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Alternativ Reisen in Antigua

In meinen Augen ist es eine Selbstverständlichkeit Ressourcen wie Wasser und Energie zu sparen und Müll und Lebensmittelverschwendung so gut wie möglich zu vermeiden - egal, wo ich auf der Welt gerade unterwegs bin. Verantwortungsvolles Reisen geht aber über diese Grundprinzipien hinaus. Der wichtigste Aspekt des nachhaltigen Reisens für mich ist, dass der Tourismus der lokalen Bevölkerung zu Gute kommt. Mit wenigen Dingen, kannst man als Reisender viel für die Leute vor Ort ändern. Und zudem bekommt man noch Einblicke in die fremde Kultur und das Leben der Einheimischen. Hier kommen ein paar Tipps, wie man möglichst nachhaltig reisen kann:


01 Buche eine Unterkunft von Locals 
Ich frage mich ja immer, wer große Hotelketten wirklich mag. Ich bevorzuge kleine Unterkünfte, die von Einheimischen geführt werden. Auch wenn der Standard manchmal nicht dem entspricht, was ich von Europa kenne. Dafür bekommt man in der Regel eine große Portion Gastfreundschaft und gute Tipps, was man in der Umgebung unternehmen kann. 


The Purpose Hostel | das Hostel wird zwar nicht von Locals geführt, dafür arbeiten im Service ausschließlich Taubstumme aus Antigua, die sonst vermutlich keine große Chance hätten zu arbeiten. Das Hostel wird unter anderem von der Deutschen Tatjana geführt, die seit einigen Jahren in Antigua lebt. Viele Dinge im Hostel sind selbst gemacht oder selbst genäht. Derzeit arbeitet sie mit ein paar jungen Frauen aus dem Service an kleinen Nähprojekten, die von den Gästen gekauft werden können. Ich habe ihr meinen Schnitt für mein Haarband überlassen. So kann auch ich etwas Gutes für die Community tun.
Das Hostel hat eine wunderbare Dachterrasse mit Yogamatten, schöne Zimmer, bequeme Betten und ist wahnsinnig sauber. Es gibt kostenloses, gefiltertes Wasser sowie Kaffee und Tee rund um die Uhr. Leider gibt es keine Küche - das ist erst in ein paar Jahren angedachten, wenn das Business reibungslos läuft. Step by Step!

02 Wähle einen ortsansässigen Touranbieter
Ich liebe es Dinge vorher zu organisieren und informiere mich häufig im Internet, was ich vor Ort machen kann und mit welcher Agentur. Jedoch haben viele lokale Agenturen, die Ausflüge anbieten, keinen Internetauftritt. Das heißt aber nicht, dass sie weniger professionelle Touren anbieten als andere. Dafür arbeiten sie mit lokalen Guides zusammen und sind darüberhinaus meist etwas günstiger. In einigen Fällen geben die Touranbieter einen Teil des Erlöses an ihre Community ab.


Soy Tours | wer den nahe gelegenen Vulkan Acatenango besteigen will, dem empfehle ich diesen Touranbieter. Ein gewisser Prozentsatz der Einnahmen kommt dem Dorf, das am Fuße des Vulkans liegt und aus dem der Besitzer Gilmer Soy kommt, zu Gute. Derzeit kämpft er um eine Wasserversorgung für das Dorf.

03 Esse lokal und regional
Ich verstehe, dass man sich ab und an nach "westlichem" Essen sehnt oder sich eine Pommes bei einer der Fast Food Ketten gönnt. Jedoch sollte man darauf achten, dass man möglichst viel bei Restaurants oder Imbissen isst, die von Locals geführt werden und im Idealfall regionale Produkte verwenden. Auch Street Food sollte man durchaus probieren. In vielen Fällen ist die Angst vor Lebensmittelvergiftungen übertrieben. Street Food ist eine tolle Gelegenheit, um lokale Gerichte zu probieren, die Leute vor Ort zu unterstützen und Geld zu sparen.


Samsara | Vegetarisch-veganes Café bzw. Restaurant, welches regionale Produkte von umliegenden Bauern verwendet. Ich hatte eine super leckere belegte Schnitte, einen köstlichen Smoothie und einen süßen Müsli-Ball. Alles hausgemacht!


Street Food | am Abend sitzen um den Hauptplatz von Antigua viele Street Food Ambieter. Unter anderem eine Dame, die auf dem Gehsteig sitzt und Brot belegt mit Guacamole, Tomatensalsa, Mus aus schwarzen Bohnen und Ei. Kostet nur 5 GTQ - das sind umgerechnet etwa 0,60€.

04 Unterstütze lokale Initiativen
Ob es der Besuch einer Weberinnen-Kooperative oder eine Führung über die Biofarm ist - mit Hilfe von etwas Recherche oder durch Gespräche mit Locals stolpert man häufig über Initiativen, die es wert sind zu unterstützen. Manche Reisende, die etwas mehr Zeit mitbringen, machen ein Volunteering für ein paar Wochen, bei dem ihr Arbeit durch kostenloses Wohnen und freie Mahlzeiten entlohnt werden.


Eco-Farm Antigua | diese Biofarm etwas außerhalb von Antigua baut rund 250 verschiedene Gemüse- und Obstsorten nach alten Maya Techniken an: es wird in Spiralen in wechselnder Fruchtfolge und gemäß dem Mondkalender gepflanzt. Für 75 GTQ erhält man vom Besitzer Emilio eine zweistündige Führung über die Farm. Da der Ausbruch des Vulkans im vergangenen Sommer die komplette Ernte und Pflanzen zerstört hat, ist hier noch einiges im Wiederaufbau. Neben der Agrikultur bietet die Farm auch Schulungen und Werkstätten für die Locals an, genauso wie Sportkurse und Fußballturniere. Das Neuste Projekt sind die Rettung von Hundewelpen von der Straße. Rundum ein interessantes und gutes Projekt.

05 Shopping mit guten Gewissen
Wer konsumiert, entscheidet sich. Nicht nur für eine Farbe oder einen Style, sondern auch für ein Label, für ein Material, für eine Herstellungsweise und auch für die Arbeitsbedingungen. Insbesondere in Mittel- und Südamerika hat man die Möglichkeit, direkt von den Kunsthandwerkern zu kaufen. So kann man mehr über deren Arbeit erfahren und das Geld kommt direkt bei der Person an, die die Sache herstellt. Am schönsten finde ich jedoch, dass das neue Teil eine Geschichte und ein Gesicht bekommt.


Wayil by Algodones Mayas | in diesem Laden findet man nur Baumwollprodukte, die ohne Farbstoffe entstanden sind. Bestimmte Sorten vom Baumwolle sind nämlich braun oder grau. Für die blauen Töne wird recyceltes Denim verwendet. Die Webtechniken der Textilien sind von den Mayas überliefert, allerdings sind die Muster dezent und eignen sich so hervorragend auch für europäische Haushalten. Nicht ganz günstig, aber wunderschön, auch wenn man nur stöbern kann.

Was macht ihr, um möglichst nachhaltig zu reisen? Ich freue mich über weitere Tipps in den Kommentaren!



What else to do...


Panadería Doña Luisa | eine der ältesten Bäckereien in Antigua. Leckeres hausgemachtes Granola mit selbst gemachtem Yoghurt, große Portionen und lustige Bestellkarte im Vintage-Style. Schöner Innenhof. 7.00 bis 21.00 Uhr. Es gibt auch einen kleinen Laden nebenan.


Hotel Santo Domingo | das Fünfsterne-Hotel ist auf bzw. um Ruinen einen alten Klosters erbaut. Es lohnt sich durch die Anlage zu spazieren und die wunderschöne Gartenanlage zu genießen. Dem Komplex sind auch einige Museen angeschlossen, für die man als Externer Geld bezahlen muss (48 GTQ). Ich bin einfach ein Stündchen in der Anlage herumspaziert. 


Alte Kathedrale | die erste Kirche der Stadt wurde 1545 erbaut. Erdbeben im 18. Jahrhundert führten dazu, dass man sich entschloss, die Kirche nicht wiederherzustellen. Heute ist die Ruine für 20 GTQ zugänglich. Wild romantisch.


Las Palmas | Bar mit Live Salsa Musik. Super Stimmung!


How to get...
Von Guatemala City aus nimmt am besten den Transmetro Bus bis zur Haltestelle Santa Cecilia (rote Linie). Wenn man von der Stadtmitte kommt, läuft man in Fahrtrichtung bis zu einer großen Apotheke Farmacia Cruz Verde. Dort biegt man rechts auf eine mehrspurige Straße an und hält sich etwas links. Nach wenigen Metern sieht man bereits die großen, bunten Chicken-Busse. Es gibt keinen festen Abfahrtsplan, nach Antigua fahren die Busse ständig.

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