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Jim Knopf in Guatemala City

Die Hauptstadt Guatemalas ist nicht gerade eine imposante Schönheit. Etwas schmuddelig, in Teilen etwas unsicher und im Großen und Ganzen kein besonders attraktiver Touristenmagnet. Es gibt allerdings einen Ort, von dem ich mehr als überrascht war: das Museo de Ferrocarril. Das Eisenbahnmuseum. Nun bin ich kein besonders großer Fan von Eisenbahnen, aber nach unzähligen historischen Museen mit Töpfereien, Textilien und Ausgrabungen, die ich bisher auf meiner Reise besucht habe, bin ich froh, mal etwas anderes zu sehen.


Das Eisenbahnmuseum befindet sich in der alten Bahnstation von Guatemala City. Ausgestellt sind viele Dampfloks und Waggons, die man zum großen Teil begehen kann. Darüberhinaus wird alles rund um den Eisenbahnverkehr im 19. Jahrhundert in Guatemala gezeigt, angefangen von Werkzeugen zur Wartung über alte Fahrscheine, Koffer und Abfahrtafeln bis hin zu Büroeinrichtungen der damaligen Zeit. Ich bin besonders vom authentischen Vintage-Charme begeistert und von der engen Verbindung dieses Museums zur Kolonialzeit. 
Letztlich ist es nicht die Ausstellung an sich, die meinen Besuch so einzigartig gemacht hat. Sondern zwei alte Eisenbahnfans. Rodrigo und James, beide pensioniert, arbeiten für das Museum an der Ticketkontrolle. Ich wollte wissen, wie denn das Eisenbahnnetz heute aussieht, da ich bisher weder Bahnhof noch Züge gesehen habe. Mit traurigem Blick erklärt mir James, dass der Bahnverkehr seit den 90er Jahren eingestellt wurde, da das Straßennetz so gut war, dass sich der langwierige Transport auf Schienen sowie deren kostspielige Erhaltung nicht mehr rentierte. Und dann quatschen wir eine halbe Stunde über den Eisenbahnverkehr in Guatemala und Deutschland, das Bildungssystem, übers Kinderkriegen, das gute Essen hierzulande und meine Reise. Zum Schluss bietet mit James an, dass ich ihn heirate und in Guatemala bleibe. Ich lächle nur, lehne charmant ab und gebe ihm stattdessen meinen Facebook Kontakt.


Es sind eben diese kleinen Begegnungen, die eine Reise mit Leben füllen. Die ihr Charakter geben. Es sind die Einblicke in das Leben der Menschen, die eine Kultur ausmachen. Es sind diese Gespräche, die aus dem nichts entstehen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und mal wieder bin ich froh, dass ich spanisch spreche, denn sonst könnte ich dies nie so intensiv und nah erleben.


Museo de Ferrocarril | Führungen gibt es leider nur unter der Woche und vermutlich nur auf Spanisch. Die Erklärtafeln sind ebenfalls ausschließlich aus Spanisch. Eintritt 2 GTQ

Capsule Hostel | In der Zone 10 gelegen, in der Nähe vom Hauptplatz, der Bibliothek und des Mercado Central. Es gibt morgens ein leckeres Pancake Frühstück. Das Personal ist hilfsbereit und gut informiert. Leider ist die Stimmung im Hostel eher anonym.


Mercado Central | großer, überdachter Markt mit unterschiedlichen Abteilungen. Frisches Obst und Gemüse sowie Gewürzstände, sehr vorzeigbare Fleisch- und Fischtheken. Im Großen und Ganzen einer der saubersten und ordentlichsten Märkte,die ich bisher besucht habe. Es gibt darüber hinaus auch Kunsthandwerk von Textil bis Korbflechtereien und ganz besonders interessant finde ich die Abteilung für Plastikblumen und Hochzeitsdekoration. Mittagessen an einer der viele Essensstände für nur 25 GTQ nicht verpassen!


Museo Ixchel de Traje Indigena | liegt direkt am Campus der Universität neben dem Museum Popol Vuh. Interessantes Gebäude mit Backsteinstruktur in indigenen Musterungen. Sehr gute Ausstellung mit Bezug auf die heutige Interpretation und moderne Adaption der traditionellen Textilien. Ich hatte leider etwas zu wenig Zeit eingeplant, 45 Minuten sind definitiv zu wenig. 
Eintritt 45 GTQ


Cafe Imerí | ich war etwas irritiert vom Wachposten am Eingang, scheint hier aber häufig normal zu sein. Schöner Innenhof. Ich probierte den Kuchen "alemán con cirula" - ein in warmer Milch getränkter Kuchen mit eingebackenen Kirschen. Höchst merkwürdig.

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