paar Ohrringe. Ich verhandle nicht den Preis, da er erstens angeschrieben ist und ich zweitens echtes Kunsthandwerk unterstützen möchte. Ich finde es wunderbar zu wissen, woher die Produkte kommen und wer sie mit anhand gefertigt hat. Für mich hat das etwas Besonderes. Ich muss gestehen, dass ich es ziemlich schwer fand, dieses echte Kunsthandwerk zu finden. 
Als ich so durch die Gänge schlendere, spricht mich ein junger Typ auf englisch an. Erst bin ich skeptisch und halte meine Tasche fest. Könnte ja ein mieser Ablenkungstrick sein und sein Kumpel biegt gleich um die Ecke und raubt mich aus. Aber nach kurzem Gespräch stellt sich heraus, dass er seit ein paar Jahren englisch lernt und Leute sucht, mit denen er üben kann. Und die findet er am besten samstags auf dem Markt. Wir spazieren herum und quatschen eine Weile bis es anfängt zu regnen und wir in eine Bar gehen, um ein Bier zu trinken. Es ist unterhaltsam und ich lerne etwas mehr über die ecuadorianische Kultur, wie er aufgewachsen ist und wie wichtig es für ihn ist durch das Englisch zu einer guten, wenn möglich internationalen Arbeit zu kommen. Es sind eben doch die Begegnungen mit den Einheimischen, die eine Reise erst besonders machen. Die ihr einen Charakter geben. Ein Gefühl.

Nach etwa einer Stunde verabschiede ich mich, da ich zurück nach Quito fahren muss. Beim Rückweg gönne ich mir in einem Kiosk ein selbst gemachtes Eis aus einer heimischen Frucht namens Tuxo und am Busbahnhof ein knuspriges Käse-Empanada. Im Bus zurück sitze ich neben einer alten Dame, die in traditionellem Otavalogewand mit Pollera, dem Rock, bestickter Bluse, Perlenketten, Basthut mit Krempe und Umhang gekleidet ist. Leider nuschelt sie so sehr, dass ich sie fast nicht verstehe. Dafür gebe ich ihr einen meiner Brotkringel ab. Sie schenkt mir ein hübsches, zahnloses Lächeln und greift zu. Es lebe die nonverbalen Kommunikation.


How to get...
Busse ab Quito fahren ab dem Terminal Carcelen im Norden der Stadt
Kosten 3$ pro Strecke, Zeit etwa 2 Stunden
Samstags fahren die Busse etwa alle 15 Minuten, unter der Woche seltener
Der letzte Bus ab Otavalo nach Quito fährt um 19.00 Uhr

Altstadt

Die Altstadt von Quito wurde als eine der ersten Städte 1978 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Bis heute zählt Quitos Altstadt zu einer der größten und best erhaltenden Kolonialbauten. Auf rund 2850m gelegen, ist Quito die höchste Hauptstadt der Welt - und nur deswegen weil die Hauptstadt von Bolivien Sucre ist und nicht La Paz. Quito wurde 1534 von den Spaniern auf einer Inkastätte gegründet. In den folgenden Jahren führte der Katholizismus zum Bau von etwa 20 Kirchen.
Ich war total beeindruckt von der Vielzahl an Bauten und auch von der tollen Lage inmitten von teils bebauten, teils begrünten Hügeln. Diese sieht man am besten, wenn man auf den Turm der Basilika klettert. Für 2$ kann man den Turm einer der größten gotischen Kirchen der Welt erklimmen. Der Ausblick von dort oben ist wahnsinnig schön. Der Aufgang ist etwas abenteuerlich, da sämtliche Sicherheitsvorkehrungen fehlen und keiner einen Überblick über die Besucher hat. Wir haben eine etwas schlechte Zeit erwischt und für den Ausflug zur Spitze rund zwei Stunden gebraucht aufgrund der langen Wartezeiten.
Um etwas mehr über Quito zu erfahren habe ich eine Free Walking Tour gemacht. Da an dem Tag meines Besuchs Palmsonntag ist, komme ich in den Genuss eine Sonntagsprozession zu erleben. Hunderte von Leuten laufen mit Palmblättern durch die Straßen und in die übervollen Kirchen. Wie sich es Ende der Tour heraus stellte, war es eher eine Mischung aus historischer Walking Tour und Food Tour. Aber die Kultur eines Landes lernt man ja schließlich auch durch das Essen kennen! Und so habe ich Kaffee, Kakao, Schokolade, Eis und Empanada aus Ecuador gekostet. 

Neustadt
Rund um den Plaza Foch haben sich viele Bars, Restaurants und Clubs angesiedelt. Hier ist das Ausgehviertel von Quito. Abends und nachts sind sehr viele Leute unterwegs, vor allem am Wochenende. Wer also die Nacht zum Tag machen will, ist hier genau richtig. 
Im Gegensatz zur Altstadt stehen in diesem Teil von Quito vor allem neue Gebäude und auch einige Wolkenkratzer. Ich bin ein wenig umher spaziert und mochte vor allem den Kontrast, den die Neustadt zur historischen Altstadt bildet. Jeden Sonntag werden tagsüber einige Straßen für Radfahrer gesperrt - dann ist es besonders schön!

Ich habe auf meiner Reise bereits einige südamerikanische Metropolen gesehen, doch Quito hat mich wirklich positiv überrascht. Beim nächsten Besuch würde ich ein paar Tage mehr einplanen - es lohnt sich!


El Patio Hostel | sehr modernes, neues und sauberes Hostel. Wahrscheinlich das ordentlichste Hostel des bisherigen Reise. Es gibt einen tollen Innenhof, ein Netflix Zimmer und kuschelige, kleine Schlafkapseln in den Mehrbettzimmern sowie große Schließfächer. Gutes Frühstück! Am Abend werden gemeinsame Abendessen für 4$ bis 6$ angeboten. Lage direkt um die Ecke des Plaza Foch, daher kann es ggf. etwas laut werden.


Masaya Hotel | in der historischen Altstadt mit schönem Restaurant bzw. Café, tollem grünen Innenhof und sensationeller Open Air Chillout Lounge. Es gibt auch Mehrbettzimmer. 


Trolebus | dieses sehr gut funktionierende Bussystem, hat eigene Fahrspuren auf den Avenidas und ist mit 0.25$ pro Fahrt sehr günstig. Es kann eng werden, insbesondere in den Stoßzeiten.

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