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Riding on a Chicken Bus

Eigentlich gehöre ich zu dem Personenkreis, der nie ohne Reisetablette und Plastiktüte in den Bus steigt. Schon aus dem Grund hätte ich nie gedacht, dass ich auf meiner Reise das Busfahren lieben lerne. Ich mag es so zu reisen, wie es die Einheimischen tun. Häufig kommt es zu einem netten Schwätzchen, bei dem man Kultur und Menschen hautnah kennen lernen kann. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: denn Platz ist relativ. Man sitzt häufig eng an eng, in jede Nische wird ein Koffer oder noch ein Kind gequetscht. Und es wird geschwitzt. Einzige Abkühlung bringt der Fahrtwind, der durch die offenen Fenster bläst. Nebenbei sieht man die Umgebung und bekommt eine Idee davon wie die Menschen abseits der touristischen Ziele leben. In Guatemala habe ich mal für 190km rund 7.5 Stunden gebraucht, da es auf teilweise unbefestigten Schotterstraßen mitten durch das Hochland ging. Slow Travel Deluxe!

In Zentralamerika ist das Busfahren noch mal etwas anders als in Südamerika. Hier kommen nämlich ausrangierte nordamerikanische Schulbusse zum Einsatz. Moderne Fahrzeugflotten mit verstellbaren Rückenlehnen, USB-Anschluss und Entertainment-Programm wie in Südamerika sucht man hier vergeblich. 

In Guatemala habe ich die sogenannten Chicken Busse kennen gelernt. Häufig sind sie bunt bemalt, manchmal werden sie lustig illuminiert und immer, wirklich immer, läuft laute Latino-Musik. In der Regel gibt es einen Fahrer und einen Helfer, "Ayudante" genannt, der für Logistik, Marketing und Kasse zuständig ist. Der Name der Chicken-Busse stammt aus früheren Zeiten, da auf dem Dach häufig Hühner transportiert wurden. Heute kommt dies vor allem noch an Markttagen vor. Generell gilt: es wird alles transportiert, was in irgendeiner Form transportabel ist. In der Regel kommt größeres und sperrigeres Gepäck aufs Dach - wenn der Bus nicht ganz so voll ist, kann man sein Gepäck auch mit in den Bus nehmen, sodass man ein Auge darauf hat. Bei kleineren und voll gepackten Bussen hat man jedoch keine Chance zu insistieren - der Rucksack wird aufs Dach geschnürt. 


Im Vorfeld habe ich mich über die Sicherheit dieser Chicken-Busse informiert und musste feststellen, dass viele offizielle Stellen davon abraten mit diesen Bussen zu reisen. Nach einigen Gesprächen mit Einheimischen und anderen Reisenden habe ich mich jedoch dazu entschlossen, dennoch diese Art des Reisens zu wählen. Und ich habe es nicht bereut! Vorsichtig sollte man trotzdem auf alle Fälle sein und seine Wertsachen am Körper tragen und ein Auge auf sein Gepäck haben. Ein bißchen Spanisch sprechen hilft, da man so besser erklären kann, wo man aussteigen möchte. Ich bin auch immer nur tagsüber gereist, da die Sicherheitslage bei Dunkelheit wohl noch mal anders sein kann.


In den vielen Stunden, die ich in den Chicken-Bussen verbracht habe, habe viele interessante Gespräche geführt, Landschaften gesehen und vor allem Geld gespart. Mit Abstand ist dies eines der günstigsten Arten des Reisens. So kann ich nur jeden ermutigen auf seiner Reise durch Mittelamerika diese Chicken-Busse zu nutzen. In diesem Sinne: I love busrides!

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