No Shopping

Seit Mitte April stelle ich mich einer neuen Herausforderung: no shopping. Seit fast 6 Monaten faste ich bei der Neuanschaffung von Kleidung, Accessoires und Schuhen. Es soll ein Zeichen sein gegen Fast Fashion, den Überkonsum von Kleidung und gegen die unfassbar günstigen Preise vieler Kleidungsstücke. Eigentlich dachte ich, dass dies ein einfaches Spiel wird, da mein Kleiderschrank bereits gut gefüllt ist. Doch nach nahezu einem halben Jahr muss ich gestehen, dass es doch die ein oder andere schwierige Situation gab.
Die ersten beiden Monate fielen mir sehr leicht, da mehrere Wochen Shopping-Abstinenz auch vorher keine Seltenheit für mich waren. Doch dann kam der Schlussverkauf. Verführerische Versuchungen, die an jeder Ecke locken und dir auf jeglichem Medium "Kauf mich!" ins Gesicht brüllen. Ich blieb standhaft indem ich mir vor Augen führte, wie schlimm eigentlich die Tatsache ist, dass die gleichen Klamotten noch vor wenigen Wochen erst in die Laden geliefert wurden. Wie wertlos die Klamotten erscheinen, wenn sie zu Massen auf Wühltischen liegen und auf Kleiderständer gequetscht werden um später auf dem Boden landen und dort liegen gelassen werden. Wie viel Ware aus der letzten Mode-Saison noch über ist, obwohl die jahreszeitbedingte Saison eigentlich noch gar nicht vorbei ist.
Statt der Versuchung nachzugeben, probierte ich alternative Methoden aus, um mein Bedürfnis zu stillen:


1. Second Hand: mittlerweile gibt es einige gut sortierte Second Hand Shops. Wenn man Lust auf ein wenig stöbern hat und einen der etwas muffige Geruch dieser Läden nicht stört, kann man hier kleine Schätze entdecken. Wichtig: lass dich überraschen. Wenn du etwas konkretes suchst, wirst du es meist nicht finden. Ich habe in Kopenhagen eine wunderschöne Seidenbluse aus Japan gekauft, die mittlerweile zu meinen Lieblingsteilen im Schrank gehört. Und in Tel Aviv habe ich ein etwas ausgefallenes Top zum Ausgehen entdeckt. Aber nicht nur Offline gibt es interessante Läden. Auch Online ist Kleiderkreisel oder EBay Kleinanzeigen durchaus eine sehr gute Alternative. Einziger Nachteil: kein Anprobieren und keine Rückgabe möglich.
2. Fashion Swap: in Hamburg gibt es verschiedene Veranstalter rund um das Thema Kleidertausch. Mit etwas Glück bringt man ein paar ausrangierte, aber noch sehr tragbare und schöne Sachen hin um mit ein paar tollen Teilen nach Hause zu gehen. Ich habe bei meinem ersten Swap in Hamburg im Café in guter Gesellschaft ein tolles schwarzes Kleid ertauscht.
3. Upcycling: wer nähen, sticken oder schneiden kann, der sollte unbedingt diese Variante ausprobieren. Neben einfachen Dingen wie aus einer ungeliebten langen Jeans eine süße, kurze Shorts machen, kann man sich auch an komplexere Dinge heranwagen. Ich habe beispielsweise eine Jeans enger genäht, den Saum rausgelassen, die Kante ausgefranst und den unteren Teil mit bunten Bändern verziert. Aufwand und Kosten sind mit 2 Stunden und ca. 5€ für die Bänder überschaubar. So hat man nicht nur ein ungeliebtes Teil zu einem kleinen Highlight verwandelt, sondern auch noch ein sehr individuelles Stück kreiert.
4. Repair: angefangen vom abgefallenen Knopf über die Flicken auf der Jeans bis hin zur sich auflösenden Naht - wer seine Sachen liebt, der repariert sie. Sicherlich kann nicht alles endlos repariert werden, aber mit etwas Kreativität lässt sich auch der Edding-Fleck auf dem Ärmel des Pullovers entfernen. In meinem Fall habe ich dem Pullover kurzerhand 3/4-Ärmel verpasst.
5. For rent: es gibt Dinge, die braucht man nicht im alltäglichen Gebrauch wie beispielsweise ein schickes Cocktailkleid oder die ausgefallene Partyclutch. In solchen Fällen lohnt sich immer bei einer guten Freundin (idealerweise mit der gleichen Kleidergröße) nachzufragen. Mit meinen Schwestern tausche ich beispielsweise jede Saison Accessoires. Alternativ kann man auch bei professionellen Anbietern wie der Kleiderei ein monatliches Abo abschließen um Produkte seiner Wahl 4 Wochen sein eigen zu nennen.


Ich habe in den letzten Monaten jede dieser Methoden ausprobiert. Ich finde insbesondere den Mix interessant, da ich je nach Bedürfnis unterschiedliche Ausgangssituationen in meinem Kleiderschrank vorfand. Klar ist: egal welche dieser Varianten man für sich wählt, man braucht deutlich mehr Zeit um ans Ziel zu kommen. Darüber hinaus man muss kreativ werden - sei es im Styling oder im Abändern des Kleidungsstückes. Zu guter Letzt sollte man etwas flexibel sein in Bezug auf die Lösung; denn häufig findet man nicht genau das, was man sucht oder sich vorgestellt hat.
Die letzten Monate habe ich mein Konsumverhalten in Bezug auf Kleidungsstücke, Accessoires und Schuhe mehr als einmal hinterfragt. Und das hat mich geprägt. Zukünftig werde ich auf alle Fälle häufiger die oben beschriebenen Varianten nutzen, wenn ich Bedarf oder Lust zu neuen Kleidungsstücken habe. Erst im zweiten Schritt (und bei Unterwäsche und Schuhen im allgemeinen) werde ich neue Produkte kaufen  - dann idealerweise aus nachhaltigen Materialien oder von einem nachhaltigen Label.